Telefon: Die Doktorarbeit im Beipackzettel

Was ist Humor? Doch vor allem, wenn das, was man von jemand erlebt, nicht mit den Erwartungen übereinstimmt. Würde bekannt, dass Uli Hoeneß Steuern zahlt, wäre das doch zum Wiehern. Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben nun eine richtig kuriose Erkenntnis hervorgebracht: Die Kundenkommunikation von Telekommunikationsunternehmen ist besonders unverständlich.

Glauben mögen wir das nicht. In den Werbespots der Telefonanbieter sieht man doch nur glückliche Menschen. Jung und schick sind sie, tippen tanzend auf ihre Smartphone-Tastaturen. Und wenn sie mal älter sind, sind sie an der Grenze zu sympathisch doof. Aber auch die Musik, die heute  für Handy-Läden wie für Hitparaden gleichermaßen komponiert zu sein scheint, vermittelt uns diese Botschaft: Nimm uns – und dein Leben wird leicht und leichter.

Eben nicht.Wie die Forscher herausgefunden haben, verfehlen die von ihnen untersuchten Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) für Mobilfunk sowie die „häufig gestellte Fragen“ (FAQs) zum Thema Festnetzportierung, der Mitnahme der Telefonnummer, die Zielwerte für verständliche Kommunikation teilweise sehr deutlich. Einige von ihnen befinden sich auf dem sprachlichen Schwierigkeits-Niveau einer Doktorarbeit.

Die Kommunikationsexperten nennen ein Negativ-Beispiel aus einer Allgemeinen Geschäftsbedingung (AGB) eines Mobilfunkanbieters: „Macht der Kunde von seinem Widerrufsrecht im Hinblick auf die Lieferung von Waren Gebrauch, so hat er die Kosten für die Rücksendung zu tragen, wenn die gelieferte Ware der bestellten entspricht und wenn der Preis der zurückzusendenden Sache einen Betrag von 40 Euro nicht übersteigt oder wenn der Kunde bei einem höheren Preis der Sache zum Zeitpunkt des Widerrufs noch nicht die Gegenleistung oder eine vertraglich vereinbarte Teilzahlung erbracht hat.“ Hinzu kommen Monster-Wörter wie „Verzichtserklärungs-Assistent“ oder „Festnetz-Rufnummernmitnahme“ sowie Anglizismen wie „Simple Service Discovery Protocol“. Davon haben wir bekanntlich schon als Kind geträumt.

Aber woran liegt es? Ein Grund könnte sein, dass die Beipackzettel der Telekommunikationsprodukte von Chinesen geschrieben werden, die sich dabei auf Übersetzungsprogramme stützen. Oder – und das ist die wahrscheinlichere Variante – die Produkte und Preise sind einfach so mittelmäßig bis schlecht, dass man sprachliche Nebelkerzen zünden muss. Man kennt das auch aus der Politik. Hier ist es Konzernpolitik. Und wer diese  wählt, ist selber schuld.