Das Unfassbare: Bayern lernt Demut

Gerade wurde gemeldet, dass sich der „GfK-Konsumklima-Index“ eingetrübt habe, Grund sei die Krim-Krise, heiß es. Diese nehme den Konsumenten die Lust auf neue Kühlschränke. Doch jetzt geht der Abschwung richtig los. Das schlimme Wort heißt Bayern-Krise.

Da hat also der FC Bayern München im Halbfinale der Champions League mit einem Ergebnis verloren, wie es eigentlich Schalke 04 gebührt. In dem von bösen Menschen als „Arroganz-Arena“ verfemten Stadion obsiegten die aus unserer Sicht noch arroganteren Fußballer von Real Madrid, angeführt vom arrogantesten Spieler der Welt, Cristiano Ronaldo. Und das geschah, obwohl die bayerische Elf über den besten Kader, über die teuerste Ersatzbank sowie über den nachdenklichsten, elegantesten und genialsten Trainer dieses Planeten verfügt.

Müssen wir jetzt weinen? Oh nein. Und das nicht einmal, weil für mich als Club-Fan jede Niederlage der Bayern ein Trostpflästerchen ist (außer in Hamburg). Sondern deshalb, weil es gut tut, dass dieser Verein und alle, die sich in dessen Glanz sonnen (wollen), einen Dämpfer bekommen. Denn der FC Bayern ist oder war das in kurze Hosen gesteckte Amigo-System der CSU. Die reichsten Motten des Landes umschwirren das Licht, denn es schien so, als ob es nur noch einen Weg geben könnte: Den nach oben. Und wer sich dem Einzigartigen in den Weg stellt, wird weggeschossen oder kaputt gekauft.

Jetzt erleben die selbsternannten Galaktischen etwas ganz Neues: Demut. Die Übermacht ist brutal geschrumpt, das allertollste Geschäftsmodell ist entzaubert. Und das ist gut so.

 

 

 

 

 

Ruhestand mit 70? Wir sind viel zu müde

So kann es gehen: Du fährst in den Urlaub, in der sicheren Erwartung, dass ausgiebige Reisen spätestens ab deinem 63. Lebensjahr dein Alltag und Hobby zugleich sein werden. Du beginnst, an einer, allerdings noch sehr breiten Wand, die ersten Kerben für deine Rest-Arbeitstage einzuritzen. Und dann kommst du heim und liest: „Wir brauchen die Rente mit 70.“

Was ist jetzt schon wieder los? Die Turbo-Rente ist doch gerade erst beschlossen. Und sie gäbe mir doch die Möglichkeit, das zu tun, was ein schreibender Mann in meiner Situation tun muss. Entweder ein Kochbuch schreiben. Das signalisiert anderen Menschen klarstmöglich das Erreichen einer höheren Bewusstseinsstufe. Könnte klappen, sofern ich mein Wunschthema „Der beste Senf zur Rostbratwurst“ durch „Glücklich mit veganen Nudeln“ zu ersetzen bereit wäre. Möglichkeit Nummer zwei wäre das Verfassen eines Lokalkrimis – mit einer packenden Story aus meinem Viertel. Was bei meiner Wohngegend auf  „Mord im Spielsalon“ oder „Abmursken Second Hand“ hinauslaufen würde.

Aber nein, jetzt sagt uns EU-Kommissar Günther Oettinger, dass das mit dem frühen Gehen nicht ginge. Dieses Land, ja das ganze alte Europa bräuchten schließlich erfahrene Fachkräfte. Und sofort tauchen jene Propheten auf, die uns klarmachen wollen, dass die Zwangsverrentung die eigentliche Tragödie sei. In Skandinavien dürften die Menschen bleiben, so lange sie wollten. Sie seien damit viel glücklicher als unsere termingerecht Abservierten.

Schön, aber das Vorbild taugt nicht. Denn in Skandinavien sind sie uns, wenn es um das Vereinbaren von Arbeit und menschlichem Dasein angeht, um zirka 50 Jahre voraus. Wir hingegen sind ein gestresstes, erschöpftes Volk. Was sich schon daran zeigt, dass wir Politik oder Reformen satt haben. War dauernd etwas verändern will, bekommt unsere Stimme nicht. Wir hören lieber den Satz „Sie kennen mich“ – und sind zufrieden. Fazit also: Eine flexible Rente bis 70 oder irgendwann taugt nichts.

Eine zweite Nachricht fällt allerdings auf. Professor Joachim Sauer ist 65 geworden, hat aber erklärt, dass er noch mindestens drei Jahre arbeiten möchte. Nun ja, es gibt wohl doch Ausnahmen. Wir wissen ja, wen er kennt.

 

 

Ehrt den Ohrwurm! Er hat es verdient

Das Äußere zählt nicht. Auf die inneren Werte kommt es an. Wir, die wir uns zum fortschrittlichen Teil dieser Gesellschaft zählen, sind uns da ganz sicher. Niemals würden wir angesichts eines hässlichen Individuums unsere Abscheu zugeben oder gar ausleben. Immer würden wir nach dem Schönen und Guten hinter der Fratze schauen. Gut so, aber es gibt Ausnahmen: zum Beispiel den Ohrwurm. Und das ist ungerecht.

Nein, es geht nicht um den deutschen Schlager, dessen Grad an Schönheit oder Hässlichkeit oft genug höchst umstritten ist. Sondern um den Geradeausflügler, dieses Insekt, das mit seiner chitingepanzerten Greifzange am Hintern aussieht, als hätte jemand Lakritz mit einem Skorpion gekreuzt.

Machen wir uns doch nichts vor: Wir finden diese Viecher widerlich. Und wenn uns fünf Ohrwürmer über den Weg laufen, interessiert uns allenfalls, welcher davon beim Drauftreten am lautesten knacken würde.

Doch halt, Füße weg! Denn der Europäische Ohrwurm (Forficula auricularia) ist ausgesprochen nett. So nett, dass Geschwister ihre Nahrung teilen, wenn ihre Mami gerade auf Tour ist. Herausgefunden haben das gerade Forscher der Gutenberg-Universität Mainz. Sie haben jungen Ohrwürmern gefärbte Blütenpollen hingeworfen – und zu ihrer eigenen Überraschung festgestellt, dass die Tierchen das Futter geteilt haben. Was ganz anders ist, als bei den als entzückend eingeschätzten Singvögeln. Da stirbt, wer den Schnabel nicht weit genug aufreißt. Was ja für menschliche Castingstars genauso gilt.

Ja, unsere Greifzangen-Umherschleifer haben ein geradezu rührendes Familienleben. Weibliche Ohrwürmer legen im Herbst durchschnittlich 40 bis 45 Eier und überwintern mit ihnen. Die Mütter passen auf die Eier auf, halten sie sauber, indem sie zum Beispiel Schimmel ablecken, und tragen sie im Nest hin und her. Die Geschwister wiederum mögen sich. Schließlich dieser Hinweis: Diese Tiere fressen Läuse – im Garten oder auf dem Balkon sind sie Nützlinge.

Seien wir also nett, machen wir uns klar, dass der Ohrwurm unser Freund oder gar Vorbild ist. Ein afrikanisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Wo Charakter ist, da ist Hässlichkeit Schönheit.“ So ist es. Punkt.

 

Der Kunde ist Opfer. Teil 3: Die Stehlampe

Du sitzt also da, schaust irgendeine Fernsehshow und denkst an nichts. Wohnzimmer-Prärie vom Feinsten. Plötzlich aber: Ein lauter Knall, das Licht geht aus, Sicherung futsch. Es ist etwas passiert. Außerplanmäßig.

Aber kein Problem. Einfach zum Sicherungskasten, Hebelchen hoch, Glühbirne suchen und finden. Reinschrauben und – fertig? Schön wär’s, denn es die Schnur zum Ein- und Ausschalten unserer wunderbaren Jugendstillampe löst keinen Klick mehr aus. Und schon gar kein Licht. Mit mäßigem Talent suche ich nach dem Fehler. Ich ringe mit der (Birnen-)Fassung. Und scheitere doch. Ein Experte muss her. 30 Euro hat die Lampe gekostet, teurer sollte es nicht werden.

Den Fachmann meiner Wahl habe ich schnell ausgemacht. Bei uns um Eck hat ein Elektromeister ein Geschäft aufgemacht. Die Urkunde an der Wand verheißt Sachkunde, die wirre Dekoration und die gut bestückten Stahlregale passen zur schwierigen Aufgabe: Finde ein Ersatzteil für eine 90 Jahre alte Stehlampe.

Da stehe ich also und beschreibe dem Herren über Gleich- und Wechselstrom mein Problem. „Ja, ja, su a Kurzschluss gäihd schnell“, sagt er und gluckst grinsend. Habe ich etwas falsch gemacht, frage ich verunsichert. Der Elektromann beruhigt: „Na, obber suwos, su a Fassung, hobb iiech zuledsd in meiner Lehrzeid gsehgn. 1971, wiss’n?“ Nein, weiß ich nicht, denn 1971 gehörte der Kauf von Lampen-Ersatzteilen noch nicht zu meinen Kernkompetenzen. Und? Gibt’s Hoffnung? „Naaa, bei mir ned. Su a Deil gibbds wohrscheinlich nimma.“ Aha, aber Mokkatassen aus Nymphenburger Porzellan kannst du noch nach 600 Jahren nachbestellen, „Des is wos anders, Schauers, den Fernseher. Der is drei Johr ald, obba wenn där kabudd is, isser hie. Dass es kanne Ersadsdeile gibbd, is voll Absichd vo die Herschdeller. Verstängers?“

Gut, ich habe in meinem Leben schon so viel verstanden. Warum nicht auch dieses? Aber mitten hinein  in meine aufkeimende Fastenzeit-Depression kommt der gute Rat. „Gängers zum Lambnhändler. Där könnd suwos nu hohm.“

20 Minuten bis Geschäftsschluss bleiben noch. Wohlan, Geselle. Ich komme tatsächlich rechtzeitig an, will in die Einfahrt zum Kundenparkplatz einbiegen. Aber nix geht, eine Frau blockiert sie mit ihrem lindgrünen  Auto. Sie telefoniert. Also Wendemanöver und Kamikaze-Rückwartseinparkung.

Der Mann hinter dem Tresen empfängt mich freundlichst. „A scheene Lambn hamms do. Nenndmer Bänggerlampn, wissen’s des?“ Es folgt die Problemschilderung und die Frage nach dem Ersatzteil. „Ja, suwas häddmer im Haus.“ Ich lächle zufrieden. „Oba billich werd des ned.“

Wie? Wegen einer läppischen Birnenfassung mit Schnur? Nun folgt der desillusionierende Wortschwall des Experten: „Des fängd scho middm Schdegger oh. Wos Sie da hamm, is goor nimmer erlaubd. Dann hamm Sie a zweiboliches Kabel und die Medallbladdn is ned geerded. Mir braugn do unbedingd a dreiboliches Kabel. Im Momend is däi Lambn griminell.“

Und was kostet es? „Naja, die Arbeidssschdund lichd bei 43,58 Euro. Ohne Schdeuer. Und däi Lambn is ned einfach zu rebarieren.“ Ich kalkuliere selbst und frage, ob 160 Euro herauskommen könnten. „Es könnd billicher werrn, denk iiech. Oder mehr kossdn. Je nachdem.“

Ich resigniere und sage, dass ich mir die Reparatur überlegen werde. Ich drehe mich zum Gehen – und höre die Stimme des Experten: „Wos iiech Sie nu frogn wolld: Is des Ihr Audo, do draussn in der Einfahrd?“ Ich atme tief durch. Und denke an ein Fachbuch, das ich gestern beim Buchhändler gesehen habe. „Jeder kann zum Mörder werden“. Manchmal steht die Wahrheit ganz einfach im Regal.

Der Kunde als Opfer (2): Scheibenwischer

Zwei berühmte Schutzpatrone haben mich bei meinem zweiten verkorksten Einkauf begleitet: Peter Ludolf und Bill Gates. Der eine, das Schrottplatz-Superhirn, das uns versprochen hat, in einem komplett chaotischem Lager auch das absurdeste Auto-Ersatzteil auf Anhieb zu finden. Der andere, der uns dank Computer eine schöne, neue, einfachere Welt versprochen hat und darüber zum reichsten Menschen der Welt geworden ist. Wie wir alle wissen, hat einer von beiden gelogen.

Wie alle Autofahrer wissen, gehören Scheibenwischerblätter zu den Verschleißteilen. So ein Gummi kann Wind, Wetter und dem Scheuern über schlampig abgekratzte Eisflächen nicht ewig trotzen. Unsere Fensterputzer sorgen dann nicht mehr für vollen Durchblick, sondern hinterlassen Schlieren. Die wiederum führen dazu, dass bei Gegenlicht die Gefahr von Unfällen steigt, deren Folgen auch der nette Mann von Carglass nicht mehr reparieren könnte. Also muss ausgetauscht werden.

Peter Ludolf hätte ich gefragt: „Scheibenwischerblätter, Honda Civic, Baujahr 2008.“ Und er hätte geantwortet: „Reihe zwölf. Links. Ganz oben.“ Mein Mechaniker, nennen wir ihn Wassili, ist zwar auch ein einfacher mittelständischer Autoschrauber. Doch er erklärte auf die Frage „Und die Scheibenwischer sind ausgetauscht?“ dieses: „Nein, das war nicht möglich.“ „Wie? Mechanik kaputt? Wirtschaftlicher Totalschaden an der Gesamt-Glasreinigungsanlage?“ „Nein, dazu brauche ich den Fahrzeugschein. Wegen der Schlüsselnummer.“

Wilde Visionen schießen dir durch den Kopf. Wie du früher durch den Wald gestreift bist und mit den dort gesammelten Zweigen Wischerblätterhalter für deinen 2CV geschnitzt hast. Während in der Montessori-Bienengruppe deines Kindergartenkindes die erforderlichen Hartgummistreifen geschnitten wurden. Du fragst dich, wie es sein kann, dass Scheibenwischer gelegentlich auch beim Discounter verkauft werden. Fragt das Kassenpersonal dann nach dem Fahrzeugschein? Muss man zum Kauf von Pferdeabschwitzdecken den Stammbaum eines Ackergauls mitbringen? Gibt es die Sonderangebots-Kettensäge nur, wenn man ein Foto des todgeweihten Baumes vorlegt?

Bill Gates! Ich danke Dir für unseren Fortschritt. Und habe einen Traum: Ich möchte Dir das Gesicht mit Scheibenklar eincremen und es dann mit spröden Wischerblättern reinigen. Aber auf der allerhöchsten Stufe.

 

Der Kunde ist Opfer. Teil 1: Der Toner

Achtung, hier beginnt eine Trilogie. Genauer gesagt, eine Kunden-Tragödie in drei Akten. Ich schreibe sie in der festen Erkenntnis, dass die Menschen in diesem Wirtschaftssystem verarscht werden. Aus Gründen der Authentizität sind fränkische Zitate unvermeidbar. Teil eins: Der Toner.

Ehrlich, ich war stolz auf meinen koreanischen Drucker. Ach was, Drucker. Ein Gerät mit Kopier- und Scanfunktion, eine vervielfältigende Wollmilchsau sozusagen. Und zu einem Preis, der noch vor fünf Jahren für einen Laserdrucker bestenfalls als schüchterne Anzahlung gereicht hätte. Irgendwas knapp unter 200 Euro. Ein allerfeinstes Geiz-Geil-Schnäppchen also. Das Gerät arbeitete gut. Aber dann: Blink, blink, der Toner ist leer. Wir wissen: Der Toner ist dem Drucker sein Akku. Also immer futsch, wenn du ihn dringend brauchst. Auf zur Ersatzbeschaffung.

Erste Station: Eine „Tinten-Tankstelle“. Der Verkäufer mustert den mitgebrachten Toner-Behälter und stellt die gnadenlose Frage: „Welcher Dübb iss’n Ihr Druggär?“ Die angemessene Antwort „Meistens netter als ich gleich bin, du Hirni“ verkneift man sich. Also Schulterzucken und der Hinweis an den Experten, dass der Firmenname draufstehe und dass es doch eine Seriennummer geben müsse. „Waddens. Ja, doh. Iich gebs amohl in mein Kombjuder ei.“ Gefühlte zehn Minuten später die erlösende Botschaft: „Dou hammern. Obä, den mäimer beschdelln. Villeichd wär’s ja besser, wenn Sie dahamm noch amohl wecha dem Dübb nochschauerdn. Wall wissns, ma schdeggd ja ned drinn.“

Na gut, fragen wir die Konkurrenz. Zweites Geschäft, der Verkäufer ist sauber gekämmt, ein Scheitel, wie mit der Streitaxt gezogen. Er spricht hochdeutsch. „Grüß Gott, ich bräuchte einen Toner für einen S……. M 2070. Schwarz-weiß reicht.“ Verkäufer: „Moment, ich geb‘ das mal in meinen Computer ein. Ja, da ist er.“ „Bin ich jetzt froh.“ „Ja, aber den haben wir nicht im Sortiment.“ „Wie? Jetzt?“ „Den kriegen Sie bei uns nicht.“ „Sie wollen mir also jetzt sagen, dass ich einen Toner, den ich ohne Problem von daheim aus bestellen könnte, bei Ihnen nicht kriege?“ „Exakt.“ „Sie verarschen mich.“ „Nö.“ „Sie wollen mich nicht als Kunden?“ “ Na ja, das ist zu hart ausgedrückt.“ „Sie meinen es ernst?“ „Exakt.“

Die anschließende Google-Suche – zwecks Lieferzeiten-Vermeidung dringend angeraten – führt mich zu „flinken Printware-Profis“ in meiner Nachbarschaft. Sensibilisiert durch meine Erfahrungen will ich erst mal wissen, ob der Toner vorrätig ist. Telefon wird abgehoben.  „Trallitralla, Dings, Dings. Wos konni fiehr Sie duhn?“ Kurze Problemschilderung. „Ja, den konn ich besorgn. Bis morgn middoch.“ Und was kostet der? „44 Euro – und die Schdeuer  gäihd eggsdra.“ „Wie? Hallo? Das ist fast teurer als der Drucker.“

„Ja und, wäi mahner nou Sie, dass unsere Kondserne ihr Geld verdienä? Immä iieber die Ersaddsdeile.Als Kosumend willmer a Schnäbbchen – dofür bezohld mer dann hinterher.“ „Ja, aber 44 Euro?“ „Des is wecherm Badend. Dou is a Badend-Schudds draaf.“ „Aber Toner gibt’s seit Jahrzehnten.“ „Dann schauers doch, wos heidzudooch alles baddendierd werd. Sie könna genauso goud die Badroner von Ihr’m Fülla baddendiern. Und wenn der La Rosch am Amaddsonas a Unkraud find, des gecha Durchfall hilfd, nou kummd a Schdembbl draaf midd der Aufschrifd ‚Erfundn von Farmaindschenör Wilhelm Dell‘. Des machds hald erschd amohl deirer.“ „Gibt’s keine Alternative?“ „Ned werggli. Groud däi von Ihrer Firma sinn voll aggressiv, wos Badendverleddsungen ohgäid. Do sogn mir Finger wech.“

„Na gut, ich komme gleich vorbei.“ „Na, besser ned. Wall, där Dohner is draußn im Lohcha. Den bringerd unsä Fohrer vorbei. Nou hammsn schneller.“

„Unser Fahrer“ arbeitet für die DHL. Die Lieferung kostet 2,90, Endpreis 55,75 Euro. Handelt die Post jetzt auch mit Druckerbedarf? Egal, wenigstens war auf dem Transporter kein „Badend“ drauf.


 

 

 

 

 

 

Wenn das Show-Sofa zum Sarg wird

„Wetten, dass…?“ ist nicht mehr. Ja, dieser Satz wird wahr. Die größte Show des deutschen Fernsehen wird Ende des Jahres von uns gegangen sein – nach langem Siechtum. Dieser Tod war absehbar.

Ich zitiere mich einfach selbst. Zum Abschieds-Auftritt von Thomas Gottschalk Ende 2012 habe ich geschrieben:

„Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? sind derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef…“

So ist es gekommen. Der bedauernswerte Markus Lanz  erlebte seitdem von Show zu Show eine Echo, das von „einigermaßen vernichtende Kritik“ über „ziemlich vernichtende Kritik“ bis „völlig vernichtende Kritik“ reichte. Noch ein paar Sendungen, und der Schrecken hat zumindest für ihn ein Ende.

Wir werden das Ende von „Wetten, dass…?“ überleben. Ein Volk, das ohne Peter Frankenfeld und Rudi Carrell auskommt, wird auch ein Dasein ohne Samstags-Lanz durchstehen.

Wirklich Grund zum Heulen haben jedoch die Mitglieder eines eingetragenen Vereins, nämlich des VdDP mit Sitz in Herford/Nordrhein-Westfalen. Die Abkürzung steht für „Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie“, einer Vereinigung, die vom ZDF-Showjuwel mehr profitiert haben dürfte, als die allermeisten Gaststars. Ging doch von „Wetten, dass…?“ immer die Botschaft aus, dass unterhaltsame Gespräche immer dann entstehen, wenn Menschen nebeneinander auf einem Sofa sitzen. Nun wird die Couch aus dem Fernsehgeschehen verschwinden, das Volk blickt lieber auf unbequeme Holzpritschen in australischen Dschungelgebieten.

Das zauberhafte Sitzmöbel wird zum Grab, es taugt bestenfalls noch für’s Museum. Und unser VdDP muss mit seltsamen Botschaften dagegen halten. Seine neueste Pressemitteilung lautet so: „Die widersinnige Grenzwert-Ziehung bei Formaldehyd in Höhe von 0,01 ppm durch russische Gesundheitsbehörden lässt die Branchenverbände der Möbelindustrie in Deutschland und Russland zusammenrücken. Ein Ergebnis ist der geplante Aufbau einer gemeinsamen Zertifizierungsstelle für Möbel in Russland.“ Wie traurig, dass wir das jetzt brauchen,

 

Die lustigen Rentner sind unser Ruin

Ach, diese Rentner. Sie werden uns ruinieren. Sie sind unser Verderben. Wollen bezahltes Nichtstun schon mit 63. Obwohl der Zusammenbruch der Ökonomie droht. Widerliche Egoisten!

Erstmal: Die Debatte ist aufgeblasen. Wer mit 63 ohne Abschläge gehen will, muss ja 45 Jahre als Beitragszahler/-in gearbeitet haben. Daran dürfte der schnelle Abgang öfters scheitern. Aber das ist eine Randbemerkung.

Erstaunlicher ist die Verlogenheit unserer Wirtschaftsbosse. Vor ein paar Jahren wurde das Thema noch ganz anders gehandhabt. Ältere Beschäftigte wurden als Problem gesehen. Sie seien unflexibel, könnten dem technologischen Fortschritt nicht mehr folgen. Außerdem seien sie ständig wochenlang krank oder auf Reha. Und teurer seien die Alten sowieso.

„Jung und dynamisch“ war angesagt. Also wurde in vielen Firmen aufgeräumt. Die Generation Ü50 wurde weggschickt, bevorzugt mit hoch subventionierten Altersteilzeitverträgen.

Inzwischen fehlen die jungen Kräfte – und schon entdeckt unsere Wirtschaft neue Werte. Ältere Beschäftigte verfügten über unersetzliche Erfahrungswerte. Sie seien genauso lernwillig wie ihre jungen Kollegen. Und meldeten sich auch nicht häufiger krank. Was übrigens stimmt.

Vielleicht sind die Alten aber auch selber schuld daran, dass sie neu entdeckt werden. Würden sie sich, wie es sich für Rentner gehört, auf eine Parkbank setzen und mit ihrem Altersgenossen über ihre neuesten Wehwehchen reden, würde man voll des Mitleids an ihnen vorbeigehen. Stattdessen sitzen sie zur besten Arbeitszeit beim Latte Macchiato im Café, schwimmen, fahren Rad, klettern und kleben sich für’s Rockfestival eine Rolling-Stones-Zunge an den Rollator.

Diejenigen, die von den Controllern in computergestützte Vollstress-Jobs gepresst worden sind, können so viel gute Laune natürlich nicht ertragen. Also, liebe Rentner, zeigt endlich Demut! Dann lassen wir euch gerne gehen. Wenn’s sein muss, auch schon mit 63.

 

Die neue Show: Zu Gast bei Uli Hoeneß

Ja, es ist so: Uli Hoeneß erweitert unseren Horizont. Im Zuge seiner Steueraffäre haben wir nicht nur erfahren, was einen 62-Jährigen Metzger zum Weinen bringt. Wir entdecken ein für uns bis dahin völlig unwichtiges Thema: Das Leben im Gefängnis.

Da hat also die Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech gut 150 Journalistinnen und Journalisten durch ihre Wohnräume geführt. Es war zu erfahren, dass die Zellentüren mit 20 Quadratzentimetern großen „Kostklappen“ versehen sind, dass die Häftlinge im rund 1000 Quadratmeter großen Hof Tischtennis und Schach spielen können und dass der „Generaleinschluss“ täglich um 19 Uhr ist. Die Zellen verfügen über ein Waschbecken mit Kaltwasserhahn und über ein Fernsehgerät ohne Pay-TV. Der einzige Luxus für den prominenten Gefangenen könnte eine Zelle in Südlage sein. Diese wäre einfach heller und freundlicher.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fand den Presserundgang geschmacklos und hat ähnliche Aktionen für die Zukunft verboten. Aber warum bloß? Im Knast gibt es viele gute Geschichten. „Schöner wohnen“ könnte über das Thema „Schrankvariationen aus Sperrholz“ schreiben. „Men’s Health“ brächte den Ratgeber-Artikel „Gesund durch kaltes Wasser“. Der dem FC Bayern München schwerstmöglich gewogene Burda-Verlag könnte die neue Fernsehzeitschrift „Alles außer Sky – Das Beste bei ARD und ZDF“ auf den Markt bringen. „natur“ könnte uns mit einem Artikel zum Thema „Eidechsen im Gefängnishof. Freie unter Unfreien“ beglücken. „Ein Herz für Tiere“ brächte „Lustige Freunde: Uli und die Kakerlaken“.

Adidas wirft das erste Sporttrikot in kompletter Gitteroptik auf den Markt. Und Audi rollt den Markt mit seinem neuen Offroad-Modell „Alcatraz“ auf.

Überhaupt das Thema Entertainment. Man darf doch davon ausgehen, dass die famose TV-Produktionsfirma Endemol am rapide abflauenden Interesse an ihrem „Big Brother“ verzweifelt. Warum also nicht Hoeneß-Totalüberwachung mit Livestream ins Internet? Und wenn sich noch ein paar Gauner mit Fußball-Sachverstand finden sollten, wovon schwer auszugehen ist, gibt es nach jedem Bundesliga-Spieltag die Talkrunde „Zu Gast bei Uli Hoeneß“. Erdinger Weißbier darf natürlich nicht serviert werden. Aber da helfen wir Franken gerne mit Früchtetee aus dem Greuther Teeladen. Ja, so wird das was. Fast wie in Freiheit.