Ob Krisenherd oder Lotto: Hohe Bälle machen glücklich

Ob man sich glücklich oder niedergeschlagen fühlt, hat immer mit der persönlichen Wahrnehmung zu tun. Pickel auf der Seele verursacht uns etwa das Gefühl, dass uns Informationen  intellektuell überfordern. Und dazu genügt mitunter die Lektüre einer einzigen Tageszeitung.

Darin steht beispielsweise, dass die Wirtschaft die Krisenherde spürt. Sofort fragt man sich, ob diese gegen die kalte Progression helfen, die uns ja gräßlich frösteln lässt. Man erfährt aber auch, dass sich die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, wegen einer Modellauto-Affäre im Kampfmodus befinde. Ihr Vorbild dabei sei die Superheldin Lara Croft.

Diese ist virtuell, wird aber leibhaftig von Angelina Jolie gespielt. Fragt sich also, wer Frau Haderthauers Brad Pitt ist. Horst Seehofer wäre – bei allem Respekt – für diese Rolle fehlbesetzt. Bleibt als hochrangiger Parteifreund Finanzminister Dr.Markus Söder. Und dieser wagt sich tatsächlich an schier übermenschliche Aufgaben. Ihm wird es zu verdanken sein, wenn Westmittelfranken in eine „neue Förderkulisse“ aufsteigen wird. Dank „dezentraler  Entwicklungsachsen“.

Wir wissen nicht, was das ist. Aber hier handelt ein Held. Oder? Gleichfalls lesen wir nämlich, dass der von ihm geschaffene Sandstrand am Wöhrder See in Nürnberg von Enten und Gänsen erobert wurde und gnadenlos zugekackt wird. Dieser Mann, der mit der geballten Landtags-Opposition je nach Lust und Laune mehr oder weniger heftig Schlitten fährt, kapituliert vor einer Ansammlung von Stadtgeflügel?

Wer soll sich da glücklich und geborgen fühlen? Letztlich sind wir – wie bei verrückten Lottozahlen – dem Zufallsgenerator des Lebens ausgeliefert. Doch wir resignieren nicht. Haben doch die deutschen U-19-Fußballer ihre  Europameisterschaft gewonnen. „Gegen tief stehende Portugiesen“, wie die Zeitung schreibt. Unsere Wahrnehmung ist eindeutig: Hohe Bälle machen glücklich.