Wer hüpft ins Bett der schwarzen Witwe?

Es muss ja nicht gleich Elfriede Blauensteiner sein. Jene Österreicherin, die am Ende des vergangenen Jahrtausends mindestens drei Menschen ins Jenseits befördert haben soll und seitdem als „Schwarze Witwe“ die Kriminalgeschichte ihres Landes bereichert. Uns reicht schon Angela Merkel. Auch von ihr ist bekannt, dass ihre männlichen Parteifreunde und sonstigen politischen Lebensabschnittsgefährten gefährlich leben. Traut sich trotzdem jemand in ihre Nähe?
Ich habe Angela Merkel auch schon als „die wahre Femme Fatale“ dargestellt. Aber so prophetisch dieses Video aus heutiger Sicht ist, so unpassend ist der Vergleich am Ende. Frauen dieser Kategorie haben ihre Opfer bevorzugt mit Erotik ins Verderben gelockt. Angela Merkel ködert mit Macht, sie ist somit ein eher männlicher Gegenentwurf zur unwiderstehlichen Sexbombe.
Schwarze Witwe passt besser. Es darf als feministischer Urtraum vermutet werden, einen Sexpartner für dessen fahrlässig ausgeführte Penetration mit einem verheerenden Biss in den Nacken zu bestrafen. Die Frauenforschungsstelle Münster hat sich vielleicht auch deshalb bei ihrer Gründung nach der Mörderspinne benannt.
Nun ist die Zahl der Opfer Merkels geradezu unmenschlich hoch. Kohl, Merz, Westerwelle, Koch, Rösler, Steinmeier, Müntefering, etc., etc., etc. Außerdem ist die Bundeskanzlerin tatsächlich frisch verwitwet – und wie bei den Spinnen sind die potenziellen Männchen deutlich kleiner als sie selbst.
Womit wir doch wieder bei Elfriede Blauensteiner angekommen sind. Auch sie ließ die Erotik beiseite und suchte lieber nach pflegebedürftigen Männern und Frauen, die wirtschaftlich etwas zu bieten hatten. Auch die SPD sehnt sich danach, aufgepäppelt zu werden, wobei sie einige Inhalte mitbringt, die im Laufe der Jahre sicher zum Programm der Union werden dürften.
Vor Gericht auf das überraschende Ableben ihrer Klienten angesprochen zitierte die Blauensteiner Pontius Pilatus: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Hat sich Angela Merkel in der Fernseh-Elefantenrunde zum Ableben der FDP nicht ganz ähnlich geäußert?
Alsdenn, wer springt in Angies Bett? Die Sozialdemokraten sollten sich zumindest vorsehen…

Hier das Video: http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2011/06/30/die-wahre-femme-fatale/

Wo ist Röslers Grab auf Facebook?

In diesen virtuellen Zeiten ist das der schlimmste Tod überhaupt. Der zurückgetretene FDP-Vorsitzende Philipp Rösler und sein Ex-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sind auf Facebook verschwunden. Einfach weg. Sie hinterlassen eine kleine, aber umso ratlosere Fangemeinde.
Praktisch ist das Verschwinden der gewesenen Spitzenpolitiker leicht zu erklären. Man kann von keiner Partei-Mitarbeiterin und keinem –Mitarbeiter verlangen, dass sie/er noch das Hohelied der liberalen Großpolitiker singt. Diese Menschen sind frisch arbeitslos geworden. Die Suche nach einer Anschlussverwendung hat selbstverständlich Vorrang.
Das mysteriöse Ende der beiden Liberalen wirft aber auch ein Schlaglicht auf ein ganz anderes Problem: Diesem Internet fehlt die Bestattungskultur. Wer von unseren 2000 Twitter-Followern wer von unseren 1000 Facebook-Freunden erfährt es eigentlich, wenn wir das Zeitliche gesegnet haben? Der Betrieb läuft doch weiter. Und nicht wenige soziale Netzwerker kennen das Phänomen, dass die Zahl ihrer Freunde eher steigt, wenn sie einmal vier Wochen lang den Mund halten. Was wiederum erst recht als Lebenszeichen aufgefasst wird.
Die virtuelle Nachsorge ist bislang völlig vernachlässigt worden. Ein Problem, das auch unsere Geheimdienste umtreiben sollte. Wenn einer drei Jahre lang den Staat beschimpft hat, und dann plötzlich wie abgetaucht ist: Kann so einer einfach als tot abgehakt werden. Oder ist er nicht eher zum Schläfer geworden, der bei passender Gelegenheit umso härter zuschlägt?
Womit wir wieder bei Rösler und Brüderle angekommen sind. Ja, sie sind verschwunden. Aber wir alle wissen auch: Das Internet vergisst nichts. Facebook schon gar nicht. Was letztlich bedeutet, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende ist. Muhammed Ali, Silvio Berlusconi, Terminator und Howard Carpendale. Sie alle haben famose Comebacks gefeiert. Heben wir uns also unsere Trauer noch ein bisschen auf.

Aliens sind unsere Hoffnung

Weltsensation! Die Bild-Zeitung, die gerade mit einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 41 Millionen Haushalten die Altpapiertonnen verstopft hat, meldet also außerirdisches Leben in unserer Stratosphäre. Es handle sich um Einzeller, deren DNA-Struktur einer irdischen Algenart gleiche. Liebe Leute, warum wundert uns das? Es muss extraterristrisches Spezies geben. Alles andere wäre ein dramatisches Versagen der Evolution.

Stellen wir uns doch bloß mal vor, es wäre der Endpunkt der Schöpfung, dass Bild, RTL 2 und Bunte nebeneinander existieren können. Stellen wir uns vor, Gott würde mit Wohlgefallen auf den Euro-Rettungsschirm und auf das deutsche Steuerrecht in seiner Gesamtheit schauen. Er würde sagen, dass beides so blendend aufgebaut sei, als wäre es direkt vom Baum der Erkenntnis gepflückt.

Stellen wir uns weiter vor, dass es galaxieweit keine Spezies gäbe, die erkannt hätte, dass Telefon-Flatrates mit angegliedertem Schrottservice zu überwinden sind. Und dass es so genannte Führungs-Nationen gäbe, in denen eine Angela Merkel an der absoluten Mehrheit kratzt.

Nein, es wäre eine Tragik des universalen Lebens, wenn es keine klügere Lebewesen als uns Menschen gäbe. Wenn Wahlkämpfe der SPD und der Grünen den Standard für andere Planenten setzen würden. Wenn die die AfD auf dem Mars die Abschaffung des Sonnendollars fordern könnte.

Nein, Aliens sind keine Bedrohung. Sie sind unsere Hoffnung. Aber wer weiß, vielleicht hat das Aufräumen schon begonnen. Die FDP wurde am Wahlsonntag eindrucksvoll eliminiert. Wie? Sie meinen, das kann nicht das Werk von Aliens sein, weil die doch bestenfalls in der Stratosphäre sitzen? Tja, aber war da nicht dieser Irre, der aus größter Höhe abgesprungen ist? Ja, er hat sie mitgebracht. Red Bull verleiht der Evolution Flügel. Sie sind da. Herzlich willkommen!

Geh wählen! Hier ist der allerbeste Spot

Ich gestehe, dass ich Fan von Wahlwerbespots bin. Wann sonst erfährt man, was die Partei Bibeltreuer Christen im Programm hat? Die handverwackelten Videos der Kleinparteien sind allemal lustiger als die geradezu klinisch Filme der Großen. Aber das hier ist für mich der ultimative Spot. Gemacht von der IG Metall, temporeich, witzig und aufrüttelnd. Anschauen lohnt sich!

http://www.youtube.com/watch?v=qorPt1dxxWY

Freie Leute und altgriechische Schnorrer

In der Selbstwahrnehmung ist die FDP die Heimat der wenigen wahren Aktivposten dieser Gesellschaft. Bei ihr lohnt sich Leistung, Eigenverantwortung zählt. Der Markt, die Nachfrage, regelt am Ende alles. Und gekauft wird nur das Beste. Oder wie es im Wahlprogramm heißt: „Die Freiheit des Einzelnen ist Grund und Grenze liberaler Politik. Deshalb schaffen wir Liberalen die Voraussetzungen dafür, dass sich jeder Mensch in unserem Land frei entfalten, Hindernisse überwinden und nach seinen Vorstellungen glücklich werden kann.“

„Sei Deines Glückes Schmied“, lautet also die Philosophie dieser Partei. Dies gilt aber nur so lange, bis es um die eigene Existenz geht.

Dann wandelt sich das Bild schlagartig, und die Liberalen nähern sich ruckzuck ihrem Feindbild an. Sie verhalten sich wie Null-Bock-Punks, die in der Bahnhofsunterführung die Hand aufhalten. Wie betrügerische Bettler, die sich auf dem Pflaster sitzend ein Bein nach hinten klemmen, um amputiert zu wirken. Wie spätrömisch Dekadente, die schmarotzend von den Leistungen anderer leben.

Aber natürlich geht es nicht ums Arbeitslosengeld 2. Vielmehr schreit die Leistungspartei gierig: „Gib‘ die erste, die Premiumstimme, ruhig den anderen. Aber schieb‘ uns die läppische Zusatzvotum rüber. Nur dann kriegst du das, was der andere verspricht.“

Das ist Desinformation, gepaart mit Dreistigkeit. „Ein schamhafter Bettler ist elend“, meinte einst der große Dichter Homer. Man sieht es wieder: In der Antike kennt die FDP sich aus.

Mit Stinkefinger und Valium-Drohne

Stinkefinger? So geht's richtig.

Stinkefinger? So geht's richtig. Foto: Wikipedia

Dauernd frage ich mich in den aktuellen Wahlkämpfen: Geht’s noch dümmer? Es gäbe wirklich einiges Wichtiges zu debattieren. Doch worüber diskutieren wir? Über den Stinkefinger von Peer Steinbrück.

Hosianna! Wenn es wirklich möglich ist, dass ein ungewöhnliches Magazin-Foto eines Spitzenpolitikers die gesamte Republik als herausragendes Thema bewegt, dann habe ich hierfür zwei Erklärungen: Entweder sind wir mit richtiger Politik überfordert und lassen uns deshalb gerne von der Bild-Zeitung mit trivalem Mist zutexten (woraufhin die anderen Medien zuverlässig folgen). Oder es ist eine im Auftrag der Kanzlerin ausgesprühte Valium-Wolke über’s Land gezogen, so dass wir dem unvermeidlichen Wahltag halb ohnmächtig entgegen dämmern. Wer weiß es schon. Vielleicht testen unsere Rüstungskonzerne gerade neuartige Ritalin-Drohnen, welche dafür sorgen, dass auch erfolglose Regierende bis hin zum Despoten als nett und vertrauenswürdig wahrgenommen werden.

Peer Steinbrück hat sein Foto, das kurioserweise ausgerechnet  die Behelfs-Kabarettisten von der FDP geschmacklos finden, in den Umfragen nicht geschadet. Vielleicht schlägt Angela Merkel ja zurück. Indem sie einen Putzfrauen-Kittel anzieht und dem Mindestlohn den Vogel zeigt.

Was  den Konkurrenten zur Höchst-Provokation veranlassen würde, indem er auf seinem finalen Plakat genussvoll in der Nase bohrt. Das würde ihn vermutlich ruinieren – wenngleich er mit 96 Prozent der autofahrenden Männer auf einer Linie läge.

Warten wir einfach ab. Das wahre Wort zum Thema kommt indes aus dem Senegal. Dort sagt ein Sprichwort dieses: „Ohne die Finger wäre die Hand ein Löffel.“ Das sollten wir nie vergessen.

Einerseits wachsen wir, andererseits…

Wer in einer schwachen Stunde über sein Leben nachdenkt, wird das Prinzip dieses Daseins vielleicht ergründen. Es lautet „Einerseits – Andererseits“. Was bedeuten soll, dass es nur wenige rundum glückliche Leute gibt, bei denen es immer nur aufwärts geht. Rückschläge gehören dazu. Erfolg und Wachstum sind nie unendlich.

So ist dasauch in unserer Produktwelt. Die Autohersteller erzielen famose Erfolge mit protzigen SUV’s, in denen auch die winzigsten Knilche dasitzen wie Hannibal auf seinem Elefanten. Andererseits fährt mancher mit dem Smart durch die Gegend. Wenngleich es mitunter ein erzwungener Dienstwagen ist. Fernsehbildschirme werden tendenziell immer größer, Handys wiederum schrumpfen so stark, dass sich der männliche Breitdaumen beim Simsen rettungslos verrenkt. Wegen des Abnehmens werden die Wurstdosen kleiner, während andernorts ein Wirtshaus deswegen gerühmt wird, weil die riesigen Pfannenschnitzel nicht auf die Teller passen.

Es geht kreuz und quer. Nur eine Konstante scheint es zu geben. Der Mensch als solcher wird immer größer. Wie eine wissenschaftliche Studie aus dem englischen Oxford über die Körpergrößen in fünfzehn Ländern ergeben hat, sind die Europäer binnen eines Jahrhunderts um elf Zentimeter größer geworden. Dabei sorgt beileibe nicht nur sozialer Frieden für Wachstumsschübe. Nein, gerade auch in Krisenzeiten sind wir nach oben geschossen. Alles in allem sind die Forscher aber überzeugt, dass eine im Durchschnitt verbesserte Volksgesundheit dafür verantwortlich ist, dass junge deutsche Männer inzwischen im Schnitt 1,80 Meter groß sind.

Aufhören wird das nicht. Einerseits haben wir – gerade bei jungen Männern – ein wachsendes Körper- und Gesundheitsbewusstsein. Die Zeiten, in denen ein Mann ohne Bauch als krank galt, sind vorbei. Andererseits kann es gut sein, dass uns die ewige Krisenmanagerin Angela Merkel für wenigstens vier weitere Jahre erhalten bleibt. Sie wird schon dafür sorgen, dass uns die ständige Bedrohung unseres Wohlstands ausreichend bewusst ist. Ab zwei weiteren Amtszeiten der jetzigen Kanzlerin wird es somit dazu kommen, dass die Kirchweihburschen vom Land ihr gemeinsames Bier aus der Dachrinne trinken.

Und die Kleinen? Sie werden sich wehren, und den Hilfsgiraffen alle denkbaren Beine stellen. Ganz so, wie Silvio Berlusconi gerade vor dem Europäischen Gerichtshof Gott und den Rest der Welt verklagt. Das Leben ist ein Kampf, der selten gerecht ist. „Einige werden groß geboren, einige erlangen Größe, und einigen wird die Größe hinterhergeworfen“, sagte William Shakespeare irgendwann um 1600 herum. Wer Gewinner oder Verlierer ist, weiß keiner. Das „Einerseits – Andererseits“ wird es also immer geben.

Angela Merkels größte Wahlkampflüge…

„Deutschland geht es so gut wie lange nicht.“ Mag sein, dass Angela Merkel  diesen Satz in den vergangenen Wochen so oft gesagt hat, dass sie ihn inzwischen selbst glaubt. Aber es hilft nichts: Diese Behauptung der Kanzlerin ist ihre größte Wahlkampf-Lüge überhaupt.

Das hat gerade der zweite „World Happiness Report” der Vereinten Nationen aufgedeckt. In dieser weltweiten Glücks-Studie, die an der Columbia University in den USA erstellt wird, rangiert unser Musterland auf Platz 26. Deutschland auf Rang 26???? Das akzeptieren wir zähneknirschend im Vergleich der Geburtenraten oder beim Eurovision Song Contest. Aber sonst? Leute, wir haben die mächtigste Frau der Welt, den klügsten Wirtschaftsminister auf diesem Erdball, wir bauen die besten Autos, spielen den kreativsten Fußball und sind Weltmarktführer bei schätzungsweise 33.000 Produkten. Aber glücklich, das sind wir nicht!?

Auf den ersten drei Plätzen der aktuellen Rangliste liegen Dänemark, Norwegen und die Schweiz. Und das ist doch verrückt. In diesen drei Ländern ist das Leben unheimlich teuer, zumindest in Dänemark sind die Steuern viel höher als bei uns. Während bei uns ein „Sale“ den nächsten jagt, während bei uns der Preis für Schweineschnitzel so gut wir lange nicht ist, legen unsere Nachbarn lässig einen Geldschein drauf und grinsen noch dabei. Auch Norwegen und die Schweiz sind – für uns – als Urlaubsziele kaum noch denkbar.

Niedrigpreise machen also nicht nicht glücklich. Aldi und Lidl sind keine Tempel der Endorphine.

Und wer uns sonst noch überholt hat. Die Iren, die von der Finanzkrise wirklich heftigst gebeutelt worden sind, landeten auf Platz 10. Wir schuften für Europa, aber diese Grün-Insulaner drehen uns eine lange Nase und spülen den Euro-Stress mit ein paar Guiness hinunter. Besser als bei uns ist das Lebensgefühl selbst in Spanien und in Mexico, obwohl dort alle paar Minuten ein Mensch auf offener Straße erschossen wird. Der Frauenunterdrückerstaat Saudi-Arabien weist gleichfalls bessere Glücks-Werte auf, weshalb wir froh sein müssen, dass wenigstens die asiatische Diktatur Turkmenistan auf Platz 28 gelandet ist.

So weit haben uns Schwarz-Gelb also tatsächlich gebracht. Wir haben gelernt, das es Deutschland schlecht geht. Wenigstens mental. Aber gibt es etwas, das uns hilft? Ich sage Ja – und gebe einen Tipp: Es ist ein Kreuz…

(Falls jemand die Studie überprüfen möchte. Hier geht’s lang: http://issuu.com/earthinstitute/docs/world-happiness-report )

Von der Smartwatch zum Apple-Implantat

Das Internet am Handgelenk. Ein Traum wird wahr.

Das Internet am Handgelenk. Ein Traum wird wahr.

Und hier ein Tusch: Ab sofort gibt es eine Armbanduhr, die uns allzeit bereit die überlebenswichtigen Informationen aus dem Internet liefert. Endlich wieder eine revolutionäre Innovation, möchte man sagen. Aber was ist wirklich los? Samsungs neue Smartwatch steht auch für einen sinnentleerten Kapitalismus.

Die weitere Digitalisierung unseres Daseins wird uns neue Probleme schaffen. Nehmen wir Googles Daten-Brille:  Wer in der U-Bahn auf einer Scharfe-Bräute-Seite surft und zu schwer atmet, könnte mit Frau Nachbarin Probleme kriegen. Wer mit dem Tunnelblick auf“s den Online-Stadtplan schaut, wird feststellen, dass Straßenlaternen dort nicht eingezeichnet sind.

Die intelligente Armbanduhr wiederum wird das medizinische Phänomen des Tennis-Arms vergessen lassen. Der Ellbogen wird zum früh verschlissenen Smart-Gelenk. Und die Turnhallen dieser Republik werden anlässlich der Abiturprüfungen gegen das Internet abgeschirmt. Denn sonst läuft Wikipedia mit.

Aber was ist eigentlich der tiefere Sinn solcher Erfindungen? Dass uns sinnvolle Produkte das Leben leichter machen? Dass sie gar ordentlich bezahlte Arbeitsplätze schaffen? Nein, dieses schlichte Denken hat unsere Wirtschaft längst überwunden. Oder überwinden müssen. Die Firmen brauchen immer neue Umsatz-Bringer, damit sie ihre Kosten knapp halten und ihre Schulden abbezahlen können. Und speziell die Internet- und Telekommunikationskonzerne leben davon, dass wir immer und überall für Werbebotschaften und für das Absaugen vermarktungsfähiger Daten auf Empfang sind.

Was also tun? Sich einfach verweigern? Nein, denn die Welt des Großkapitals muss sich weiter drehen.

Wo es hingeht ist eh klar: Effizienter als eine Armbanduhr oder eine Datenbrille sind wohl nur noch Implantate. Sie würden sich so etwas nie im Leben einpflanzen lassen? Warten wir mal ab, bis es Chips von Apple gibt. Dann reden wir weiter.

 

Eine Schlande für das Lande

Sie ist einfach unerhört: Die Flapsigkeit und Schludrigkeit, mit der die größten Fernsehmacher dieser Republik mit unser aller Schicksal umgehen. Da wird mit viel Brimborium ein durch und durch faires TV-Duell zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinrück angekündigt. Alles ist reguliert.  Wer wie lange antworten darf, wer zuerst reden muss und wer das Schlusswort hat. Und dann dieses: Man erlaubt die „Schlandkette“.

Da hat sich die Kanzlerin also ein Schmuckstück in den deutschen Farben um den Hals gehängt. Hergestellt in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz aus Bergkristall, Onyx und Schaumkristallen. Und schon geht der Wahnsinn los. Die halbe Welt diskutiert über die so genannte „Schlandkette“.  Billigjobs? Finanzkrise? Energiewende? Wer sich am patriotischen Schmuck ergötzt, muss sich nicht mit wirklichen Problemen quälen.

Denn noch während sich die Politiker an sich und an den Moderatoren abarbeiteten, lief auf Twitter die Debatte heiß. Ist die Kette nicht eher belgisch? Wann wird die Bestell-Hotline eingeblendet? Ist diese Kette ein Schmuckstück oder doch ein Halsband? Wann wird die Kette zu mächtig, bekommt das vollste Vertrauen ausgeprochen und wird daraufhin für immer ins Schmuckkästchen gesperrt?

Zumindest Letzteres wird nicht passieren, denn die Schlandkette hat viele Beschützerinnen und Beschützer. Stand heute haben 3500 Facebook-User die Schlandketten-Seite mit „Gefällt mir“ markiert. Auf Twitter hat @schlandkette 8300 Follower/-innen, die begierig auf neue Erlebnisse am Hals der Kanzlerin warten.

Wir waren und sind also mächtig abgelenkt. Was nur bedeuten kann, dass das Duell wiederholt werden muss. Das Herzeigen nationaler Symbole wird untersagt. Peer Steinbrück wird genötigt, eine Perücke mit Merkel-Frisur aufzusetzen und den gleichen Lippenstift zu verwenden. Dafür muss die Kanzlerin einen blauen Anzug mit Krawatte tragen.

Wie es wirkt, wenn sich die Rivalen ähneln, war beim bayerischen TV-Duell zu erleben. Zwei reife Herren im Anzug tauschten ihre Argumente aus. Wie zu hören war, soll die Sendung nicht gerade prickelnd gewesen. Langweilig ja, aber eben in aller Würde.  Gut so, denn alles andere ist eine Schlande.