Die Welt redet über Glatzen – praktisch sind sie allemal

Wenn wir darüber philosophieren, mit welchen Äußerlichkeiten sich besonders viele Menschen besonders intensiv beschäftigen, riecht es schnell nach Frauenfeindlichkeit. Es würde wohl darum gehen, worüber man(n) halt so redet. Aber es gibt auch ein Schönheitsproblem der Männer, das in fast allen Kulturen der Welt ein Thema ist: die Glatze.

Wie sehr Haarausfall zu globalem Leid führt, wurde jetzt am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn erforscht. Anhand von Bildern unterschiedlich ausgeprägter männlicher Glatzen konnten deren Forscher nachweisen, dass es im Deutschen, Amerikanischen und Japanischen erstaunlich ähnliche Vorstellungen zum Beispiel vom Begriff „Geheimratsecken“ gibt.

Im Amerikanischen heißt die lichte Stirn „widow’s peak“ also „Witwenspitze“. Japaner sagen „emu jigata hage“, soviel wie „M-Form-Glatze“. Der „Kahlkopf“ im Deutschen wird im Englischen „bald“ und im Japanischen „tsurutsuru atama“ genannt – glänzender oder rutschiger Kopf. Große Einigkeit herrschte bei den internationalen Teilnehmern der Studie auch darüber,  ab wann der Haarausfall beginnt und wo er in einen Kahlkopf mündet. Alle wissen Bescheid. Und alle reden darüber.

Die Glatze ist somit wie Knoblauch. Man muss sie ertragen. Aber man kann sich damit trösten, dass ein kahler Kopf ganz praktisch ist. Für die Pflege reichen ein kleiner Plastikkamm und ein Spritzer Möbelpolitur. Man ist davor gefeit, dass einem der Starfriseur flaschenweise Haarpflege-Spezialmittelchen aufschwätzt. Man ist im Bad schneller fertig und muss sich keine Sorgen machen, dass man sich durch das Tragen einer Mütze die Frisur ruiniert.  Man hat tendenziell weniger Schuppen auf den Schultern und seltenst Haare in der Suppe.
Wenn wir also wieder mal unsere Restbestände im Spiegel sehen, grinsen wir einfach frech zurück. Haarausfall signalisiert Lebenserfahrung, Klugheit und Wohlstand. Seien wir stolz und folgen wir einem kleinen Gedicht: Der Glatzkopf der die Glatze fönt, hat mit dem Schicksal sich versöhnt! Was aber ist mit den Sprachforschern in Bonn? Ihnen huldigen wir mit einem Witz: Wann sagen Chinesen mit Glatze „Guten Morgen“? Antwort: Wenn sie Deutsch können.