König Horst, die Messer sind gewetzt

„Der König ist tot! Es lebe der König! Die Bedeutung dieses aus Frankreich überlieferten Ausrufs ist klar. Wir haben Respekt vor unserem Herrscher. Wenn er es aber nicht mehr bringt, wird er ausgetauscht  – und danach ganz schnell vergessen. Ein heißer Kandidat für solches Schicksal ist Horst Seehofer.

Das Phänomen der kurzen Erinnerung kennt der männliche Teil der Bevölkerung von den Fußballtrainern. Wer weiß heute noch, wo ein Erich Ribbeck wann gearbeitet hat? Auch ein Könige und Fürsten, die einst viele Seiten unserer Klatschmagazine gefüllt haben, sind ratzfatz abgehakt. Nur bei der englischen Queen läuft es anders. Sie befindet sich weit im Rentenalter, erledigt ihren Job jedoch sehr gut – und bleibt noch ein paar Jährchen.

Bei Horst Seehofer sieht das anders aus. Der bayerische Ministerpräsident, als dessen größte Erfolge die Historiker die Rückeroberung der absoluten Mehrheit, die Herdprämie, und die Pkw-Maut nennen werden, steckt in Problemen. Er hat einige Alphatiere seiner Partei weggeräumt und  hat eh keine so große Lust auf die popelige Landespolitik. Verständlich, er ist ja schon 65 geworden.

Verständlich ist aber auch, dass potentielle Nachfolger ehrgeizig mit den Hufen scharren.  Was der alternde Silberrücken so beantwortet, dass er versucht, sie in ihrer Bedeutung klein zu halten. Um irgendwann selbst zu entscheiden, in wessen Hände er den Freistaat Bayern übergibt.

Bloß: Seehofer ist weder Papst noch Queen. Er ist Chef der CSU, einer sehr erfolgreichen, aber bei Bedarf auch gnadenlosen Partei. Ob Streibl, Stoiber oder Beckstein: Wer nicht mehr getaugt hat, wurde abserviert. Die eigene Nachfolge hat keiner selbst geregelt.

Die Messer sind wohl längst gewetzt. Denn: Ein/e Nachfolger/in muss sich bekannt machen können. Und 2018 ist nicht mehr so fern.