Ein schwarzer Sheriff für Til Schweiger

In seinem ersten „Tatort“ hat sich Til Schweiger als ziemlicher Superheld präsentiert. In der Schlussszene wurde Kommissar Tschiller zwar nicht von stolzen Astronauten, sondern von geschändeten Zwangsprostituierten flankiert, aber es hatte was von „Armageddon“ und Bruce Willis. Doch auch Helden brauchen Hilfe.

Da hat doch eine Gruppe namens „Tatortverunreiniger_innen“ Farbflaschen gegen das Hamburger Wohnhaus Schweigers geworfen und den Kleinwagen dessen Freundin Svenja Holtmann in Brand gesetzt.

Eine hirnlose Sachbeschädigung? Könnte man meinen. Doch in diesem Fall geht es um mehr. Das meint zumindest der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen. Der 71-Jährige sieht die Freiheit der Kunst in Gefahr, weshalb er folgende Erklärung abgesetzt hat: „Die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion verurteilt den Anschlag auf das Haus von Til Schweiger mit Entschiedenheit. Wir verstehen ihn als Anschlag auf die Freiheit der Künstler und damit auf die Freiheit der Kunst in unserem Lande. Dies können wir, nicht zuletzt mit Blick auf die Geschichte unseres Landes, unter keinen Umständen dulden. Mit dieser feigen Tat soll ein Klima der Angst und Einschüchterung bei Kreativen und Künstlern erzeugt werden.“

Nun ist Wolfgang Börnsen bislang nicht so oft durch Originalität aufgefallen. Immerhin: Als der Ego-Shooter „Crysis 2“ beim Deutschen Computerspielpreis 2012 als bestes deutsches Produkt ausgezeichnet wurde, sprang er empört in die Bresche. Killerspiele dürften keinesfalls prämiert werden, tobte der CDU-Mann, musste sich aber sogar von eigenen Leuten sagen lassen, dass dieses Spiel neben vorzüglicher Technik auch inhaltliche Qualität böte.

Im konkreten Fall ist das aber sowieso ein Nebenkriegsschauplatz. Denn grundsätzlich ist jede Sachbeschädigung ein Angriff auf die Freiheit eines anderen. Man hat ja als Opfer mindestens Scherereien, im schlechten Fall zahlt man drauf. Die wahre Bedeutung der Tat ergibt sich aber offenbar daraus, was einer sonst im Leben macht. sollte also irgendein Wicht „ACAB“ an unsere Hauswand sprühen, betrachte ich das als Journalist fürderhin als Anschlag auf die Pressefreiheit. Und sollte mir jemand einen Autoreifen zerstechen, werde ich das als aktiver Gewerkschafter als unerhörten Anschlag auf die Tarifautonomie und damit auf die Grundfesten unserer Demokratie anprangern.

Somit bleibt fürs Erste nur eine Frage offen: Würde sich ein Bruce Willis von einem wie Wolfgang Börnsen helfen lassen? Von einem leicht verwirrten Schwarzen? Niemals nicht, sagt unser erster Denkreflex. Aber wer hat denn wirklich an ihn geglaubt, damals bei „Stirb langsam“? War das nicht ein lustiger Schw…. ? Ich glaub‘, ich fang‘ hier nochmal an.