Apple hilf: Wir haben keine Zeit!

Ich habe keine Zeit! Wahrscheinlich gibt es kein Gefühl, das die Menschen in diesem Land mehr verbindet. 35-Stunden-Woche? 30 Tage Urlaub? Egal, wir glauben fest daran, dass unser Leben viel zu eilig an uns vorbeirauscht. Nicht wir haben unser Dasein im Griff, sondern die Zeiger der Uhr.

Somit ist es absolut zeitgemäß, wenn uns die Firma Apple ein Smartphone als Armbanduhr anbietet. Dorthin schauen wir ohnehin dauernd. Und da dieses Gerät fest mit dem Besitzer verbunden ist, hilft es uns mehr als jedes Handy in unserem Bemühen um Effizienz. Schließlich muss, wer keine Zeit hat, zusehen, dass er welche freischaufelt. Was natürlich leichter ist, wenn man weiß, wie viel Zeit man für welche Tätigkeit verschwendet.

Für den Durchschnittsmenschen gibt es neuerdings belastbare Werte. So will eine britische Organisation namens Macmillan Cancer Support herausgefunden haben, dass der Westeuropäer pro Jahr 6,8 Tage auf dem Klo sitzt. Was man durch das Abschrauben der Schüssel ändern könnte. Auf dem Stehklo geht’s nämlich schneller. Nur unwesentlich länger, nämlich 7,9 Tage pro Jahr, sucht der Mensch nach irgendetwas. Meine iWatch würde hier einen deutlich höheren Wert anzeigen.

Angeblich 11,9 Tage pro Jahr wird unsere Wäsche gewaschen. Fast genauso lange, nämlich 11,3 Tage, sind wir nach dieser Statistik erkältet.

Und wir warten und warten: So stehen wir 2,3 Tage pro Jahr für irgendetwas in der Schlange. Wir warten 2,2 Tage darauf, dass die Ampel von Rot auf Grün springt. Schließlich hängen wir 1,7 Tage pro Jahr in einer Telefonwarteschleife. Welche ja wiederum eine Erfindung der Neuzeit ist.

Alleine für diese wunderbaren Tätigkeiten ist somit rechnerisch ein Jahresurlaub zu opfern. Unglaublich – und deshalb brauchen wir die Apple-Uhr, damit wir alles registrieren, analysieren und gnadenlos benchmarken können. Denn Zeitgewinn macht glücklich.

Wobei: Ein bisschen droht auch hier der Dobrindt-Maut-Effekt. Es könnte nämlich sein, dass das Erfassen und Auswerten der Daten mehr Zeit verschlingt, als man durch Effizienz  gewinnen kann. Verschieben werden sich die Messwerte sowieso. Weil immer mehr Menschen immer öfter auf die Uhr schauen, werden wir mehr Zeit als bisher mit Ellenbogen-Operationen verbringen. Aber vielleicht sind wir dann seltener erkältet…