Brigitte und die "Teutsche Frau"

„Sie trägt ihr glattes Haar nach hinten gekämmt, die Wangenknochen sind mit Rouge betont, die Fingernägel braun lackiert. Das Sommerkleid hat sie mit olivgrünen Gummistiefeln kombiniert. Wir sehen die Angeklagte und fragen uns: Sieht so eine Mörderin aus? Alle im Gerichtssaal sind verstört über diese Frau. Hat sie deshalb so viel Böses getan, weil ihr Schrei nach Liebe nie gehört wurde?“

So könnte sie zu lesen sein, die Berichterstattung vom Prozess gegen die Nazi-Braut Beate Zschäpe. Denn unter den Medien, denen das Los einen Platz im NSU-Prozess beschert hat, ist die Frauenzeitschrift „Brigitte“. Klar, auch dieses Blatt bringt gute Texte, aber Mord und Terror ist dort nicht gerade nahe liegend. Wir sind also gespannt, wie das Geschehen verarbeitet wird. Wir rechnen mit psychologischem Tiefgang und mit einem Sonderheft, in dem das Thema „Frauen, Vorurteile und Gewalt“ von verschiedenen Seiten beleuchtet werden wird.

Es hätte schlimmer kommen können. Nehmen wir bloß einmal an, dass das Los auf das Magazin „Die Teutsche Frau“ gefallen wäre. Diese böte uns eine wunderbare Liebesgeschichte mit dem Titel „Die Glatze in meinem Bett“. Mit dem Psychotest „Finden mich Nazis sexy?“. Mit Kochrezepten zum Thema „Deutsches Essen für jede Gelegenheit“, mit der verzweifelten Schilderung einer Bulimiekranken „Wenn ich Weißkraut sehe, muss ich kotzen“ und mit dem Diätplan „Rank und schlank mit Königsberger Klopsen“. Zur Abrundung gibt es die Tiergeschichte „Der Hunde-Führer: Bei mir macht Dackel Adolf Männchen“, die Fotostrecke „Stil-Ikone Eva Braun“ und die Reisereportage „In Uniform auf dem Reichsparteitagsgelände“.

Dieser Kelch geht an uns vorüber. Gottseidank. Vielfältiger Ärger aber bleibt. Auch deshalb, weil man sich fragt, warum ausgerechnet die Bild-Zeitung Glück haben musste. Und nicht Zeit, Süddeutsche oder taz. Wie das bloß wieder geklappt hat. Zufall? Echt?

Wirklich glauben mögen wir das nicht. Also bitten wir: Das Oberlandesgericht möge gnädig sein und eine Simultan-Übertragung des Prozesses in einen Extra-Raum zulassen. Nur dann wird der Ärger vorbei sein. Dann ist uns sogar die Landlust willkommen.