Der Osterhase schreit vor Glück

Ach ja, früher war alles besser. Selbst der Osterhase hatte es leichter. Er packte sein ergonomisch geformtes Weidenrutenkörbchen, schnallte es auf den Rücken, stellte die Löffel nach oben und hoppelte los. Heute kommt der Eierlieferant anders daher, nämlich als Fahrer eines DHL-Transporters. Denn die Geschenkeflut wächst.

Sperriger sind die Gaben auf jeden Fall geworden. Die Osternester von heute sind bevorzugt eckig. Es gibt Smartphones, Büchertaschen oder großformatige Legosteine. An den eigentlichen Anlass erinnern – wenngleich ausschließlich sprachlich – die iPads und die weiteren Segnungen deren Herstellers. Für den Einzelhandel ist das natürlich eine Freude. Er jubelt über das zweitbeste Geschäft nach Weihnachten.

Das nimmt dem österlichen Suchspiel allerdings die Lässigkeit. Früher stand allenfalls die treu waltende Hausfrau Ängste aus. Nämlich, dass nicht gefundene Eier oder Schokolämmer vor dem Auffinden zerbrechen, verfaulen oder unkontrolliert schmelzen könnten. So dass sich neben den Sessel- und Sofaritzen grässliche Flecken bilden könnten. Auch braune Fladen auf dem Teppichboden waren gefürchtet. Beim Wert der heutigen Geschenke geht allzu listiges Verstecken natürlich nicht mehr. Wer legt schon einen Kindle so in den Weg, dass Ur-Opa auf dem Weg zur Toilette drauflatscht?

Man könnte nun trefflich darüber philosophieren, ob die steigenden Ausgaben für Ostergeschenke ein Indiz für wachsende Liebe unter den Menschen ist. Oder eine Möglichkeit, zwischenmenschliche Ratlosigkeit zu kaschieren. Doch lassen wir das, freuen wir uns lieber mit dem Einzelhandel, dass sich zwischen Valentins- und Muttertag ein fester Ankerplatz für überschüssige Devisen etabliert hat. Und schenken wir in dem guten Bewusstsein, dass es in diesen Eurokrisen-Zeiten eh das Beste ist, die Kohle rauszuhauen.

Der moderne Oster-Mensch prasst. Lustiger war die exzessive Eiersuche aber trotzdem. Mein Appell ist deshalb klar: Hoppelt mal wieder! Oder schreit vor Glück1