Wir warten auf DAS DUELL

Seit Wochen wabert der Wahlkampf durch unser Leben. So recht will uns die ganze Sache nicht begeistern. Aber nun schlägt die Stunde der Entscheidung, es gibt die Mutter aller Schlachten. Deutschland erlebt „D A S   D U E L L“.

Welch Ereignis! Identische Themen auf vier Sendern gleichzeitig erlebt man sonst nur bei Traumhochzeiten im englischen Königshaus. Aber klar, auch hier geht es um den Kern unser aller Existenz. Was aus uns wird, wird an diesem 1. September entschieden. Alles, was vorher in diesem so genannten Wahlkampf war, ist Makulatur.

Allerdings: Ein richtiges Duell ist das Ganze nicht. Das war früher. Da hat man sich im Morgennebel am Fluss oder um zwölf Uhr mittags zur Musik von Ennio Morricone zwischen Saloon und Telegrafen-Station getroffen. Es war abgemacht, dass nur einer überleben würde. Friedrich Nietzsche hat das so auf den Punkt gebracht: „Das Duell ist der letzte übrig gebliebene, völlig ehrenvolle Weg zum Selbstmord, leider ein Umschweif, und nicht einmal ein ganz sicherer.“

Also werden wir genau zuhören, was sie oder er sagen. Wir werden die Gesten, den Gesichtsausdruck von Angela Merkel und Peer Steinbrück beobachten – und uns am Ende unser Bild machen. Wir sind dann reif zu entscheiden, wen wir als Kanzler/in wollen. Wir machen unsere Kreuze bei der entsprechenden Partei.

Aber Vorsicht, die Sache ist ungewiss. Es könnte auch so laufen, wie es der Dichter Gottlieb Konrad Pfeffel im 18. Jahrhundert in seinem Gedicht „Das Duell“ geschildert hat (bitte berücksichtigen, dass sich damals nur Männer duelliert haben):

Um eine Ziege balgten sich

Zwei Böcke, warm von Herz und Stirne.

Der Kampf war lang und fürchterlich

Zum Glück erschien zuletzt die Dirne

Und rief: Ihr Herren, haltet ein;Weswegen rauft ihr?

„Nur um dich allein!“

„Um mich?

Den Streit kann ich entscheiden.

Ich liebe keinen von euch beiden.“