Die Kunst der Vergrämung

Wir leben in Zeiten von Landlust, Landliebe und Jakobsweg. Alle drängt es hinaus ins Freie, wir huldigen dem Ursprünglichen, der wilden Natur. Was aber, wenn uns diese Natur die Zunge hinausstreckt? Wenn Tiere machen, was sie wollen?

Dann wird es schwierig. Ungern denken wir zurück an den „Problembären“ Bruno. Dieser war – ohne Ausweis oder Raubtier-Vignette – auf bayerisches Hoheitsgebiet vorgedrungen. Die Staatsregierung zog alle Register, um Wildnis und öffentliche Sicherheit in Einklang zu bringen. Geendet ist dieser Versuch mit dem Tod des Bären.

Jetzt gibt es wieder Ärger. Am Wöhrder See, einem künstlichen Gewässer in Nürnberg, hat ebendiese Staatsregierung, namentlich vertreten durch Finanz- und Heimatminister Markus Söder, einen Strand anlegen lassen. Für (wahlberechtigte) Menschen. Schön auf der sonnenbeschienenen Nordseite gelegen, ganz ohne störendes Gebüsch.

Gerade diese  Kombination aus Wärme und der fehlenden Deckung für natürliche Feinde, hat die dortigen Wasservögel begeistert. Die vereinigten Nürnberger Quak-Rebellen, bestehend Gänsen und Enten, haben den Strand okkupiert und genussvoll zugekackt.

Weil aber Geflügel- und Hundekot gleichermaßen unappetitlich sind, müssen staatliche und städtische Stellen etwas unternehmen. Die rettende Idee: Menschliche Vogelscheuchen. Das erinnert sofort an die Schauspieler, die zwecks Primaten-Vergrämung in Affenkostümen durch Neu-Delhi rennen sollen. Aber so schlimm ist es nicht. Gedacht ist an Freiwillige, die gegen Honorar vogelstörend über den Strand stapfen. Wenn es sein muss, auch mit Hund.

Wer mit offenen Augen durch sein Leben geht, wird zuversichtlich sein, dass sich Vogelscheuchen finden lassen sollten, Aber warum so schlicht gedacht?

Nürnberg ist auch der Arbeitsort von Ottmar Hörl. Dieser Künstler hat mit Plastik- Hasen und -Eulen für Furore gesorgt. Er ist zudem Präsident der hiesigen Kunstakademie. Also könnte man doch für seine Studenten einen Wettbewerb in Vergrämungskunst beauftragen. Skulpturen, deren Anblick auch renitente Wasservögel zuverlässig in die Flucht schlägt: Ein Dürerhase mit Reißzähnen, eine Eule mit Adlerkrallen oder ein chinesischer Koch mit gewetzten Messern.

Das macht dem Vogelspuk ein Ende. Möge die Übung gelingen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar in “Die Kunst der Vergrämung

  1. Interessant dabei ist, dass man Zäune aufbaut, dabei geflissentlich übersieht, dass die Vögel auch mal einen Flug wagen könnten, z.B. über den Zaun hinaus. 😉

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