Die Verklärung des schwachen Mandats

Nur wenige menschliche Eigenschaften kann ich überhaupt nicht ertragen. Eine davon ist das Verklären niederer Beweggründe, das Vortäuschen höherer Ziele. Wie das geht, beweisen wieder einmal die großen politischen Parteien.

Gerade hat das Bundesverfassungsgericht das Europaparlament für barrierefrei erklärt. Die bisher gültige Drei-Prozent-Hürde ist abgeschafft. Sicher, ich glaube auch nicht, dass es dem Ansehen unseres Landes gut tun würde, wenn die Partei Bibeltreuer Christen, die esoterisch verklärten Violetten oder gar die NPD in diese Volksvertretung einziehen sollten. Aber was aus diesem Thema gemacht wird…

Das Abschaffen der Mindesquote werde, so ließen die großen Parteien verlauten, der Vertretung Deutschlands in der EU schwer schaden. Es werde der ungeheuerliche Zustand eintreten, dass Abgeordnete ziellos umhervagabundierten, weil es für sie kein passendes Sammelbecken gebe.

Fraktionlose in Europa! Welch’Schwächung, in einem Gebilde, von dem ich alle paar Jahr höre, dass es demnächst, aber wirklich demnächst, sämtliche Rechte von Parlamenten bekommen werde. Wo aber, wie bei meinen Abnehm-Versuchen, dem Morgen immer wieder der nächste Tag folgt, ohne dass sich groß etwas geändert hätte.

Warum können diese Großsprecher nicht einfach sagen, dass ihnen dieses Urteil nicht passt? Und zwar deshalb, weil es ein paar Sitze von Pateifreunden kosten wird. Was Macht und Einfluss verringert, aber auch das Versorgen von anderweitig gescheiterten oder abgehalfterten Parteifreunden unsicher macht.

Stattdessen malt man das Bild von schädlichen Spinnern und tut so, als ob man selber keinesfalls auch nur einen seltsamen Vogel in den eigenen Reihen hätte.

Nein, wir loben das Gericht. Schön, wenn jede Stimme gleich viel zählt. Und den großen Parteien sei gesagt: Macht gute Politik. Das sichert eure Jobs am besten.