Unruhen? Wundern muss sich niemand

Revolution, Umsturz, Chaos: Böse Worte machen zurzeit in Europa die Runde. Vor allem in den südlichen Ländern der Eurozone steige die Gefahr von Unruhen, heißt es. Tja, warum eigentlich nicht?

Schließlich zeigt sich, dass für die Zukunft Europas ein wichtiges „Geschäftsmodell“ fehlt. Nämlich für die Frage, wie die junge Generation sinnvoll beschäftigt werden kann. In Frankreich ist jede(r) Vierte zwischen 18 und 24 Jahren arbeitslos. In Italien jede(r) Dritte, in Spanien und Griechenland inzwischen mehr als jede(r) Zweite. „Null Bock“ war im letzten Jahrtausend die Chiffre für eine Generation, die keine Lust hatte, die Zukunft nach Art ihrer Eltern und Großeltern zu gestalten. Heute steht dieser Begriff für das verkorkste Verhältnis von Staaten und Wirtschaft gegenüber jungen Leuten.

Warum eigentlich sollten die Betroffenen die derzeitige Lage akzeptieren? Warum sollten sich Menschen mit Hochschulabschluss damit abfinden, dass sie auf Arbeitssuche in ein anderes Land gehen, um dort eine lustige Pappmütze aufzusetzen und Hamburger in die Mikrowelle zu schieben? Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, dass man für die freie Stelle an einer Discounter-Kasse 800 Mitbewerber(innen) hat? Kann es wirklich trösten, dass zumindest das Wetter gut ist, wenn man sich bei Billigwein aus der Zwei-Liter-Flasche mit Freunden auf dem Marktplatz trifft? Weil das Geld für höherwertiges Vergnügen fehlt? Und wie ist das Wohngefühl eines Menschen, der mit 40 ein Jugendzimmer voller Spanplattenmöbel sein kleines Reich nennen darf?

In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit relativ gering. Aber auch hier ist eine „Generation Altersarmut“ auf dem Weg. Eine schleichende Enteignung durch Mini-Lohnabschlüsse und winzige Habenzinsen finden seit Jahren statt.

Dafür sind die Banken und das ihnen anvertraute Kapital – bei uns wie anderswo – immer noch der überragende Maßstab. Aber: Für wen wollen diese Geldinstitute in Zukunft arbeiten? Erwarten sie 20 Prozent Umsatzrendite dank des Ersparten aus leeren Taschen?

Es wäre gut, wenn die Wirtschaft begriffe, dass sie sich selbst schadet, wenn sie die Jugend ignoriert. Und die Politik? Sie ist zum Wandel fähig. Aber erst dann, wenn akut der Machtverlust droht. Nun denn…