Alte Männer fliegen nicht so hoch

Beim Berliner Flughafen können sie machen, was sie wollen: Sie sind immer hinterher, sie verpassen jeden Trend. So auch jetzt, als ausgerechnet Hartmut Mehdorn zum Retter des Projektes auserkoren wurde. Ein alter Mann soll es also richten.

Ganz bestimmt ist es eine interessante Frage, wie der multifunktionale Manager mit seinen 70 Jahren diese völlig verkorkste Angelegenheit angehen wird. Drängt er zur Eile, weil er sich, anders als seine jungen Kollegen, seiner eigenen Endlichkeit bewusst ist? Geht er den Flughafenbau mit altersmilder Gelassenheit an? Oder hat man Mehdorn geholt, weil man von ihm weiß, dass er gegen alle Widerstände das sagt, was er für richtig hält? In der Hoffnung, dass sich nur einer wie er das einzig Schlaue zu fordern traut, nämlich das ganze Zeug wegzureißen und neu zu bauen?

All das ist möglich. Zu befürchten ist aber, dass die Flughafen-Aufsichtsräte einem längst überwundenen gesellschaftlichen Trend der jüngeren Vergangenheit hinterherhecheln: Dem Vertrauen in den alten Mann.

Dieser stammt nachweislich aus dem Jahr 2011. Damals hatte eine Umfrage im Auftrag des Magazins „stern“ ergeben, dass das Volk den greisen Weisen am ehesten zutraut, die Probleme der Welt zu lösen. Auf Rang eins der Vertrauens-Rangliste landete damals Nelson Mandela, gefolgt von Helmut Schmidt und dem Dalai Lama. Mit Barack Obama folgte der erste U-70-Mensch auf Platz vier.

Bloß, was ist seitdem passiert? Ein Heiner Geißler vermochte es zwar, mediengestützte Demokratie neu zu erfinden. Stuttgart 21 ist aber ein irrwitzig teures Projekt mit ungewissem Ausgang geblieben. Helmut Schmidt hat seiner SPD Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat eingeredet. Was die Partei nicht gerade glücklich macht. Schließlich – und das sei für unsere Berliner Sportsfreunde angemerkt – ist der große Retter Otto Rehhagel 2012 mit Hertha BSC abgestiegen.

Woher der Wind inzwischen wieder weht, zeigt dagegen der FDP-Parteitag. Philipp Rösler ist als Parteichef wiedergewählt worden. Was vor ein paar Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Übervater Brüderle bleibt nur, weil man ihn so schnell nicht wegbringt.

Aus all diesen Beobachtungen folgere ich: Das Chaos am Berliner Großflughafen wird bleiben. Die Berufung des alten Mannes Mehdorn wird nichts bringen. In die Geschichte eingehen wird sie als Planungsfehler Nummer 745. Oder 1234? Oder 9711????