Ein Rutsch geht durch Deutschland

Monstertaifune, Tsunamis, Erdbeben, Dürreperioden: Naturkatastrophen plagen diese Welt, und sie werden, wie es scheint, immer häufiger. Auch wir leiden. Denn wenn es passiert, steht alles still. Knochen bersten, Nerven und Sehnen reißen. Was aber ist diese vernichtende Urgewalt? Die Antwort: Drei Zentimeter Neuschnee.

Bei uns in Nürnberg war es gerade wieder soweit. Die Schneeflocken fielen, hatten sich aber als Zeitpunkt ausgerechnet den morgendlichen Berufsverkehr ausgesucht. Die Folge: Die Männer in den Räum- und Streufahrzeugen meinten es zwar gut, standen aber mit den gestressten Zeitgenossen in den Autos einträchtig im Stau. Es gab kein Entrinnen, dafür aber Einsätze mit seltsamen Geräten. Kleinen Traktoren etwa, an die vorne eine gelbe Bürste gespannt war. Damit sollten Fußgängerüberwege freigemacht werden. Stattdessen wurde der frische Schnee plattgewalzt, so dass eine richtig glatte Fläche zurückblieb. Wir sahen den Laubsauger des Frostes.

Das Gesamtergebnis: Jammer, wohin das Auge blickte. Selbst deutscheste Autofahrer drückten die Verzweiflungshupe. Es war wie immer beim ersten Wintereinbruch. Wobei man sich wundern darf. Denn Schneefall verlängert nicht die Länge der Strecken. Wenn alle Menschen 20 Minuten früher losfahren würden und entsprechend langsamer unterwegs wären, müsste doch alles wie sonst auch sein. Meint man – als schlichtes Gemüt.

Man fragt sich auch, wie jene Menschen unsere Probleme anschauen würden, die in den Weiten der USA oder Kanadas leben und schon deshalb mächtige Geländewagen fahren, damit sie sich bei Schneefall eine minimale Chance bewahren, oben rauszuschauen. Vielleicht würden sie sich wundern. Spätestens aber dann verstehen, wenn man ihnen erklärt, dass vom Parlament des lustig-derben Lederhosenlandes Bayern wegen eines einzigen Tieres dieser Spezies ein Braunbärenbeauftragter ernannt wurde.

Geben wir es zu. Wir sind verweichlicht. Wir halten nichts aus. Wir drehen durch, wenn es anders kommt als gewohnt. Worin ein Auftrag für unsere famose Industrie liegt. Kann man nicht Autos erfinden, die durch den Auspuff Streusalz versprühen? Wie wäre es mit kleinen Schaufeln, die bei Schnee und Matsch vor den Reifen heruntergelassen werden? Wo bleibt das Allwetter-Luftkissen-Elektro-Nullemissions-SUV? Brauchen wir Salz-, Sand- und Blähton-Drohnen, die das rettende Material von oben verstreuen? Rüstungskonzerne müssten das können. Schwerter zu Schneepflugscharen.

Oder aber wir reißen uns zusammen. Begreift es endlich: Es muss ein Rutsch durch Deutschland gehen.

 

 

Große Koalition? Lasst es Liebe sein!

Mit Liebesheiraten ist es so eine Sache. Paare streifen sich die Ringe über, während sie hoch oben in der Gefühls-Stratosphäre schweben. Alles ist gut. Doch dann kommt der raue Alltag und das junge Glück landet beim Scheidungsanwalt. Ist es demnach vielleicht sogar gut, wenn sich Menschen aneinander binden, die sich gar nicht leiden können? Ist die Zweckehe überlegen? Ist die Große Koalition, anders als die als Traumehe gestartete schwarz-gelbe Beziehung, das Beste für dieses Land?

Fragen wir nach, was uns Paarbeziehungsexperten raten. Lehrsatz 1: „Was auch kommen mag. Ziehen Sie immer an einem Strang.“ Vordergründig betrachtet, könnte man an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen. Denn wie sollte Schwarzen und Roten diese Übung gelingen? Jedoch, es ist möglich. Die Großkoalitionäre werden bestimmt an einem Strang ziehen. Wenn auch nur selten am selben Ende. Erfolgschance also 50:50

Beziehungs-Hinweis Nummer 2: „Sich ab und an zu streiten, gehört zum Lieben dazu. Aber vergessen Sie nie, dabei fair zu bleiben.“ Die Prognose fällt leicht, dass unsere Spitzenpolitiker/-innen das mit dem gelegentlichen Zank sicher hinbekommen werden. Fair wird es nicht immer zugehen. Erfolgschance 50:50.

Dritter Tipp: „Verlernen Sie nicht, auch mal allein zu sein.“ Dafür gibt es Parteitage, Regionalkonferenzen und Ortsvereinssitzungen. Klappt also zu 100:0 Prozent.

Vierter Tipp: „Die richtigen Worte, eine kleine Geste und Leidenschaft. Verlernen Sie nicht, sich zu überraschen.“ Überraschungen wird es geben, manchmal sogar mit den richtigen Worten. Aber Angela Merkel und Leidenschaft? Sagen wir 30:70.

Fünfter Tipp: „Macken, Hobby, Eigenschaften: Tolerieren Sie weiterhin, was sie zu Beginn entzückend fanden.“ Macken gibt es, wie die soziale Gerechtigkeit bei der SPD oder die Pkw-Maut bei der CSU. Allerdings hat noch niemand von der Gegenseite diese Geschichten als entzückend empfunden. Und: Alexander Dobrindt am Kabinettstisch ist für niemand tolerierbar. Erfolgschance 10:90.

Hinweis Nummer 6: „Zusammen lachen, Spaß haben, Blödsinn machen. Seien Sie manchmal unvernünftig.“ Für gemeinsame Späße scheinen die Groß-Koalitionäre nicht geschaffen. Den Witz, den Andrea Nahles Horst Seehofer erzählen würde, gibt es nicht. Das gemeinsame Produzieren von Blödsinn auf der Basis unvernünftiger Beschlüsse sollte allerdings problemlos gelingen. 80:20 für die Große Koalition.

Und die siebte Kostbarkeit der Liebe: „Verlernen Sie nicht, den anderen jeden Tag aufs Neue für etwas zu bewundern.“ Sicher ist, dass  erfolgreiche Politiker/-innen zuallererst und ausschließlich sich selbst bewundern. Es mag auch vorkommen, dass man am Todfeind reizvollere Eigenschaften erkennt als am Parteifreund. Aber bewundern geht kaum bis gar nicht. Erfolgschance 10:90.

Die Prognose für eine gelingende Partnerschaft liegt somit bei 330:370. Also bitte, quält uns nicht und verzichtet. Lasst es Liebe sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

"Waldi" und die Qualität der Medien

Wir sind erschüttert. Alles, woran wir geglaubt haben, siecht dahin. Es gibt immer weniger Gewissheit. Was ist passiert? Waldemar Hartmann, Reporter-Legende des ARD-Sports hat als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär?“ nicht gewusst, dass Deutschland im eigenen Land Fußball-Weltmeister geworden ist. Ein Experte, der nichts weiß! Die Medien quillen über von diesem Skandal.

Jetzt aber mal langsam. Jeder Mensch haut mal daneben, erlebt mal einen brutalen Blackout. Mein persönlicher Klassiker ist es, dass mir bei Menschen, die ich schon 20 Mal gesehen habe, bei einer spontanen Begegnung der Name nicht mehr einfällt. Der lustige „Waldi“ hat zudem geltend gemacht, dass ihn die schöne Kandidatin Lene Gehrcke verwirrt habe.

Nun hält man den Hartmann gemeinhin eher für weißbier- denn hormongesteuert. Aber das Phänomen, dass hinter dem Wohlklang einer   Frauenstimme der speicherfähige Inhalt verblasst, das kennen, nun ja, auch andere.

Die „größte TV-Blamage aller Zeiten“ aber lenkt den Blick auf ein anderes Themenfeld: die Qualität des Journalismus. Niemand darf erwarten, dass sich journalistische Experten stets auf Augenhöhe mit Wissenschaftlern oder ausgewiesenen Helden des sinnlosen Spezialwissens befinden. Ein schöner Lehrsatz über das Wesen des Journalismus lautet denn auch so: „Nichts wissen und das gekonnt ausdrücken.“ Was wiederum bedeuten soll, dass gute Journalisten/-innen vor allem wissen müssen, wie und wo sie sich interessante Fakten besorgen können.

Am Bedeutungsverlust der professionellen Medienmacher/-innen ändert das nichts. Denken wir etwa an den früheren Bundeskanzler Willy Brandt, der in diesen Tagen 100 Jahre alt würde. Er selbst war Journalist, seine engsten Vertrauten übten diesen Beruf aus. Das Ergebnis war eine Politik mit wirklichen Reformen. Die Meinung von Publizisten zählte etwas.

Heute wird vor allem jungen Journalistinnen und Journalisten von interessierter Seite eingebläut, dass sie in erster Linie Kostenfaktoren sind. Sie lernen, dass es immer jemand gibt, der ihren Job billiger macht. Man sagt ihnen, dass sie dankbar sein dürfen, wenn ihre Gedanken überhaupt veröffentlicht werden. Und sei es gratis.

Die von der Umsatzrendite beseelten Verlagsgeschäftsführer fordern inzwischen sogar eine Gehaltstarifgruppe für nicht-akademische Billig-Journalisten. Haben sie damit Erfolg, wir unser Lehrsatz alsbald wie folgt lauten: „Nichts wissen und das auch noch schlecht ausdrücken.“ Schöne neue Zeiten.

 

 

 

 

Vergessen heilt nicht alle Wunden

Als Journalist sollte man die Finger von Sprichwörtern und Binsenweisheiten lassen. Aber oft ist was dran. Nehmen wir den Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“. Und blicken wir in die USA.

Dort ist der frühere Präsident George W. Bush in Umfragen inzwischen beliebter als Barack Obama. Bush, das war doch dieser texanische Stammler,  der für das alte Europa die Inkarnation des dummen Amerikas darstellt. Also jener US-Bürger, die auf der Landkarte Frankreich nicht von Indien unterscheiden können, die Bücher beim Lesen verkehrtherum halten, sogar zu ihrer Mülltonne mit dem Auto fahren und zwischenmenschliche Probleme eher mit dem Gewehr als mit einem Gespräch lösen. Genau so war sein Regierungsstil.

Lustige Versprecher gehörten bei ihm dazu. Weshalb wir ihn nicht wirklich ernstnehmen wollten. Bloß: Schon die Zahl der Todesurteile, die er als Gouverneur von Texas vollstrecken ließ, hätte ausreichen müssen, um zu erkennen, dass da kein tapsiger Cowboy, sondern ein höchst gefährlicher Politiker am Werk war.

Wie auch immer, wir haben diesen Mann so ehrlich gehasst, dass wir selbst Ronald McDonald an der Berliner Siegessäule zugejubelt hätten. So kam Barack Obama. Er hat sich seinen Popularitätsverlust redlich verdient, er hat aber auch ein fürchterliches Erbe seines Vorgängers angetreten.

Der sitzt daheim, malt Bilder, klopft Sprüche in Talk-Shows und profitiert jetzt von der menschlichen Eigenschaft, dass das Unangenehme in unserer Erinnerung mit der Zeit verblasst. „Lass Vergang’nes vergessen sein“, riet schon Friedrich Schiller. Uns tut es gut. Alle Wunden heilt es aber ganz bestimmt nicht.

 

 

 

 

 

 

Kleine Sachen – große Wut

Himmel, es fällt mir nicht ein. Ich komm‘ nicht drauf, ich komm‘ nicht drauf. In der Mathematik gibt es doch so ein Wort, mit dem beschrieben wird. dass alles auch irgendwie anders und andersrum sein kann. Wonach es passieren kann, dass das Große das Kleine und das nochmal Andere im umgekehrten Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Nein, nicht die Wurzel. Nicht die Potenz. Reziprok, irgendwie. Und umgekehrt proportional…

Sie haben den Eindruck, dass hier ein verwirrter Mensch schreibt? Das stimmt, nach der vergangenen Woche ist das fast zwangsläufig. Die Koordinaten der Logik und der Klarheit haben sich wieder einmal völllig verschoben. Da lautete die letzte große Katastrophenmeldung zum Wochenende, dass die Post beim Porto hinlangt. Briefe werden um 2 Cent teurer.

Ja, und? Wer schreibt eigentlich noch Briefe, tütet sie ein, frankiert sie und wirft sie in den Briefkasten? Die Zahl der Opfer ist überschaubar. Mit den Reiseverlosungs-, Spendenaufrufs- und Handyangebots-Versendern habe ich kein Mitleid.

Eine ähnliche aufgeblasene Nebensächlichkeit war und ist die Gerichtsverhandlung gegen Christian Wulff. Der Ex-Präsident soll also sagenhafte Siebenhundertundeinpaarzerquetschte Euros ohne Beleg und Durchschläge um die Ecke gebracht haben.  Weil er seine völlige Unschuld beweisen will, wird nun also nachhaltigst getagt. Es wird auch eifrig berichtet, wobei manche Journalisten aus Verzweiflung über den kleinstkriminellen Stoff dazu übergehen, boulevardtechnisch hinzugucken. Der Ex-Präsident habe, wie früher, beim Reden eine Hand in die Hosentasche gesteckt, war da zu lesen. Sollte man nicht tun, vor all den Leuten.

Der andere Präsident, Uli Hoeneß, hat richtig hingelangt. Er hat die Steuer-Milliönchen dutzendfach hinterzogen. Aber die Massen lieben ihn. Seltsam, dieser FC Bayern München. Da hält ein frisch Vorbestrafter, Karl-Heinz Rummenigge, die Laudatio auf einen wahrscheinlich künftigen Vorbestraften. Und die armen Schlucker aus der Fankurve, die mangels Masse gar nicht die Chance haben, den Staat zu bescheißen, gröhlen selig: „Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!“. Sein Bruder Dieter schwadroniert gar über eine „öffentliche Hinrichtung“.

Die hatten wir, allerdings beim anderen Präsidenten. Dem tut das höhere Porto der Post vielleicht tatsächlich weh. Es ist eben, wie gesagt, alles irgendwie reziprok oder so. Der nächste Beweis dafür kommt bald: Eine große Koalition bringt kleine Ergebnisse.

 

 

Große Koalition ist großer Krampf

Hollerplotz, sie haben es gemerkt! Kurz vor Toresschluss ist bis an die SPD-Spitze durchgedrungen, dass es eine Alternative zur Großen Koalition gibt. Und zwar gemeinsam mit den Bösen, den Linken. Aber werden sie sich trauen?

„Opposition ist Mist“, meinte einst der Meister des Verbal-Twitterns, Franz Müntefering. Stimmt zwar, aber Große Koalition ist es auch. Wenn die Diskussion unter den großen demokratischen Parteien zwecks gemeinsamen Regierens entfällt, hilft das vor allem seltsamen Gestalten an den Rändern. Eine AfD etwa wird für ihre europafeindlichen Thesen noch mehr Gehör finden.

Die Große Koalition ist zudem die ideale Plattform für Merkel’sche Alternativlosigkeit. Über noch weniger Themen als bisher wird diskutiert oder gar gestritten werden. Man braucht sich schließlich, im Bund und in den Ländern. Schon die Koalitionsverhandlungen zeigen doch, was uns erwartet. Weitgehend ergebnisloses Gerede mit einer Chefin, die sich fein diskret im Hintergrund hält, so dass am Ende nur diejenigen dumm aussehen, die überhaupt etwas gesagt oder versprochen haben. Es gilt die Mikado-Politik: Wer sich bewegt, hat verloren.

Es muss doch inzwischen selbst dem ministeramts-strebsamsten Sozialdemokraten klar geworden sein, dass es die Kanzlerin blendend versteht, nichts zu sagen oder zu tun, aber den Verdruss darüber an sich vorbeirauschen zu lassen.

Alsdenn, liebe SPD: Macht den Krampf nicht mit. Wenn Euch Rot-Rot-Grün zu heikel ist, dann lasst die Union regieren und stimmt von Fall zu Fall zu. Oder eben nicht. Ansonsten wird es in Zukunft heißen: Herzlichen Glückwunsch, zu etwas mehr als zwanzig Prozent.

 

 

Wir Franken und die Suche nach Glück

Zwei Aspekte treiben jeden modernen Menschen um: Die Suche nach dem Glück und das so genannte Benchmarking. Wir wollen unseren Sorgen die lange Nase zeigen. Wir wollen aber auch wissen, wie wir im Vergleich mit anderen dastehen. So gesehen hat es uns Franken zuletzt böse erwischt. Laut einer wissenschaftlichen Studie sind wir die unglücklichsten Menschen in Westdeutschland.

Die Ossis der alten Bundesländer möchten wir nicht gerne sein. Aber so haben sie uns eben eingestuft, die Macher/-innen des „Glücksatlas 2013“. Tja, woran kann es liegen? Zunächst ist festzuhalten, dass die Daten für die Studie vor dem Beschluss für Markus Söders Heimatministerium gesammelt wurden. Der davon ausgehende Glücksschub sollte nicht unterschätzt werden. Der Umstand, dass Greuther Fürth mit einer tragischen Bilanz abgestiegen ist, kann ganz Franken nicht unglücklich machen. Ebenso wenig die ständige Krise beim 1. FC Nürnberg. Die kennt man.

Oder lag es daran, dass die Forscher/-innen aus Freiburg vor Ort recherchiert haben? Wer unsere Stimmung erkunden möchte, und sich zu diesem Zweck ohne schlüssige Begründung an einen mit einem Einheimischen besetzten Wirtschaftstisch setzt, wird keine Glückgefühle erspüren. Wer wiederum beim Biohändler die für uns typische Konsumenten-Frage „Gell, an Sellerie hamm Sie heid net?“ hört, macht schnell den Haken im Kästchen „Volksgruppe hadert mit gesundem Essen“. Warum am Ende die Schleswig-Holsteiner als glücklichste Volksgruppe im deutschen Glücksatlas stehen, ist indes erklärbar. Die Einheimischen sind notorisch schweigsam und somit komplett undurchsichtig. Auskünfte haben lediglich Dänen auf Durchreise gegeben, ihres Zeichens Spitzenmenschen im Weltglücksverzeichnis.

Was aber helfen uns diese Erkenntnisse? Eigentlich nichts. Denn es gibt auch anderslautende bis verwirrende Erkenntnisse. Nach einer ganz frischen Untersuchung hat Franken – wenn auch dank der Innovationskraft in Erlangen – gute Zukunftschancen. Die Versorgung mit Prostituierten ist in Nürnberg auffällig hoch. Wir haben ja auch die Internationale Waffenmesse. Dramatisch verbessert, nämlich von Platz 19 auf 13, hat sich Nürnberg im europäischen Zoo-Ranking. Obwohl das Lieblingstier der Deutschen, der Elefant, bei uns nicht herumsteht. Im „Niveau-Ranking'“ der unsäglichen Initiative Soziale Marktwirtschaft wiederum landet Nürnbergauf Platz 11 von 50.

Aufschlussreich auch das Städteranking der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“. 94,7 Prozent der Befragten bewerteten dabei die öffentliche Sicherheit positiv. Wenn man nun noch sieht, dass im nationalen Faulheits-Ranking Nürnberg auf Platz 40 von 50 gelistet ist, kommen wir zu folgendem Fazit: Wir leben langweilig, aber wir arbeiten hart dafür.

Die Städter mit dem größten Drang zum Totschuften sind übrigens die Münchner. Da sagt der Franke „Das gönnen wir denen“, grinst zufrieden – und hat auf der Stelle einen Glückspunkt mehr. Man sieht, es geht doch.

 

 

Triumphzug nach Stadelheim

Beim Bier habe ich gestern Abend diesen Satz gehört: „Der soll doch 50 Millionen Strafe zahlen und Ruhe ist. So einen einsperren. Das geht doch nicht.“ So einer, das ist Uli Hoeneß. Der große Lenker der Fußballwelt muss sich im kommenden Jahr als Steuersünder vor Gericht verantworten. Es könnte eine Haftstrafe geben.

Tatsächlich tun sich viele Menschen schwer mit diesem Gedanken. Uli Hoeneß betrachten sie als Fixstern im letzten großen Männerkosmos. „So einer“ erscheint ihnen als jemand, der weit außerhalb unseres Koordinatensystems steht. Wenngleich nicht unfehlbar, so doch irgendwie unantastbar. Man darf davon ausgehen, dass das zuständige Gericht unter medialem Beschuss beraten wird. Zumal die befreundete Lichtgestalt Franz Beckenbauer schon jetzt raunt, dass man doch nicht so streng sein soll mit einem Menschen, „der mal einen Fehler gemacht hat“.

Was aber, wenn sich unabhängige Richter finden, die alle Menschen gleich behandeln wollen? Dann hat Hoeneß schlechte Papiere. Weil klar werden wird, dass er sich in Sachen Geld wie ein gewöhnlicher Krimineller verhalten, dass er ein Leben nach der Formel „Gier frisst Hirn“ geführt hat. Für zwei Jahre Knast reichen seine Schwarzgeldtouren allemal.

Das Fußballvolk und dessen Verbündete werden ihn nicht fallen lassen. Die armen Schlucker aus der Fankurve werden Transparente mit der Aufschrift „Free Uli!“ hochhalten. Der Scheich von Katar wird dem bedrängten Präsidenten politisches Asyl anbieten.

Und wenn das alles nichts hilft, werden sie an dem Tag, an dem der Kleinbus Richtung Gefängnis abfährt, die Straßen säumen. Sie werden ihre schönsten Wies’n-Trachten anziehen und dem Deliquenten mit rot-weißen Taschentüchern nachwinken. Sky wird das Ganze unverschlüsselt übertragen. Von diesem Triumphzug nach Stadelheimn wird man noch in hundert Jahren reden. „So einer“ verschwindet nicht „einfach so“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleichberechtigung heißt geteiltes Leid

Wir sind gescheitert. Wenigstens so ziemlich. Seit vielen Jahrzehnten bemühen sich kämpferische Frauen und wohlmeinende Männer um die Chancengleichheit der Geschlechter. Und? Sind wir alle glücklicher geworden? Nicht unbedingt.

Schauen wir auf die Frauen. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse klagen immer mehr von ihnen über wachsenden Stress. Vor allem die Altersgruppe von Mitte 30 bis Mitte 40 sei davon betroffen. Das ist nachvollziehbar, denn der Druck auf diese Menschen nimmt zu. Frauen dieses Alters sollen Karriere machen, eine liebevolle Mutter und unbedingt sexy sein. Kochen sollen sie auch können – und bügeln. Der Überschuss an Forderungen ist eindeutig.

Und die Nachfahren Adams? Zum Weltmännertag am 3. November hatte die „Bild am Sonntag“ die glorreiche Idee, das Thema „Männer-Mobbing“ auf die Titelseite zu stellen. Immer mehr Kerle bekämen Probleme, weil sie so sind, wie sie zwecks Evolution sein müssten. Auch nicht verkehrt. Denn in der globalisierten Arbeitswelt schwindet die Akzeptanz dafür, dass jemand mit komplett von Gedanken entleertem Kopf in die Prärie schaut. Es darf aber auch angenommen werden, dass immer weniger junge Frauen Verständnis dafür haben, dass ihr Freund an jedem Wochenende vier Stunden mit dem Nachbau einer bolivianischen Anden-Eisenbahn verbringt. Früher war ein solches Hobby normal.

Nun ist es die gewisse Tragik des Weltmännertages, dass er von einem umstrittenen Menschen erfunden wurde. Michail Gorbatschow war bei uns als Russe ähnlich beliebt wie zeitweise Barack Obama. Aus Sicht seines Nach-Nachfolgers Waldimir Putin ist er freilich  das größte Weichei in der Geschichte des russischen Riesenreichs. Und tatsächlich geht es ihm mehr um die gesunde Prostata als um gesellschaftliche Umwälzungen.

Was aber läuft grundlegend schief in Sachen Gleichberechtigung? Wahrscheinlich, dass versucht wird, beiden Geschlechtern exakt die gleichen Lasten aufzubürden. Ist der Mann erfolgreich, weil er Überstunden macht, muss auch die Frau später nach Hause gehen. Beide besetzen also mehr als 2,0 Planstellen. Richtig wäre es, das Alltagsleid zu teilen. Also tagsüber Job-Sharing, der Rest des Lebens wird gemeinsam gestaltet.

Fragt sich bloß, wem in diesem Billiglohnland dann noch das Geld reicht. Es bleibt kompliziert. Auch nach dem Weltmännertag 2013.

Der 1000. Hirndübel – und nix passiert

Es ist ein Drama. Da schreibe ich alle paar Tage so vor mich hin – und übersehe beinahe mein famoses Jubiläum: Dieses ist mein 1000. Hirndübel-Beitrag.

Gelegentlich habe ich an dieses Ereignis gedacht. Und hatte durchaus meine Pläne. Ich dachte an eine W-Lan-Party, bei der ich Blogpost Nummer Tausend gemeinsam mit wenigstens 20 Mitautoren/-innen schreiben wollte. Eine Facebook-Party mit Polizeihubschrauber und verbeamteten Schäferhunden war in der Überlegung. Auch ein virtueller Tod mit anschließender Wiederkehr in einer neuen Inkarnation erschien reizvoll. Zumindest wollte ich über ein ganz besonderes Thema schreiben.

Und jetzt? Ich sitze da, und habe nichts Spezielles auf der Pfanne. Mein Blog fügt sich somit nahtlos ein in meine sonstige Lebenserfahrung. Zum Beispiel hatte ich gedacht, dass der 50. Geburtstag ein ganz besonderes Ereignis wäre. Tatsächlich gehst du am Abend davor ins Bett, um beim Aufwachen festzustellen, dass du dich kein bisschen anders fühlst.

Jawohl, mein Hirndübel-Jubiläum habe ich verkackt. Wobei ich noch die Hoffnung habe, dass es vielleicht eine islamische, chinesische oder vodookultische Zählweise gibt, die einen neuen, baldigen Anlauf möglich macht. Die andere Option, die zehn unbeliebtesten Beiträge zu löschen, um in zwei, drei Wochen strahlend zur Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich aus Gründen der Authentizität verworfen.

Lieber ehrliche Verzweiflung als verlogene Freude. Dann verlege ich das Spezial-Event eben auf Beitrag Nr. 1111. Im Jahr 2014, ungefähr um diese Zeit, müsste es soweit sein. Bitte erinnert mich dran. Vorschläge sind willkommen.