Ausbeuter kommen in den Himmel

Es ist wieder an der Zeit für eine theologische Betrachtung. Eigentlich scheint die Sache klar zu sein: Wer nur Geld zusammenrafft und andere ausnimmt oder sie gar nach Strich und Faden betrügt, muss in Satans Sauna schmoren. Ich habe über diese These nachgedacht – und massive Zweifel bekommen.

Der neue Papst, Franziskus, sensibilisiert uns gerade für das Thema Armut und Gerechtigkeit. Er trägt ausschließlich seine reinweiße Kutte, wohnt auf vergleichsweise erbärmlichem Niveau (Referenz: Vorgänger, Fürsten und Könige) und hat von seinem Papa-Mobil das Glasdach abschrauben und vielleicht an die Ludolfs verscherbeln lassen. Arm wünscht er sich seine Kirche. Die Masse jubelt ihm zu. Weil keiner dran denkt, wer zum Beispiel in Zukunft die Unterhaltskosten für das Nürnberger Männleinlaufen tragen soll.

Es naht demnach das Ende von Aravatia, dem Hauptlaster der Habgier. Wer ihm verfallen ist, kann zum Todsünder werden und muss auf dem Weg ins Paradies mindestens eine Ehrenrunde drehen. Ehe er – möglicherweise mit irreparablen Brandverletzungen – auf Wolke 14 die Schalmei spielen darf. Man kann auch mit prämortaler Unzucht nach unten rauschen, aber das dürfte angesichts des heutigen Altersdurchschnitts der Bevölkerung der seltenere Fall sein.

Aber kann ein Ausbeuter tatsächlich nicht zum Engel werden? Sehen wir es doch mal so: Wer andere, zum Beispiel als Arbeitgeber, so mies bezahlt, dass sie kaum über die Runden kommen, sorgt dafür, dass sie zu den Seligen gehören. Er hilft Menschen, ihre Habgier zu überwinden. Hartz-IV-Aufstocker sind dem Papst – und somit wahrscheinlich auch dem Herrn – ein Wohlgefallen. Sie tun der Spitze der Großabteilung Seelenheil so richtig gut.

Wir folgern: Wer ganz privat seiner Habgier frönt, kann als Todsünder bestraft werden. Wer aber auf Kosten anderer reich wird, tut Gotteswerk. Versprechen wir uns also nicht zu viel vom Paradies. Die Begrüßungsformel „Guten Morgen, Herr Abteilungsleiter“ kann es auf dort geben. Amen!