Betende Hände für den Flughafen

Dem Wesen nach ist ein Flughafen nichts anderes als ein Bahnhof oder eine Bushaltestelle. Man geht hin, um möglichst schnell von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Hier und dort sind Airports auch noch etwas anderes: Letzte Biotope der Heldenverehrung, des Sich-Verneigens vor großen Söhnen. So kommt es jetzt auch bei uns in Nürnberg. Die hiesige Abflugstelle wird nach dem Maler Albrecht Dürer benannt. Die damit verbundene Hoffnung: Es möchten doch bitteschön wieder ein paar Menschen mehr landen und starten.

Unser Finanzminister Markus Söder hat als Initiator bei diesem Thema durchaus listig gedacht. Albrecht Dürer zieht auch 486 Jahre nach seinem Tod große Besuchermassen in Ausstellungen seiner Werke. Warum also sollte man diese Attraktivität nicht für einen Flughafen nutzen, der in den vergangenen Jahren stark an Publikum verloren hat und – gemessen an den Passagierzahlen – nur noch auf Platz 10 in Deutschland rangiert?

Die Frage ist bloß: Wen juckt der Name? Der Münchner Airport heißt Franz-Josef Strauß, aber es ist nicht überliefert, dass er deshalb überproportional stark von CSU-Anhängern genutzt und von Sozialdemokraten gemieden würde. Fliegt man als Berliner nach New York, weil man John F. Kennedy posthum für seine berühmte Rede danken möchte? Findet man die Landung in Berlin-Tegel besonders spannend, weil er (was kaum einer weiß) nach dem verwegenen Flugpionier Otto Lilienthal benannt ist? Zieht es die Feministinnen nach Neu-Delhi, weil wenigstens dort ein Flughafen einer Frau, nämlich Indira Gandhi, gewidmet ist?

Kaum, aber immerhin: Unser Dürer sorgt nicht für internationale Missverständnisse. So wie etwa der Moron Airport in der Mongolei, dessen Name auf Englisch „Idiot“ bedeutet. Man muss sich nicht vor schlechten Gedanken hüten, wenn man vom Flughafen Fak Fak in Indonesien spricht. Dass es einen Rifle Airport (also Flinten-Flughafen) in den USA gibt, wundert niemand. Dagegen klingt der Mafia Airport in Tansania anrüchig. Er heißt aber bloß so, weil er sich auf einer Insel dieses Namens befindet.

Fassen wir zusammen: Dürer ist nett. Er macht nichts kaputt. Er ist aber im Reigen der berühmten Flughafen-Namensgeber keine wirklich große Nummer. Nürnberg wird durch ihn ebenso wenig zum bedeutenden Flughafen werden wie der Salzburger Airport durch seinen Namensgeber Wolfgang Amadeus Mozart. Das dortige Geschehen wird eher malerisch bleiben. Passagiere dürfen sich weiterhin freuen, dass sie mit minimalen Wartezeiten abheben können. Was den großen Aufschwung angeht, dürften die „Betenden Hände“ ähnlich gut helfen wie der Name ihres Schöpfers..