Das Wunder der schadstofflosen Autos

Die Zunft der Alchemisten galt den Menschen früherer Zeiten als reichlich dubios. Sagte man ihnen doch nach, dass sie unter Einsatz fragwürdiger Kräfte minderwertiges Metall in Gold verwandeln würden. Wunderbares aus dem Nichts zu zaubern, soll es in diesem Jahrtausend wieder geben. Nennen wir es Elektromobilität.

Die Selbstverständlichkeit, mit der ein Elektroauto in die Kategorie „Null Emissionen“ eingestuft wird, ist so groß, dass die öffentliche Meinung wie ein Teil eines Hexenwerkes wirkt. Denn würde stimmen, was die Kanzlerin sagt, wäre ein uralter Menschentraum real in Erfüllung gegangen: Fortbewegung ohne Anstrengung und ohne Folgen für die Umwelt wären möglich geworden. Nicht, dass dieser Gedanke völlig neu wäre. Das Auffahren gen Himmel nach dem Tod gehört allerdings in die Abteilung „Glauben und Zweifeln“, das Beamen von Raumschiff zu Planet ist Science-Fiction.

Aber zurück zum Elektro-Auto. Um zuverlässig fahren zu können, benötigt es keinen Zapfhahn, wohl aber einen Stecker. Mit dessen Hilfe wird Strom übertragen, der, weil er unsichtbar, geruch- und geschmacklos ist, nach allgemeiner Einschätzung aus dem Nichts kommt. Tut er aber nicht. Manchmal wird er von einem stinkigen ostdeutschen Kohlekraftwerk geliefert, weshalb unser Ministerpräsident Horst Seehofer neue Stromleitungen aus seinem Bayernland heraushalten möchte.

An dieser Stelle erhebt der Elektroauto-Produzent entschieden Einspruch. Heutzutage werde doch der Strom nahezu komplett aus Wind und Sonne produziert. Aber: Entstehen beim Herstellen von Windrädern und Solarzellen keine Schadstoffe? Und ist die Rechnung so falsch, dass beim Produzieren eines Autos mit Metallkarosserie so viel klimaschädlicher Dreck erzeugt wird, dass es selbst Benzinern kaum möglich ist, beim Herumfahren während ihres Autolenens eine vergleichbare Schadstoffmenge zu erzeugen?

Es ist kompliziert. Weshalb wir alsbald verschärft eine ganz andere Botschaft bekommen dürften: Kohlendioxidfreien Strom gibt es nur aus dem Kernkraftwerk. Die Alchemisten der Atomindustrie gelten als besiegt. Ganz weg vom Fenster sind sie aber nicht.

 

4 Kommentare in “Das Wunder der schadstofflosen Autos

  1. Und in Bayern gibt es ebensowenig Kohlekraftwerke wie Benzin (und Diesel) -Autos Metallkarosserien haben? Ahja. Hm.

  2. und Uranabbau geschieht absolut umweltfreundlich und klimaneutral (was interessiert uns die Umweltzerstörung in anderen – vorzugsweise ärmeren – Ländern)(oder anders: Braunkohletagebau ist vergleichsweise umweltfreundlich, trotz Mondlandschaften)

  3. Kleine Gedanken:
    Erstens können die Akkus der Elektro-Autos sehr gut als Puffer dienen. Wird sehr viel regenerative Energie produziert, können sie geladen werden. Ähnlich wie damals beim „Nachtstrom“. Mit etwas Technik könnten die Akkus auch teilweise entladen werden, wenn das Netz extreme Nachfrage hat.

    Zweitens: Ich müsste nachschlagen. Aber die Energie, die verbraucht wird, um eine Solarzelle zu erzeugen, ist geringer, als diese in ihrer Lebenszeit (inzwischen mehr als 20 Jahre) erzeugt. Windräder sind, je nach Bauart, unterschiedlich. Der Mast wird teilweise aus Beton hergestellt, was relativ wenig knappe Materialen und Energie verbraucht. Was anderes sind teilweise die Magneten, die aus Neodym hergestellt werden. Hauptlieferant ist hier China, was für nicht unbedingt umweltfreundlichem Abbau steht.

    Letzter Gedanke: Silizium-Solarzellen und Windräder können zum großen Teil wiederverwendet werden. Ein verbrannter Liter Öl oder ein verheiztes Kilo Braunkohle sind unwiederbringlich verloren. Nicht nur für uns, sondern auch für alle Generationen, die mit etwas Glück noch nach uns kommen.

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