Das große Finale für Angela Merkel

Am 1. Juni rollt es nochmal so richtig, das runde Leder. Auf zahllosen Sofas werden die Menschen verfolgen, ob der FC Bayern München Geschichte schreibt, indem er das Gleiche schafft wie die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg: In einer Saison Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal zu gewinnen. Doch nach dem Abpfiff ist definitiv Schluss mit lustig. Dann wird es ernst für Angela Merkel. Denn dann schlägt die Stunde der Politik.

Schon unpraktisch, wenn in einem unrunden Jahr wie 2013 gewählt wird. Keine glanzvolle Fußball-WM oder -EM, kein deutscher Dreifach-Triumph beim olympischen Kanufahren, kein Dressurreiten zu „Glorious“. Neue Superstars und Top-Models sind schon gefunden, nur ein paar Bauern suchen noch eine Frau. Die Menschen, die sich zuletzt vor lauter Fußball so gar nicht über versemmelte Drohnen-Millionen, über die schleichende Enteignung durch Mini-Zinsen oder über das ungebremste Morden in Syrien aufregen konnten, sind jetzt nicht mehr abgelenkt. Sie können sich voll auf die Leistungen der Politik konzentrieren. Und werden vielleicht feststellen: Ähem, da ist ja gar nichts.

Gut, die Bild-Zeitung wird sich alle Mühe geben, damit Angela Merkel weiterhin weitgehend verdeckt operieren kann. Es werden sich schon ein paar unglückliche Promis für eine Schmerzensgeschichte finden lassen. Mit dem heutigen Aufmacher über einen „Malerfürsten“, der bei Rot über die Ampel gegangen und der Polizei in die Arme gelaufen ist, wurde der Doofheits-Level schon mal nach unten ausgelotet. Weiterer Krampf wird folgen. Wenn es sein muss, täglich.

Wenn all das nichts hilft, wenn sich kein Promi-Paar in Scheidung und Rosenkrieg stürzt, heißt es: Ring frei! Zu einem bislang ungleichen Kampf, bei dem – um im Fußball zu bleiben – Angela Merkel wie Jogi Löw und Peer Steinbrück wie Werner Lorant gewirkt hat.

Aber das kann sich ändern. Denn Geschichte wird immer wieder neu geschrieben. Warum eigentlich bloß durch Bayern München?