Nach dem Biss des wilden Stürmers

Nach den Grundregeln der journalistischen Kunst ist die Schlagzeile „Hund beißt Mann“ wertlos, die Schlagzeile „Mann beißt Hund“ hingegen sensationell. Jetzt lernen wir, dass auch „Mann beißt Mann“ enorme Aufregung zu generieren vermag. Zumal dann, wenn berühmte Fußballer beteiligt sind.

Da hat also Luis Suarez, Nationalspieler Uruguays mit knapp 7,5 Millionen Facebook-Verehrern, bei der WM den Italiener Chiellini an der Schulter attackiert. Und weil er das alte Sprichwort „Man soll den Bissen nicht größer nehmen als der Mund ist“ nicht beachtet hat, plagten ihn hinterher ziemliche Zahnschmerzen. Eine brutale Sperre durch die Fifa gab’s obendrauf.

Wirklich wundern musste man sich nicht. Suarez verfügt über auffällige Schneidezähne, weshalb man ihn schon bisher wahlweise als Mörderkaninchen oder als geheimen Sohn von Queen-Sänger Freddie Mercury wahrnehmen konnte. Er ist zudem Wiederholungstäter. Schließlich: Uruguay gilt seit jeher als Land der ungesunden Härte. Auch das übelste aller Fouls, die Blutgrätsche, soll gängigen Fußball-Legenden zufolge dort erfunden worden sein.

Warum aber regt uns gerade ein Biss so auf? Weil er das Böse signalisiert. In seiner schlimmsten Inkarnation ist der Beißende ein Vampir. Ein Untoter, der die Tagschicht im Sarg verschläft, um nächtens das Blut schönster Frauen zu saufen. Das ist nicht nur hinterlistig, sondern extrem dekadent. Als ehrlich, aber trotzfdem bissig gelten Wolf, Bär, Hund, Hai, Kreuzotter und Schnappschildkröte.

Die Gefahr, völlig überraschend in ein empfindliches Körperteil gezwickt zu werden, droht also immer und überall. Und deshalb lehrt ein Suarez auch uns das Schauern.

Was aber tun? Die Antwort ist nicht leicht, denn man steckt in keinem Lebewesen drin.  Der große Mark Twain hat die Lösung schon vor über 100 Jahren formuliert: „Vielleicht stünde es besser um die Welt, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen.“ Probieren könnte man es aber mit Knoblauch-Deo, was ja wenigstens Vampire abhalten soll. Ermutigende Erfahrungen mit dem Einsatz von Spray hat die Fifa ja bereits gesammelt.