Die Innenpolitik im schwarzen Loch

Gibt es schwarze Löcher in der Politik? Zurzeit scheint das so zu sein. Denn das, was man früher Innenpolitik genannt hat, ist nahezu komplett aus unserer Wahrnehmung verschwunden. Unser Leben findet scheinbar irgendwo zwischen Donezk und Gaza statt. Dort herrscht Krieg, bei uns herrscht Schlummer.

Sicher, man darf nicht wegsehen, wenn sich Menschen gegenseitig abschlachten. Wenn so genannte „Rebellen“, die wegen ihrer abartigen, hasserfüllten Gesinnung „unislamischer Staat“ heißen müssten, eine Blutspur nach der anderen legen. Wenn Bomben fallen, weil zuvor Raketen geflogen sind. Wenn gar nicht so weit von uns entfernt, in der Ukraine, Krieg geführt wird.

Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Erst recht, wo es für ein Chaos-Land wie Libyen keinen Platz in den Zeitungsspalten und kaum Sendezeit in Radio und Fernsehen gibt. Es sind einfach zu viele Bomben und Granaten.

Aber darf das dazu führen, dass wir die Innenpolitik komplett vergessen? Redet noch jemand ernsthaft von der Energiewende? Ist die Zukunft der Pflege noch in der Diskussion? Was ist mit der immer ungerechteren Verteilung des Wohlstandes?

Ja, es geht uns gut und viel besser, als an vielen Orten dieser Welt. Mütterrente und Mindestlohn sind auch abgehalt. Aber wenn der fast schon karnevalistische Streit um die Pkw-Maut das aktuelle Hauptthema in Deutschland sein soll, stimmt ewas nicht.

Ja, man muss gelegentlich zum Fernglas greifen. Aber ebenso gilt: Reichlich Arbeit gibt es auch im eigenen Haus. Aufwachen, bitte!