Wir warten auf DAS DUELL

Seit Wochen wabert der Wahlkampf durch unser Leben. So recht will uns die ganze Sache nicht begeistern. Aber nun schlägt die Stunde der Entscheidung, es gibt die Mutter aller Schlachten. Deutschland erlebt „D A S   D U E L L“.

Welch Ereignis! Identische Themen auf vier Sendern gleichzeitig erlebt man sonst nur bei Traumhochzeiten im englischen Königshaus. Aber klar, auch hier geht es um den Kern unser aller Existenz. Was aus uns wird, wird an diesem 1. September entschieden. Alles, was vorher in diesem so genannten Wahlkampf war, ist Makulatur.

Allerdings: Ein richtiges Duell ist das Ganze nicht. Das war früher. Da hat man sich im Morgennebel am Fluss oder um zwölf Uhr mittags zur Musik von Ennio Morricone zwischen Saloon und Telegrafen-Station getroffen. Es war abgemacht, dass nur einer überleben würde. Friedrich Nietzsche hat das so auf den Punkt gebracht: „Das Duell ist der letzte übrig gebliebene, völlig ehrenvolle Weg zum Selbstmord, leider ein Umschweif, und nicht einmal ein ganz sicherer.“

Also werden wir genau zuhören, was sie oder er sagen. Wir werden die Gesten, den Gesichtsausdruck von Angela Merkel und Peer Steinbrück beobachten – und uns am Ende unser Bild machen. Wir sind dann reif zu entscheiden, wen wir als Kanzler/in wollen. Wir machen unsere Kreuze bei der entsprechenden Partei.

Aber Vorsicht, die Sache ist ungewiss. Es könnte auch so laufen, wie es der Dichter Gottlieb Konrad Pfeffel im 18. Jahrhundert in seinem Gedicht „Das Duell“ geschildert hat (bitte berücksichtigen, dass sich damals nur Männer duelliert haben):

Um eine Ziege balgten sich

Zwei Böcke, warm von Herz und Stirne.

Der Kampf war lang und fürchterlich

Zum Glück erschien zuletzt die Dirne

Und rief: Ihr Herren, haltet ein;Weswegen rauft ihr?

„Nur um dich allein!“

„Um mich?

Den Streit kann ich entscheiden.

Ich liebe keinen von euch beiden.“

 

Und was wünschen Sie?

Die Wahlkampfzeit ist immer auch die Zeit der Umfragen: Ich rufe Sie auf, aus fünf tatsächlich vorhandenen Wahlkampfthesen Ihren Favoriten auszuwählen. Rechtzeitig vor der Wahl wird aufgelöst, welche Forderung zu welcher Partei gehört.

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Wahlmüde? Der Politik fehlt Sex-Appeal

Haaaallooo! Aufwachen! Wahl ist bald! Nicht zum ersten Mal frage ich mich, was mit den Menschen los ist. Politischer Meinungsstreit? Fehlanzeige. Das Land scheint sich zu einer Schnarchzapfen-Republik entwickelt zu haben. Die spannendsten Kommentare zur aktuellen Politik kommen von den erklärten Nichtwählern.

Woran liegt das? Vielleicht ja daran, dass Politiker/-innen nicht sexy sind. Das behauptet zumindest ein Dating-Portal, welches sich „Deutschland beliebtestes“ nennt. 5000 seiner Nutzer/-innen hat es nach den Berufen mit dem größten Sex-Appeal gefragt. Das Ergebnis für die Politiker/-innen ist niederschmetternd.

Besonders erotisch sind demnach Uniformträger/-innen. Insbesondere dann, wenn die Männer muskulös und die Arbeitskleidungen der Frauen knapp geschnitten sind.  Wäre demnach Peer Steinbrück von Anfang an in der Gala-Uniform eines Flotillen-Admirals aufgetreten, hätte er schon jetzt mindestens 28 Prozent. Angela Merkel müsste als Krankenschwester zum Gegenangriff übergehen. Denn Männer verehren zu 31 Prozent die helfenden Engel in den kurzen Schürzen. Dicht dahinter liegen Stewardess oder Ärztin. Frauen stehen der Umfrage zufolge vor allem auf Polizisten, Piloten und – endlich ein ziviler Beruf – Barkeeper.

Völlig abgeschlagen auf einem der letzten Plätze rangieren dagegen die Politiker. Für lediglich 0,8 Prozent aller befragten Männer und Frauen haben Politiker und Politikerinnen das gewisse Etwas, bilanziert das Dating-Portal, welches somit Rainer Brüderle und Claudia Roth gleichermaßen als schwer vermittelbar einstuft. Das Sex-Appeal der gewählten Weltenlenker entspricht jenem der Pfarrer/-innen. Es wird nur noch durch Bestatter/-innen, Metzger/-innen und Müllmänner und -frauen unterboten.

Richtig deutlich wird die Pleite der Politik, wenn man sieht, welche Berufe zehn Mal mehr Verehrer/-innen zählen: Bankkaufmann, IT-Experte oder – echt wahr – Sekretär nannten die Frauen. Und für die Männer sind Bankkauffrauen, Verkäuferinnen sowie Architektinnen deutlich heißer als Kristina Schröder.  Die Wahlkampfstrategen sollten all dies bedenken. Für 2013 ist es wohl zu spät. Aber für die Zukunft gilt: Baut Muskeln auf, macht Euch schick, setzt Häubchen auf oder näht Euch ein rotes Kreuz auf den Oberarm. Dann wird das gelingen, worauf wir alle warten: Dass die heiße Wahlkampfphase wirklich heiß wird.

Das mörderische Erbe eines Dummkopfs

George W. Bush: Hätte er doch immer bloß gemalt.

Herr Bush: Hätte er doch immer bloß gemalt.

Warum Barack Obama im Jahr 2009 den Friedensnobelpreis bekommen hat, haben die meisten Menschen schon damals nicht kapiert. Einige gute Reden über die Versöhnung der Kulturen und der Welt als solcher haben seinerzeit genügt. Heute zeigt sich mehr denn je: Man hätte dem  US-Präsidenten diesen Preis besser erspart. Denn es war klar, dass er nicht als neuer Messias in die Geschichte würden eingehen können. Dafür war schon zuviel passiert.

Gerade muss sich Obama am Stichwort „Rote Linie“ abarbeiten. Diese wäre überschritten, sagte er, falls das Assad-Regime in Syrien Giftgas gegen die rebellische Bevölkerung einsetzen würde. Inzwischen sind viele hundert Menschen durch chemische Waffen ums Leben gekommen. Der Präsident steckt nun in jenem Dilemma, das normale Menschen  aus der Erziehung kennen: Leere Drohungen machen die Sache oft nur noch schlimmer. Also bombardieren, einmarschieren, in einem weiteren Krieg mitmischen? Oder zusehen? Es geht es um zig-tausende Menschenleben. Ein irrwitziges Dilemma für den, der hier entscheiden muss. Es sei denn, die Opfer interessieren ihn nicht.

Es wäre also der ideale Job für einen dummen Psychopathen. Und den hatten wir ja. Nämlich George W. Bush, jenen US-Präsidenten, von dem wir zunächst geglaubt hatten, dass er vor allem ein Fall für’s Kabarett wäre. Niemand wäre je auf die Idee gekommen, diesen unter halbseidenen Umständen ins Amt gekommenen „mächtigsten Mann der Welt“ auch nur annähernd mit Intelligenz in Verbindung zu bringen. Er war für uns der Protoyp des US-Bürgers, der auf seiner Ranch Kühen hinterherreitet, Nachbarschaftkonflikte mit dem Gewehr erledigt, aber auf der Landkarte Frankreich nicht von Indien unterscheiden kann.

Möglicherweise hat er im Oktober 2001 in einem Anflug von prophetischer Gabe zur weiteren Regierungsarbeit nach den Terroranschlägen dieses erklärt: “There’s no doubt in my mind, that we will fail.” – “Es gibt in mir keinen Zweifel, dass wir scheitern werden.” Danach hat er einen mit Lügen begründeten Irak-Krieg vom Zaun gebrochen und die komplette Region in Aufruhr versetzt.. Die Politik des Missionars Bush, der den Arabern – angeblich – die Demokratie beibringen wollte, hat Hunderttausenden das Leben gekostet. Und sein Nachfolger kann sich nun überlegen, welcher seiner künftigen Fehler der kleinere sein wird.

George W. Bush wiederum sitzt auf seiner Ranch und malt Bilder von Hundebabys. Schön kindlich-naiv, ganz so, wie wir ihn in unseren fröhlichen Momenten angeschaut haben. Politisch hat er nichts mehr zu melden. Das ist der einzige, winzig kleine Trost. Sein Erbe hingegen ist unterträglich.

Der Hund, der Terrorist des kleinen Mannes

Wenn Politiker/-innen über Videoüberwachung reden, drehen sie geistig-moralisch gerne am ganz großen Rad. Sie reden vom Super-Grundrecht auf Sicherheit und machen uns klar, dass die Welt voller gefährlicher Monster ist. Dass sie durchsetzt ist von fanatischen Islamisten, dumm gesoffenen Neonazis und Billiglöhnern, die sich das Geld für die sechste Dose Bier mit Gewalt von ahnungslosen Passanten holen. Allesamt zerstörerische Wesen, die nur eines nicht mögen: gefilmt werden.

Abgehoben ist die Debatte, dreht sie sich doch immer um extreme Fälle. Welche/r Normalbürger/in hat sich schon jemals mit einem Salafisten geprügelt? Seien wir ehrlich: Die wahren Feinde unseres unversehrten Wohlbefindens sind, wie auf jeder Bürgerversammlung zu hören ist, Tiere mit vier Beinen oder Flügeln. Der Terrorist des kleinen Mannes bellt.

Somit ist es der Ver­waltung von Montereau-Fault-Yonne bei Paris zu verdanken, dass sie das Thema Videoüberwachung in die Mitte der Lebenswirklichkeit der Menschen holt. Im Kampf gegen Hundekot nehmen die dortigen 60 Überwachungskameras gezielt kackende Hunde ins Visier. Mit Hilfe der Bilder sollen Hundehalter, die den Kot ihrer Lieblinge einfach liegen lassen, entlarvt und verwarnt werden. Beim zweiten Vergehen werden 35 Euro Buße fällig. Und irgendwann werden – das ist meine Vermutung – Herrchen oder Frauchen im Tierheim eingesperrt.

Bei diesem Schritt darf es aber nicht bleiben. Auch herrenlose Tiere gehören überwacht. Oder sollen die Wespen unbeirrt weiterschwirren? Sollen Mäuse unbehelligt durch die Stadt rennen dürfen? Was ist mit den Tauben, den Ratten der Lüfte? Und müssten nicht auch die Wildschweine verfolgt werden, durch Nachtsicht-Geräte für die Vorstädte? Da staunt er dann, der liebestolle Keiler.

Jawohl, wir räumen auf. Was stört, wird gefilmt und weggemacht. Und für die Billiglöhner bringt das einen Minijob obendrauf. Nur eine Frage bleibt für die Ruhebedürftigen noch offen: Was, bitteschön, machen wir mit den Radfahrern?

 

 

 

Unser Wachstum wächst verkehrt

Sauber haben wir die Kurve gekriegt: Es gibt wieder Wachstum in Europa! 0,3 Prozent! Ist demnach die Eurokrise dabei, ähnlich geräuschlos zu verschwinden, wie seinerzeit der Rinderwahnsinn? Geht es endlich wieder aufwärts? Bekommen wir blühende Landschaften von Lissabon bis Mykonos?

Interessierte Kreise haben natürlich sofort den Verdacht gestreut, Angela Merkel habe die neuesten Zahlen für die Eurozone als Wahlkampfhilfe angefordert. Lassen sie sich doch so lesen, als haben die harte Hand unserer Kanzlerin die Wirtschaft unseres Kontinents wieder auf Kurs gebracht. Das ist schwer zu glauben, denn so glänzend sind die Zahlen und Perspektiven auch wieder nicht. Andererseits leben wir auch nicht in Zeiten der unbestechlichen Wissenschaft. Wer einem Universitäts-Professor eine Studie finanziert, darf auf ein Ergebnis seiner Wahl zumindest hoffen.

Mit den Zuwachsraten ist das ohnehin so eine Sache. Manche Sparbriefe früher waren wie Gelbwurst in der Landmetzgerei. Es galt das Motto „Derf’s a bissala mehr sei?“. Ja, acht Prozent pro Jahr, komplett risikofrei, hat es mal gegeben. Zwar war die Inflationsrate höher als heute, doch es war gut für’s Lebensgefühl, wenn sich Geldbeträge sichtbar vermehrt haben. Das ist vorbei, vermutlich auf ewig.

Die Sehnsucht nach Wachstum hat aber auch irrationale Züge. Ist es überhaupt gut, wenn das Bruttosozialprodukt nach oben schießt? Die Antwort lautet, wie so oft im Leben: „Es kommt darauf an.“ Denn es gibt Wachstum, dass wir besser nicht haben. Wenn die Menschen rauchen oder immer dicker werden und deshalb öfter zum Arzt gehen und immer mehr Tabletten fressen, steigert das die Wirtschaftsleistung. Wenn Strom und Benzin teurer werden, passiert das auch. Wenn zehn dicke SUV’s verkauft werden, ist das gut für’s Bruttosozialprodukt, macht aber das Leben nur für wenige Menschen schöner.

So ganz wird man den Eindruck nicht los, dass das Wachstum an der falschen Stelle wächst. Sechs Prozent Inflation bei Lebensmitteln, Preiserhöhungen im Nahverkehr, immer mehr schlecht bezahlte Jobs. Wenn man dagegen hält, dass am Ende – alles in allem – 0,3 Prozent Plus herauskommt, dann ist für die große Masse wenig bis nichts erreicht. Aber wir haben es ja so gewählt/gewollt.

 

 

Seehofer, Guardiola und die Pkw-Maut

Also sprach der  große Vorsitzende Horst Seehofer: Er werde einen neuen Koalitionsvertrag nur dann unterschreiben, wenn darin die Pkw-Maut für Ausländer enthalten sei. Ist das nun mehr als eine Stammtisch-Parole? Denken wir mal nach.

Interessant ist zunächst, dass der CSU-Chef an mehreren Stellen seines Interviews in der Bild am Sonntag so redet, als sei die Bundestagswahl entschieden. Der Gedanke, dass seine Unterschrift auf dem künftigen rot-grünen Regierungsfahrplan gar nicht gebraucht werden könnte, kommt in seinem Denken offenbar überhaupt nicht vor. Es scheint, dass die Wahl für ihn als gewonnen abgehakt ist.

Aber stellen wir die entscheidende Frage: Müsste Pep Guardiola Autobahn-Maut zahlen, wenn er Uli Hoeneß zum Steuerflüchtlings-Seminar im Hause Beckenbauer nach Kitzbühel fahren sollte? Eher nein, denn er ist kein Ausländer. Nach EU-Recht gelten Staatsangehörige als Inländer. Also werden Portugiesen genauso wenig Pkw-Maut zahlen wie Österreicher oder Bulgaren. Blechen müssten allerdings stinkreiche Leute, nämlich die Schweizer, Russen und Chinesen. Auch Papst Franziskus müsste sich die Vignette auf sein Papamobil kleben lassen.

Es lauern aber noch mehr Probleme: Ist die Pkw-Maut an den Ort der Zulassung gebunden? Wird sie also für Autos mit deutschen Kennzeichen auch dann nicht erhoben, wenn ein Brasilianer am Steuer sitzen sollte? Was, andererseits, ist mit neuen deutschen Staatsbürgern, die ihre Verwandten auf der Heimreise mit einem türkischen Wagen zum Familientreffen nach Deutschland fahren? Die Sache wird derart kompliziert, dass ein gerechtes Gebühreneinzugssystem selbst von Siemens und SAP gemeinsam kaum programmiert werden könnte.

Die Sache ist somit ein Rohrkrepierer. Aber das ist Horst Seehofer und seinen Parteistrategen egal. Sie bauen darauf, dass sich nach dem Kirchgang in Mausgesees folgende Stammtischrede entwickelt:

„Des mid därrer Maud bassd scho. Mir hamm doch die andern Völger erschd zeichd, wäi mer Audobahner baud. Und die Schbageddifresser hulnsi unser Geld doch scho lang. Na, a su a Maud mou scho sei. Und där Horsd schaud, dass mir nix zohln müssen, sondern blouß die andern. Goud, dassmer unser CSU hamm.“ Ich glaube, auf unserem Bierdeckel können wir das so unterschreiben…

 

 

 

 

 

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer „Schicksalswahl“. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan „Frisches aus dem Knoblauchsland“. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, „der Wort hält“. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug „Wort“ in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen „Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt“? Und Sportfans mit dem Slogan „Der Politiker, der den Fuß ballt“?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort „sozial“ erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu „Nicht käuflich, nur wählbar“. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.

 

Die Revolution im Gemüse-Staat

Ganz sicher: Ein lachendes Hacksteak will keiner.

Ganz sicher: Ein lachendes Hacksteak will keiner.

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft. Dieser Spruch gehört nicht nur zu den absoluten Klassikern der deutschen Werbeslogans. In ihm steckt auch für die meisten von uns eine tiefe Wahrheit. Ohne Essen vom Tier, so unsere Überzeugung, werden wir dünn, schwach und schrullig. Somit ist unser Feind, wer uns diesen Genuss wegnehmen will.

Das erfahren gerade die Grünen. Sie hatten im Wahlkampf erklärt, dass es gut wäre, wenn es in Kantinen ein Mal pro Woche einen Tag mit ausschließlich vegetarischem Essen gäbe. Die Bild-Zeitung, die ihrer Lieblingskanzlerin zuliebe jeden vermeintlichen oder tatsächlichen Fehltritt der Opposition mit großen Buchstaben anprangert, hatte ihr Fressen gefunden. „Die Grünen wollen uns unser Fleisch wegnehmen“, lautete der Aufschrei.

So groß ist die Empörung, dass man sicher davon ausgehen kann, dass einzig eine von oben verordnete Zwangs-Vegetarisierung in diesem Land für eine blutige Revolution sorgen könnte. Das schafft nicht einmal das Steuerrecht.

Unser Fleisch, unser Genuss: Was für ein Quatsch. Es zeigt sich ja, dass wir tierische Nahrung zwar für wichtig halten, dass wir aber streng darauf achten, dass dieses Essen nicht nach Tier aussieht. Ein Hamburger hat mit einem Rind ungefähr so viel gemein wie eine Diskusscheibe mit einem Hubschrauber. Ein Schweineschnitzel ist von einem panierten Putzlappen optisch kaum zu unterscheiden.

Wir wollen Steak oder Muskeln. Ein Menü, das Nase oder Ohren hat, ist undenkbar. Frischen Fisch mit offenen Augen lassen wir stehen, während uns das viereckige Fischstäbchen suggeriert, dass das mit dem Leerfischen der Ozeane vielleicht doch nicht so schlimm ist.

Das ist verkehrt, und Vegetarier leben sogar länger. Aber falls wir uns umstellen – was wird aus unserer geliebten Currywurst? Mein Vorschlag: Nehmen wir eine Extraportion Pommes dazu. Das kompensiert.

 

 

 

 

 

 

 

Ausbeuter kommen in den Himmel

Es ist wieder an der Zeit für eine theologische Betrachtung. Eigentlich scheint die Sache klar zu sein: Wer nur Geld zusammenrafft und andere ausnimmt oder sie gar nach Strich und Faden betrügt, muss in Satans Sauna schmoren. Ich habe über diese These nachgedacht – und massive Zweifel bekommen.

Der neue Papst, Franziskus, sensibilisiert uns gerade für das Thema Armut und Gerechtigkeit. Er trägt ausschließlich seine reinweiße Kutte, wohnt auf vergleichsweise erbärmlichem Niveau (Referenz: Vorgänger, Fürsten und Könige) und hat von seinem Papa-Mobil das Glasdach abschrauben und vielleicht an die Ludolfs verscherbeln lassen. Arm wünscht er sich seine Kirche. Die Masse jubelt ihm zu. Weil keiner dran denkt, wer zum Beispiel in Zukunft die Unterhaltskosten für das Nürnberger Männleinlaufen tragen soll.

Es naht demnach das Ende von Aravatia, dem Hauptlaster der Habgier. Wer ihm verfallen ist, kann zum Todsünder werden und muss auf dem Weg ins Paradies mindestens eine Ehrenrunde drehen. Ehe er – möglicherweise mit irreparablen Brandverletzungen – auf Wolke 14 die Schalmei spielen darf. Man kann auch mit prämortaler Unzucht nach unten rauschen, aber das dürfte angesichts des heutigen Altersdurchschnitts der Bevölkerung der seltenere Fall sein.

Aber kann ein Ausbeuter tatsächlich nicht zum Engel werden? Sehen wir es doch mal so: Wer andere, zum Beispiel als Arbeitgeber, so mies bezahlt, dass sie kaum über die Runden kommen, sorgt dafür, dass sie zu den Seligen gehören. Er hilft Menschen, ihre Habgier zu überwinden. Hartz-IV-Aufstocker sind dem Papst – und somit wahrscheinlich auch dem Herrn – ein Wohlgefallen. Sie tun der Spitze der Großabteilung Seelenheil so richtig gut.

Wir folgern: Wer ganz privat seiner Habgier frönt, kann als Todsünder bestraft werden. Wer aber auf Kosten anderer reich wird, tut Gotteswerk. Versprechen wir uns also nicht zu viel vom Paradies. Die Begrüßungsformel „Guten Morgen, Herr Abteilungsleiter“ kann es auf dort geben. Amen!