Obama – unser großer Irrtum

Hiermit stelle ich Folgendes fest: Berti Vogts versteht mehr von Fußball als Pep Guardiola. Ja, ich spüre ihn, Euren Aufschrei. Rund 101 Prozent meiner Leser/-innen fragen soeben, ob ich über’s Wochenende irre geworden bin oder eine Drogenkarriere begonnen habe. Nein, keineswegs. Mir geht es um etwas anderes. Wir neigen dazu, uns in anderen Erdbewohnern zu täuschen. Und leiden an der Wahrheit.

Nehmen wir die Erdmännchen. In jedem Tiergarten gehören sie zu den Stars. Weil sie so süß, so irgendwie menschlich sind. Wenn sie durch die Gegend wuseln und sich wachsam aufrichten, denkt keiner daran, dass es sich um Raubtiere handelt, die bei passender Gelegenheit kräftig zubeißen. Oder Eisbärenbabys. Das so genannte Kindchenschema verführt uns dazu, dass wir gegenüber diesen weißen Knäueln Eltern-Gefühle entwickeln. Würde uns nicht unser Resthirn davon abhalten, wir würden die Streichelhand auch einem erwachsenen Eisbären entgegenstrecken – und nach dieser Begegnung allenfalls froh sein, dass die ungeschicktere der beiden Hände weg ist.

Womit wir bei Barack Obama wären. Was haben wir nicht in diesen Mann hineinprojeziert? Schon als Kandidat war er für uns das andere Amerika. Der perfekte Gegenentwurf zum tumben George W. Bush. Dunkelhäutig, jung, lässig, rhetorisch hochbegabt, zudem Ernährer einer Musterfamilie. Ein Bill Cosby der Weltpolitik, bei dem nur noch gefehlt hat, dass bei seinen launigen Reden an den richtigen Stellen die Lacher eingeblendet werden. Wer nach seiner Vereidigung mahnte, dass auch dieser US-Präsident nicht über’s Wasser gehen könne, galt als schlecht gelaunter Miesmacher. Stattdessen hat man ihm den Nobelpreis verliehen.

Was aber haben wir gelernt? Dieser Barack Obama ist kein Erdmännchen, wie wir es gerne hätten. Er ist ein Machtpolitiker, der weder Tod noch Teufel kennt, wenn es darum geht, seiner Nation Vorteile zu verschaffen. Der US-Präsident tut all das, was wir eigentlich vom skrupellosen Russen Wladimir Putin erwarten. Was stören könnte, wird ausgehorcht.

Tja, es gibt eben auch das wohlmeinende Vorurteil. Genauso wie das andere. War Guardiola jemals Europameister? Man sieht, auch im Fußball wird gerne überschätzt.