Uli Hoeneß, der Dagobert vom anderen Stern

Es geht um ein „unvorstellbares Vermögen“. Die Nachricht ist aber sehr wohl vorstellbar. Uli Hoeneß, größter deutscher Fußballpräsident aller Zeiten, soll mehrere hundert Millionen Euro am Finanzamt vorbei in die Schweiz geschafft haben. Nun ist von Rücktritt die Rede. Was wiederum ziemlich unvorstellbar ist.

Man kann doch verstehen, dass dieser Mann im Geld nur so schwimmt. Schließlich steht er für zwei Produkte von Weltrang. Seine Mannschaft, der FC Bayern München, spielt gerade „Fußball vom anderen Stern“. Der Verein gilt als wirtschaftlich unvorstellbar gut gestellt. Wo sich andere Clubs wegen 20-jähriger Kurzpass-Götter in irrwitzige Schulden stürzen, zahlt ein Uli Hoeneß vom Festgeldkonto. 40 Millionen im Geldkoffer, mit einem kurzen Handschlag in einer VIP-Lounge überreicht? Kein Problem.

Auch sein zweites Projekt ist ein Welterfolg: die Rostbratwurst. Millionenfach verlässt sie die Hoeneß-Fabrik am Nürnberger Kanalhafen. Dank Bayern-Uli darf dieses in Schafsdarm gepresste Produkt als „Fast Food vom anderen Stern“ bezeichnet werden. Eine ganze Stadt, ja eine Region profitiert von seiner Geschäftstüchtigkeit.

Ein Mann schenkt der Welt Tore und Wurst auf höchstem Niveau. Kann ein solcher Held tatsächlich in eine biedere Neid-Debatte verwickelt werden? Nein. Gerade die Fußballbranche kennt das nicht. Es ist das Spiel, für das auch arme Schlucker viel Geld übrig haben. Und dessen Hauptdarsteller bejubelt werden, selbst wenn sie noch mehr Geld verdienen als viele der für ihre Gier gescholtenen Manager.

Uli Hoeneß wird seinen Steuerskandal also überstehen. Wobei es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder er bleibt Präsident des FC Bayern München, äußert in zahllosen Talkshows seine Reue und wird allenfalls von Franz Beckenbauer wegen seiner Selbstanzeige verhöhnt. Oder er kehrt Deutschland verbittert den Rücken und folgt seinem Geld in die Schweiz. Wo er den noch größeren Gauner, Fifa-Boss Sepp Blatter beerbt und dafür sorgt, dass die Fußball-WM 2028 auf den Cayman-Inseln stattfindet.

Stolz kann er schon jetzt sein. Er ist wieder mal ganz oben angekommen. Diesmal in der Champions League der Steuersünder.