Nach dem Triumph wartet die Arbeit

 

Jedem Triumph wohnt das Tragische inne. Insofern nämlich, als es nach dem Gipfelsturm unweigerlich abwärts geht. So stehen wir nach gewonnener Fußball-Weltmeisterschaft gerade da.

Natürlich war es in Ordnung, das famose Tor gegen „die Gauchos“ ausgiebig zu bejubeln. Nicht mal bei der Silvesterfeier zur Jahrtausendwende war so viel nach-mitternächtliches Geschrei in diesem Land. Im Ausland dürfte man gestaunt haben, wie enthemmt die Deutschen feiern können. Ihre Jubelorgie war nicht so schön anzuschauen wie der Karneval in Rio, dafür aber lauter.

Doch wie ist das Leben schöner? Wenn du einmal so richtig weit unten angekommen bist, bleibt dir zumindest die Perspektive, dass es Zug um Zug nach oben gehen könnte. Aufstiegszuversicht war einmal eine Grundstimmung in Deutschland. Unglücklich hat sie die Menschen nicht gemacht.

Jetzt aber sehen wir mit wieder ausgeschlafenen Augen, dass eine Kanzlerin nicht nur junge Männer küsst. Jetzt geht es um Spione, um den massenhaften Tod in Nahost, um eine seltsames Handelsabkommen, aber auch um schier unlösbare Probleme, wie etwa die Frage, wie die Millionen alter Menschen in 20 Jahren human behandelt werden können. Oder wollen wir darüber reden, ob es normal ist, dass tausende Menschen elendig im Mittelmeer ersaufen, weil sie in ihrem Leben ein Stückchen aufsteigen wollen?

Zu gern würden wir diese Tage mit Goethe besingen: „Verweile doch! Du bist so schön!“ Fatal ist bloß, dass das Zitat einen zweiten Teil hat: „Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehen!“ Gar so schlimm muss es nicht kommen, aber die Höhenluft ist weg, die Wolken sind wieder über uns. Machen wir uns an die Arbeit – bis zum Start der Bundesliga ist noch ein paar Tage Zeit.

 

 

 

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