Beim Eiswasser-Unsinn fühle ich mich alt

Zu Hilfe, ich werde alt! Bisher hatte ich die seltsamsten Windungen des Internets stets amüsiert oder gar interessiert verfolgt. Wirklich schlimm habe ich nichts gefunden. Aber in diesen Tagen kommt mir der Humor abhanden. Das Stichwort lautet „Ice Bucket Challenge“.

Da stellen sich also Menschen vor eine Smartphone-Kamera, erklären, dass und warum sie gleich nass werden und schütten sich dann einen Eimer mit mutmaßlich kaltem Wasser über den Kopf. Männer sagen dann „Brrrrr“, Frauen kreischen so, wie die allermeisten Männer nicht kreischen. Zugleich werden durch das Nominieren anderer Zeitgenossen jeweils drei weitere Mutproben in Auftrag gegeben.

Besonders beliebt ist dieser Spaß bei Menschen, die berühmt sind und noch berühmter werden wollen und die bei dieser Gelegenheit zeigen, dass sie über Humor und Nächstenliebe verfügen. Denn die Eiswasser-Probanden sammeln auch Spenden für die Erforschung der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Entweder zwingen sie Feiglinge moralisch dazu, sich freizukaufen. Oder sie geben selber ein paar Euros. In den USA sind auf diese Weise angeblich schon um die 100 Millionen Dollar zusammengekommen. 

Es ist ja gut, dass auf ALS aufmerksam gemacht und für dessen Erforschung gessamelt wird. Handelt es sich doch um eine der miesesten Krankheiten überhaupt. Die Patienten erleben bei vollem Bewusstsein mit, wie ihre Muskulatur verschwindet. Am Ende steht der Tod durch Ersticken. Heilbar ist dieses Leiden (noch) nicht.

Das große Wässern ist demnach eine gute Sache. Aber warum mag ich nicht mitmachen? Vielleicht, weil ich lieber doch nicht wie Mark Zuckerberg, Justin Bieber oder Cristiano Ronaldo sein möchte. Vielleicht, weil es mich fatal an das dümmste Ritual des deutschen Fußballs, die weltberühmte Bayern-München-Meisterschafts-Weißbierdusche erinnert. Oder weil ich an diese Kettenbriefe denken muss, bei denen sich ein todkrankes Kind in Florida nichts sehnlicher wünscht, als letzte Grüße von 100 Millionen Menschen aus aller Welt zu bekommen.

Kurzum, ich erlaube mir einen großen Luxus. Ich finde doof, was für die Masse lustig ist. Und dusche weiter warm.

P.S.: Heute hat mich eine Nominierung ereilt. Passt schon, spenden wollte ich eh mal wieder.