Lug und Trug: Auch Autofirmen kennen sich aus

Die Überzeugung, dass uns Banken nach Strich und Faden betrügen, haben wir schon lange. Doch es gibt eine andere mächtige Sparte innerhalb des Wirtschaftszweiges „Lug und Trug“: Es sind die Autohersteller. In Verbindung mit ihren Werkstätten werden sie mitunter unerträglich.

Gerade läuft das von Staat und EU begleitete Programm „Rettet die Luxusautos“. Im Jahr 2020 darf die Neuwagenflotte jedes Herstellers nur noch maximal 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Das ist bei dicken Limousinen oder SUV’s kaum hinzukriegen.

Also wird getrickst. Das Messen des Verbrauchs erfolgt unter Laborbedingungen. Und so kommen selbst richtig große Karossen auf Werte, die meine Ente vor 30 Jahren nicht geschafft hat.

Absurd wird es, wenn Elektromobilität ins Spiel kommt. Dann werden Autos als so sparsam dargestellt, dass man sich fast schon fragt, wo man nach einer Urlaubsreise die überschüssige Energie ins Netz einspeisen kann. Möglich ist das natürlich nur, weil Fahren mit Strom angeblich keinerlei Belastungen der Umwelt auslöst.

Welche Verarsche! Aber das ist nichts gegen Begegnungen mit Vertragswerkstätten der Hersteller. Hierzu eine wahre Geschichte:

In meiner Verwandtschaft fährt jemand einen 14 Jahre alten Lancia Lybra. Dieser hatte einen Motorschaden. Eine freie Werkstatt tauschte den Motor aus, kurz darauf blieb der Wagen wieder stehen, mutmaßlich wegen defekter Steuerungsgeräte.

Solche Geräte kontrollieren (so mein frisch erworbenes Halbwissen) die Zentralverriegelung und die Benzinzufuhr zum Motor und sorgen auch dafür, dass die Wegfahrsperre nicht sinnlos aktiviert wird. Letzteres war offenbar passiert.

Müsste da nicht eine original Fiat-Lancia-Werkstatt helfen können? Nein, hieß es von dort, alte Steuergeräte könne man nicht mehr am Computer „auslesen“. Man müsste es austauschen. Und da sei zu sehen, dass es neue Ersatzteile nur für bis zu zehn Jahre alte Autos gebe. Gebrauchte Teile baue man als Vertragswerkstatt aber nicht ein.

Da bleibe nur der Schrottplatz. Für 80 Euro sei man bereit, den Wagen dorthin zu bringen. Die Erkenntnis, dass man nichts tun kann, kostete – nach offenbar beschwerlichen Tests – 200 Euro. Die vorherige Reparatur 1600 Euro.

Du kannst in einer solchen Situation jammern, betteln, schimpfen. Du kannst fragen, ob das bedeutet, dass ein über zehn Jahre altes Auto, an dem ein unbegabter Dieb herumgeschraubt hat, zwangsläufig für immer stillgelegt ist. Du kannst feierlich erklären, dass es verrückt ist, Autos der Marken Fiat und Lancia zu kaufen, wenn es nach zehn Jahren keine Ersatzteile mehr gibt.

Am Ende erklärt dir der Mechaniker Folgendes: „Das mit den zehn Jahren ist eine Richtlinie, ich denke, so eine EU-Richtlinie.“ Man sollte einmal wissenschaftlich untersuchen, wie lange es bei Diskussionen über Missstände im Durchschnitt dauert, bis die EU schuld ist. In mir reift eine andere Erkenntnis: Um Hassprediger zu werden, brauchst du keine Religion. Manchmal reicht schon dein Auto in der Werkstatt.