Wenn die Bank beim Schrumpfen blutet…

„Wenn es dir gut geht, mach dir keine Sorgen. Die nächste Krise kommt bestimmt.“ Angesichts dieses Sprichwortes sagen wir mit allem Nachdruck: Danke lieber Volksmund. Denn das ist selbstverständlich die Wahrheit. Der Euro schien längst sicher zu sein, da tauchte sie auf aus dem Nebel der Märkte: Zypern, die Insel des Grauens. Und mit dem neuen Stresstest schlägt wieder die Stunde der bürokratischen Sprachpanscher. Denn kapieren soll das Ganze lieber keiner.

Es ist ein Zeichen heutiger Krisen, dass man uns mit Begriffen zumüllt, die uns sofort signalisieren, dass unser Wissen und wohl auch unser Gehirn zu klein sind, um mit einer Angela Merkel geistig mitzuhalten. Die Frage, wie die EZB den ESF nutzt, um der EU zu helfen, überfordert uns schon. Aber geschenkt. Wir erfahren ja viel Schlimmeres. Etwa, dass auf eine „erzwungene Banken-Schrumpfung“ ein „langer Wirtschaftseinbruch“ folgt. Und wenn schon „revidiertes Hilfspaket“, dann wenigstens mit „gerechter Lastenverteilung“.

Klar, dass dann der „Rücktrittsdruck“ steigt und dass das Schicksal eines Landes „auf Messers Schneide“ steht. Anleger müssen „bluten“, weil der Zu- und Abfluss ausländischer Kohle in den Geldwäschereien zu unkontrolliert argelaufen ist und weil deshalb das „Geschäftsmodell“ der „Finanz-Oase“ kaputt ist. Blut fließt bis zu dem Zeitpunkt, an dem dieses Zypern seine „volle Schuldentragfähigkeit“ wieder erreicht hat.

Denn, auch das lehren uns die Experten: „Wenn dadurch der Schulden­stand des Landes explodieren sollte, wäre auf lange Sicht keine Gesun­dung möglich.“ Und an dieser Stelle würde ich intellektuell endgültig aussteigen. Weil ich meine, dass eine Explosion zwar eine Verwüstung hinterlässt, dass aber das Problem nach dem großen Knall nicht mehr da ist. Man könnte es Insolvenz nennen. Ich steige aber nicht aus – weil ich vor lauter Krisengipfel-Sprachschaum gar nicht ins Thema eingestiegen bin. Ich schaue lieber „Schwiegermutter gesucht“ und denke mir: Ist doch alles egal. Die Angie wird’s schon richten…