Die Hysterie um die islamistischen Warnwesten

„Wehret den Anfängen.“ Keine Frage, dieser Satz ist wahr. Aber zurzeit erleben wir unter diesem Motto in Deutschland eine hochgradig hysterische Debatte, und zwar um diese Wuppertaler „Scharia-Polizei“.

Die Berichterstattung in den Medien wirkt, als hätte sich bei uns der islamistische Höllenschlund geöffnet und würden ab sofort Kopfabschneider mit Müllwerker-Warnwesten durch unsere Innenstädte marodieren. Ich habe da Zweifel, denn die Inszenierung folgt einem allzu bekannten Muster.  Zuerst, am Donnerstag und Freitag, bringt die Bild-Zeitung das Thema auf, indem sie das Gruppenbild einiger mutmaßlich salafistischer Suppenkasper zeigt. Über das Wochenende folgen dem Leitmedium vom Boulevard andere Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen. Die allgemeine Besorgnis steigert sich zur Empörung – was schließlich dazu führt, dass vor allem konservative Politikerinnen und Politikern ihr rhetorisches Beschützer-Modul aktivieren.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wertet das Wuppertaler Tugendschlurfen als Kriegserklärung an den deutschen Staat. Er fordert einen Sondergipfel der Innenminister. Und eine ganz große Karriere macht diese Schlagzeile: „Merkel fordert entschiedenes Vorgehen gegen die Scharia-Polizei.“

Bin ich dafür, mit den Mitteln des Rechtstaates. Wenn religiöse Eiferer meinen, anderen Menschen als „Polizei“ belästigen oder gar bedrohen zu können, haben sie einen Denkzettel verdient. Aber: Fundamentalisten gibt es in jeder Religion. Und haben wir es mit den Zeugen Jehovas bisher nicht auch so einigermaßen ausgehalten? Selbst, wenn sie an der Haustüre klingeln? Auch sie sind entschieden gegen Glücksspiel, Drogen und Pornographie.

Ganz neu sind Schlagzeilen über eine Scharia-Polizei nicht. Im Juni 2010 berichtete die Tagesschau, dass islamistische Sittenwächter in Indonesien Frauenkleidung auf ausreichende Tugendhaftigkeit überprüften. Ende November letzten Jahres hat eine nigerianische Scharia-Polizei in einer öffentlichen Zeremonie 240.000 Flaschen Bier zerstört. Gibt es das bald auch bei uns?

Eher mal nicht. Zumal die Salafisten sehr wohl eine Anziehungskraft vor allem auf unzufriedene junge Männer haben. Aber trotzdem eine kleine Gruppe mit extremen Zielen bleiben.

Wichtig ist mir dieser Satz: Der Islam ist nicht böse.

Daran dürfen, daran sollten wir ruhig glauben. Den Warnwesten zum Trotz.

 

 

 

 

2 Kommentare in “Die Hysterie um die islamistischen Warnwesten

  1. Sie schreiben: „Wichtig ist mir dieser Satz: Der Islam ist nicht böse.“ Freilich ist der Islam nicht böse. Keine Religion ist böse. Aber einzelne Menschen und Menschengruppen sind es und gegen die darf und muss man vorgehen können. Jetzt alles, was irgendwie entfernt mit dem Islam zu tun hat, mit einem „der Islam ist nicht böse“ (klingt stark nach „der will doch nur spielen“) durchzuwinken, weil man niemandem auf die Zehen treten will, ist doch auch keine Lösung. Die Aufregung um die „Scharia-Polizei“ richtet sich nicht gegen den Islam, sondern gegen die „Scharia-Polizei“ – und das ist meines Erachtens absolut in Ordnung.

  2. Danke für dieses Zurechtrücken. War das auch ein Hinweis an die eigene Redaktion?
    Dieses Zitat (von wem?) bringt das Problem auf den Punkt: Und der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.

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