Vertrauen ehrt, aber bringt nicht viel

Wir sind eine merkwürdige Gesellschaft. Wir verehren die edlen Gemüter, die sich ohne Interesse an eigenem Ruhm für andere Menschen einsetzen. Aber mit Geld überschütten wir jene, die uns suspekt oder vielleicht sogar zuwider sind.

Dies ergibt sich aus einer Rangliste der GfK-Marktforschung. Diese hatte in einer Studie  nach den vertrauenswürdigsten Menschen gefragt. Und wie fast  überall auf der Welt liegen auch bei uns die helfenden Berufe vorne. Wir heben den Daumen für Feuerwehrleute, Sanitäter und Krankenpfleger. Wir mögen Lokführer, Polizisten oder Bauern. Über 80 Prozent der Befragten haben solche Menschen für nicht hinterfotzig erklärt.

Auf der anderen Seite schaffen die Mächtigen der großen Politik, wie auch die Stars, die Profifußballer, Fernsehmoderatoren und Schauspieler, nicht einmal die 50-Prozent-Vertrauensquote. Was lehrt uns das? Vielleicht ist Mitleid im Spiel. Die aufrichtigen Helfer wirken auf uns, bei aller Zuneigung, letztlich uninteressant. Wir bedauern sie dafür, dass sie sich ihre schwierigen Jobs für so wenig Geld antun.  Also heucheln wir wenigstens Respekt und Sympathie.

Vielleicht spielt auch unser schlechtes Gewissen eine Rolle. Denn es fällt doch auf, dass die Berufe mit dem größten Sympathievorschuss auch schlecht bezahlt sind. Bei rationaler Betrachtung ist jede Altenpflegerin wichtiger als eine Schlagersängerin. Aber: Feuerwehrleute werden selten reich, Krankenpfleger bekommen eher ein kaputtes Kreuz als eine hohe Rente. Und wenn, wie gerade erneut wissenschaftlich belegt, die extrem ungerechte Verteilung der Vermögen in Deutschland aufgezeigt wird, dann sind die Guten ganz überwiegend bei denen, denen es schlecht geht.

Vertrauen ehrt. Aber es bringt nicht viel. Keine schöne Botschaft. Aber wahr.