Das vorgetäuschte Quötleins-Weinen

Oha, unsere Wirtschaft jault wieder auf. Denn die Frauenquote kommt. Die Politik will, dass die trauten Männerrunden in den Aufsichtsräten von etwas mehr als 100 börsennotierten Großunternehmender durch Frauen gesprengt werden. Das ist nicht nur ein Frontalangriff auf die letzten Refugien des Herrenwitzes. Nein, es drohe übelste Zwangswirtschaft, purer Geschlechtersozialismus, sozusagen.

Warum bloß diese Weinerlichkeit? Es geht gerade mal um 200 Jobs. Und an der Qualifikation kann es nicht scheitern. In Krisenzeiten sehen Aufsichtsräte sehr oft schlecht aus und entscheiden falsch. Warum sollte das nicht auch jeder Frau gelingen? Wenn der Begriff „Nieten in Nadelstreifen“ zwecks Emanzipation um „Nieten in Nylonstrümpfen“ ergänzt wird – bitteschön.

Die Frauen wiederum sollten daran denken: Wo das Licht noch nicht so hell ist, wo also die Sonne tief steht, werfen auch kleine Dinge lange Schatten. Darauf hofft die Wirtschaft insgeheim. Dass nämlich diese Quote, die in Wahrheit ein Quötlein ist, die weiblichen Beschäftigten beruhigt. Indem sie ihnen das Gefühl gibt, dass ihnen beim Verwirklichen ihrer Karrierewünsche auch dann geholfen wird, wenn sie ihre Eizellen nicht einfrieren wollen.

Man will ablenken vom allgemeinen Versagen der Wirtschaft. Bis hinunter in kleinste Unternehmen sind Chefs mit der biologischen Tatsache überfordert, dass Frauen Kinder bekommen können. Erst recht wirft es sie aus der Bahn, wenn diese auch noch frei entscheiden, wann das passieren soll.

Es gibt also kein echtes Problem, weshalb wir jetzt im Advent das Lied singen sollten: „Sah ein Chef ein Quötlein steh’n, Quötlein auf der Heid’n. War so zart und wunderschön. Bracht ihn nicht zum Leiden…“