Ganz sicher: Franziskus wird der neue Obama

Machen wir nicht lange herum, sondern halten wir fest: Der neue Papst Franziskus wird den Friedensnobelpreis bekommen. Unter Garantie. Es geht nicht anders.

Der Mann hat bis hierhin einfach alles richtig gemacht. Hat kritisiert, dass sich die katholische Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Hat seinen Priestern empfohlen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Hat ein behindertes Kind an sich gedrückt und sogar Frauenfüße gewaschen und geküsst. Lauter gute Signale, die ihn wunderbar von seinem verknöcherten Vorgänger Papa Ratzinger abheben. Die Menschen sind entzückt, bislang als weltlich eingeschätzte Medien konkurrieren in Sachen Nachrichtenfülle und Verbalverneigung mit den frommsten Bistumsblättern.

So etwas Ähnliches gab es schon mal. Der Vorgänger hieß Tschortsch Dabbeljuh, der damals neue Mann Barack Obama. Ein paar gute Reden genügten, um ihn zum globalen Friedensengel zu ernennen. Was dann an Politik gekommen ist, war ziemlich oft etwas anderes.

Dem neuen Super-Papst wird es kaum anders gehen. Gut gewachsene Machtstrukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Gemaule eines frisch gewählten Chefs für eine gewisse Zeit kommentarlos ertragen. Das macht populär, zeigt Offenheit.

Sobald sich der Neuling ausgetobt hat, beginnt Phase 2, das so genannte „Einnorden“. Er wird mit – vorzugsweise bürokratischen – Alltagsarbeiten derart zugemüllt, dass er nach kurzer Zeit feststellt, dass es keinen Sinn hat, zu viele Baustellen aufzumachen. Am Ende sagt und tut er fast das Gleiche wie sein Vorgänger. Den Unterschied macht vor allem das Image.

Sie finden das schlimm? Stimmt nicht, es ist normal. Zumal es eh so eine Sache ist, mit den Wegen des Herrn und seiner Diener. So hat der wichtige serbisch-orthodoxe Bischof Amfilohije am Osterwochenende den „Eroberungstrieb“ der europäischen Länder und der Nato angeprangert. Die EU wolle den Kosovo beherrschen und setzte damit die Tradition der Kreuzzüge und die „Tyrannei der Osmanen“ fort. Bevor er an die Schandtaten unter Sultan Murat erinnerte, hatte der Bischof Gott angerufen, damit die Nato aufgelöst wird.

Doch Gott ist nicht Gysi. Er ist auch, was das Treiben seiner angeblichen Stellvertreter auf Erden angeht, nicht gerade als entschiedener Reformer bekannt. Ihm scheint das eher egal zu sein. Also: Lasst Franziskus ruhig ein bisschen anders sein und lobpreist ihn dafür.

Das fühlt sich gut an. Denn dass es der Fortschritt seltenst rennt, ist uns sowieso klar. Oder nicht?