Der Sims-Daumen schreibt nicht gut

In jeder Schulkarriere hat es Hass-Fächer gegeben. Mancher kämpfte mit Deutsch oder war zu faul für Latein. Mancher hatte größte Probleme mit Algebra oder Schlagball-Weitwurf. Und es gab auch noch die Note für’s Schönschreiben. Was für ein furchtbarer Drill!

Nach strengen Vorlagen mussten die einzelnen Buchstaben nachgezeichnet werden. Bögen und Kringel mussten passen. Und wer die Ungnade der zu frühen Geburt hatte, musste auch noch Sütterlin, die altdeutsche Schrift, lernen. So konnte man die Einkaufszettel von Oma und Opa lesen. Immerhin. Grundsätzlich aber war das sinnloses Schulwissen vom Feinsten.

Alles vorbei: Schönschreiben muss nicht mehr gelehrt werden, denn Kinder können es ohnehin nicht mehr. Wie die Bildungsforscherein Stephanie Müller herausgefunden haben will, bringen etwa 70 Prozent der Schüler nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzel-Alphabet mit. Und warum ist das so? Es fehlen Bewegung und Fingerfertigkeit und schreibende Eltern als Vorbilder. Vor allem aber: Es ist der Fluch von Smartphones, Tablets und Computern.

Den Kindern geht es wie uns Erwachsenen. Wir haben dank Taschenrechnern das Kopfrechnen verloren, dank Navis im Auto ist unser Orientierungssinn verschwunden. Wer auf Klettverschlüsse oder Druckknöpfe schwört. kann keine Schleifen mehr binden und kein Nähgarn für abgerissene Knöpfe mehr einfädeln. Dafür bildet die Evolution, vor allem bei Mädchen, mehr und mehr den Sims-Daumen aus.

Welche schöne Erfahrung aber fehlt den jungen Menschen? Es ist der Liebesbrief. Handgeschrieben, auf rosa Papier, parfümiert, mit 20 Kussmündern verziert. Nichts gegen <3, :-X oder :‘-). Aber den besonderen Reiz eines Briefes kann das nicht ersetzen. Alsdenn: Schreibt mal wieder.

2 Kommentare in “Der Sims-Daumen schreibt nicht gut

  1. Allein bei der obigen kleinen Rechenaufgabe hat mich die Schwierigkeit schon übermannt, meine reale Person zu personifizieren. Da sieht man mal, dass auch der ältere Mensch schon oder noch Schwierigkeiten hat, das Kopfrechnen auszuüben.
    Wo ich schon beim Punkt bin. ÜBUNG macht den Meister! … so auch beim Schreiben, Malen, und natürlich dem Simsen!
    Von daher, was man nicht kann, kann immerhin noch gelernt werden.
    Und das, egal wie alt oder auch jung man ist! 😉
    Gernschreibende Grüße
    Marianne Hauck

  2. Hi,
    das ist ein echt toller Beitrag. Ich halte Kopfrechnen für sehr wichtig und trainiere es regelmäßig. Dazu verwende ich Mathemakustik. Mit Mathemakustik kann man akustisch (rein nach Gehör) das Kopfrechnen trainieren, man trainiert gleichzeitig die Konzentrationsfähigkeit. Für Interessierte hier der Link: http://www.mathemakustik.de/

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