Der Osterhase schreit vor Glück

Ach ja, früher war alles besser. Selbst der Osterhase hatte es leichter. Er packte sein ergonomisch geformtes Weidenrutenkörbchen, schnallte es auf den Rücken, stellte die Löffel nach oben und hoppelte los. Heute kommt der Eierlieferant anders daher, nämlich als Fahrer eines DHL-Transporters. Denn die Geschenkeflut wächst.

Sperriger sind die Gaben auf jeden Fall geworden. Die Osternester von heute sind bevorzugt eckig. Es gibt Smartphones, Büchertaschen oder großformatige Legosteine. An den eigentlichen Anlass erinnern – wenngleich ausschließlich sprachlich – die iPads und die weiteren Segnungen deren Herstellers. Für den Einzelhandel ist das natürlich eine Freude. Er jubelt über das zweitbeste Geschäft nach Weihnachten.

Das nimmt dem österlichen Suchspiel allerdings die Lässigkeit. Früher stand allenfalls die treu waltende Hausfrau Ängste aus. Nämlich, dass nicht gefundene Eier oder Schokolämmer vor dem Auffinden zerbrechen, verfaulen oder unkontrolliert schmelzen könnten. So dass sich neben den Sessel- und Sofaritzen grässliche Flecken bilden könnten. Auch braune Fladen auf dem Teppichboden waren gefürchtet. Beim Wert der heutigen Geschenke geht allzu listiges Verstecken natürlich nicht mehr. Wer legt schon einen Kindle so in den Weg, dass Ur-Opa auf dem Weg zur Toilette drauflatscht?

Man könnte nun trefflich darüber philosophieren, ob die steigenden Ausgaben für Ostergeschenke ein Indiz für wachsende Liebe unter den Menschen ist. Oder eine Möglichkeit, zwischenmenschliche Ratlosigkeit zu kaschieren. Doch lassen wir das, freuen wir uns lieber mit dem Einzelhandel, dass sich zwischen Valentins- und Muttertag ein fester Ankerplatz für überschüssige Devisen etabliert hat. Und schenken wir in dem guten Bewusstsein, dass es in diesen Eurokrisen-Zeiten eh das Beste ist, die Kohle rauszuhauen.

Der moderne Oster-Mensch prasst. Lustiger war die exzessive Eiersuche aber trotzdem. Mein Appell ist deshalb klar: Hoppelt mal wieder! Oder schreit vor Glück1

Wenn die Bank beim Schrumpfen blutet…

„Wenn es dir gut geht, mach dir keine Sorgen. Die nächste Krise kommt bestimmt.“ Angesichts dieses Sprichwortes sagen wir mit allem Nachdruck: Danke lieber Volksmund. Denn das ist selbstverständlich die Wahrheit. Der Euro schien längst sicher zu sein, da tauchte sie auf aus dem Nebel der Märkte: Zypern, die Insel des Grauens. Und mit dem neuen Stresstest schlägt wieder die Stunde der bürokratischen Sprachpanscher. Denn kapieren soll das Ganze lieber keiner.

Es ist ein Zeichen heutiger Krisen, dass man uns mit Begriffen zumüllt, die uns sofort signalisieren, dass unser Wissen und wohl auch unser Gehirn zu klein sind, um mit einer Angela Merkel geistig mitzuhalten. Die Frage, wie die EZB den ESF nutzt, um der EU zu helfen, überfordert uns schon. Aber geschenkt. Wir erfahren ja viel Schlimmeres. Etwa, dass auf eine „erzwungene Banken-Schrumpfung“ ein „langer Wirtschaftseinbruch“ folgt. Und wenn schon „revidiertes Hilfspaket“, dann wenigstens mit „gerechter Lastenverteilung“.

Klar, dass dann der „Rücktrittsdruck“ steigt und dass das Schicksal eines Landes „auf Messers Schneide“ steht. Anleger müssen „bluten“, weil der Zu- und Abfluss ausländischer Kohle in den Geldwäschereien zu unkontrolliert argelaufen ist und weil deshalb das „Geschäftsmodell“ der „Finanz-Oase“ kaputt ist. Blut fließt bis zu dem Zeitpunkt, an dem dieses Zypern seine „volle Schuldentragfähigkeit“ wieder erreicht hat.

Denn, auch das lehren uns die Experten: „Wenn dadurch der Schulden­stand des Landes explodieren sollte, wäre auf lange Sicht keine Gesun­dung möglich.“ Und an dieser Stelle würde ich intellektuell endgültig aussteigen. Weil ich meine, dass eine Explosion zwar eine Verwüstung hinterlässt, dass aber das Problem nach dem großen Knall nicht mehr da ist. Man könnte es Insolvenz nennen. Ich steige aber nicht aus – weil ich vor lauter Krisengipfel-Sprachschaum gar nicht ins Thema eingestiegen bin. Ich schaue lieber „Schwiegermutter gesucht“ und denke mir: Ist doch alles egal. Die Angie wird’s schon richten…

Hilfe, der Frühling hat Burnout

Also twitterte @Charles_HRH: „Dear #Snow, it’s March, it’s Spring. Sod off.“ Sinngemäß also, „Verpiss dich, Schnee.“ Der sozial netzwerkende Prince of Wales ist unecht. Aber wenn er es geschrieben hätte, seine Hoheit hätte recht und für seinen großen Satz fröhliche Scharen fähnchenschwingender Kinder verdient. Wir frieren und frieren und versinken in unserer Nicht-Frühlings-Depression.

Ja, man verliert den Glauben. Da betet der neue Papst Franziskus am Grabmal des Petrus und trifft sich kurz darauf mit dem Rentner-Kollegen Benedikt. Kann so ein Heiligkeits-Duo nicht dafür sorgen, dass wir, sagen wir mal, 12 Grad mehr kriegen? Nein, die knien auf der Kirchenbank, falten die Hände – und nichts passiert. Ist das ein Stück der freudlosen Askese, die der Name des Neuen erwarten lässt?

Man verliert den Glauben in die Klimaforscher. Ich selber war stolz wie Oskar, als dank eines geschickten Wohnungswechsel der Verkauf unseres Zweitwagens möglich war. Seitdem führe ich ein Berufsleben auf der fußläufigen Verbindung. zunächst mit dem guten Gefühl, dass ich dazu beitragen könnte, den langfristigen Temperaturanstieg in Mittelfranken auf zwei Grad begrenzen zu können.

Heute will ich keinen Temperaturstopp mehr. Ich kaufe mir einen Mercedes Diesel, Baujahr 1973, betanke ihn mit Heizöl und pendle vier Mal täglich zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Bloß, damit sich die Atmosphäre über Nürnberg aufheizt.

Nein, nein, Trotz ist das nicht. Das ist volkswirtschaftliche Verantwortung. Wie, bitteschön, wollen denn die Einzelhändler, die gerade unsere Zeitungen und Briefkästen mit Prospekten vollstopfen, irgendetwas verkaufen? Der Winterstiefel-Sale ist kalendarisch rum. Aber wer interessiert sich jetzt für neue Sandalen?

Sogar in der Werkstatt hat mich der Winter heute eingeholt. Ein Autoreifen hatte auffallend viel Luft verloren. Zunächst tippte der Pneu-Experte auf einen Nagel in der Gummihülle, aber dann stellten sich fiese Ablagerungen auf den Felgen als Problem heraus. Hatte ich noch nie. Und wieso gab es die? „Das sind die Umweltbedingungen. Die werden immer schlimmer“, sagte der Meister.

Eigentlich gibt es für die ganze Misere nur eine schlüssige Erklärung. Der Frühling ist wie viele von uns. Er hat Burnout und kann einfach nicht mehr. Wir müssen also aushalten, mit dem Schimpfen aufhören und auf den Sommer warten. Ist so. Da hilft nicht mal ein falscher Prinz…

Die Eurokrise und der verstrahlte Sparstrumpf

Die Eurokrise war mal etwas Großes. Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Irland – das waren richtige Länder. Entweder wirtschaftlich bedeutend, kulturell überragend, als ehemalige Kolonialmacht prägend für die Weltgeschichte oder wenigstens schön grün, hoch musikalisch und sympathisch versoffen. Aber Zypern! Ja Himmel, was soll denn das jetzt?

Da muss also die gesamte europäische Krisenbewältigungs-Maschinerie angeworfen werden, um eine Mittelmeer-Insel mit 860.000 Einwohnern zu retten. Das entspricht ungefähr dem engeren Ballungsraum Nürnberg. Selbst der bei absurden Vergleichen gerne benutzte Operettenstaat Saarland zählt mehr Menschen. Und wegen dieser paar Leute muss sich unsere Kanzlerin hinstellen und dem zyprischen Volk den vollsten Respekt der Deutschen aussprechen? Während bei einer für Geldvernichtung zuständigen US-Ratingagentur die unvermeidbare Abstufung dieses Staates auf Triple-Ramsch vermutlich von einem nachgeordneten Sachbearbeiter erledigt wird?

Kann eigentlich nicht sein. Doch über allem schwebt eine große Parole: Zypern sei deswegen pleite, weil zu viel Geld von stinkreichen Russen zu aberwitzigen Konditionen auf dessen Banken gelagert sei. Da sei ein „Geschäftsmodell“ grandios gescheitert.

Abgesehen davon, dass es sich bei diesem Begriff bei weiterhin inflationärer Anwendung durch unsere Volksvertreter um ein kommendes „Wort des Jahres“ handelt, muss es uns tatsächlich Angst machen, dass inzwischen selbst Kleinstaaten für den Euro „systemrelevant“ sind. Normalerweise müsste die zweitwichtigste Währung dieser Welt eine solche Inselpleite rückstandsfrei verdauen.

Stattdessen wollte man direkt auf die Konten der Bankkunden zugreifen. Wenn das so weitergeht, kommt der Sparstrumpf wieder in Mode. Zurecht: Die Guthabenzinsen sind eh nur noch knapp über Null, und was dem Volk gebührt sehen gerade die West-Rentner, denen famosen 0,25 Prozent Rentenerhöhung winken. Stopfen wir das Geld also lieber unter die Matratze, achten wir aber auf eine abschreckende Wirkung. Der Strumpf sollte ungewaschen oder radioaktiv verstrahlt sein.

Denn viele Gefahren für unser Esperanto-Geld lauern noch. Zur Eurozone gehören durch entsprechende Abkommen auch San Marino mit seinen knapp 30.000 Einwohnern sowie die vor Kanada gelegenen fränzösischen Inseln Saint-Pierre und Miquelon mit zusammen 6300 Einwohnern. Und schließlich gibt es da noch den Vatikan. Läppische 800 Einwohner, aber in sämtlichen dies- und jenseitigen Fragen hundertprozentig systemrelevant. Inszeniert sich da nicht gerade ein gewisser Franziskus als „Papst der Armen“? Die Ratingagenturen lauern schon…

Messi, Tango, Nasenbär und neuer Papst

Ohne Polizeieskorte ist er schon mal gefahren. Aber: Kann dieser Papst Franziskus alias Jorge Mario Bergoglio den Vatikan verändern? Selbstverständlich. Er ist zwar, wie der Name verrät, abstammungstechnisch ein Italiener. Aber Argentinien ist eben doch etwas anders.

Das Land ist bekannt für die Pampa, für famoses Rindfleisch, für Landsleute, die auf Inseln wohnen und deshalb lieber Engländer sein wollen. Das Land hat eine lebende Präsidentin, die in der Öffentlichkeit notorisch die höchsten Stöckelschuhe aller Regierungschefs dieser Welt trägt. Und eine gestorbene Präsidentin, die Hollywood zuliebe mit der Singstimme von Madonna ausgestattet war.

Aber natürlich gibt es den Tango. Eine Tanzdisziplin, für die wir Mittelfranken ähnlich entflammt sind wie sonst nur noch die Finnen. Und es gibt diese sagenhaften Kicker. Xavier Pinola, leider nur wichtigster lokaler Fußballgott seit Max Morlock und Andreas Köpke und somit nicht papabile.

Aber dann: Lionel Messi, der als Auferstehungsbeauftragter des FC Barcelona gerade Mailand (da schaut der Herr Scola, gell?) erledigt hat. Und natürlich Diego Armando Maradona. Der Mann mit dem genialen linken Fuß und den immer wiederkehrenden Abstürzen. Der arme Sünder mit dem großen Herzen, dem der Herr dereinst zwecks Torerfolg bei der WM 1986 die Hand geliehen hat.

Schon er hatte somit nachgewiesen, dass der Schöpfer den Argentiniern wohlgesonnen ist. Und nun kommt der erste außereuropäische Papst genau von dort. Da staunen Nasenbär und Pampa-Stier.

Wenn nun die größte aller deutschen Zeitungen „Das ist die neue Hand Gottes“ schlaggezeilt hat, zeigt das wieder die Flapsigkeit dieser Journalisten. Papst Franziskus ist der Stellvertreter Christi aus Erden. Wenn wir so freundlich sein wollen, dieses zu glauben, müssen wir dennoch konstatieren, dass Jesus Mensch und nicht Gott war. Also ist „verlängerter Arm Gottes“ das Größtmögliche, was wir Herrn Bergoglio zugestehen wollen.

Aufhorchen sollten nach der Wahl des neuen Papstes allerdings die Akkordeonorchester dieses Landes. Die Matthäus-Passion von Bach, dargebracht in einer Bearbeitung für zwölf Bandoneons ist keine Utopie mehr. Spiel Tango für die Armen! Amen!

Nieder mit Amazon! Ein Hoch auf Aldi!

Jetzt lassen wir das doch mal, das ewig Geschimpfe auf unsere Superreichen. Deutschland hat gar nicht so viele überragenden Bonzen, sogar die Deutsche Bank macht neuerdings Verlust. Aus den Top Ten der globalen Milliardärsliste von „Forbes“ sind wir herausgefallen. Wer soll uns da als Exportkönige noch ernst nehmen?

2012 hat es unseren liebsten Discount-Chef Karl Albrecht erwischt. Mit seinen 93 Jahren muss der Eigentümer von Aldi-Süd erleben, dass er mit seiner Kartonware und 26 Milliarden Dollar Vermögen weltweit nur noch noch Platz 18 erreicht. Im Vorjahr war er Zehnter. Auch Familie Otto muss darben: Ihr Vermögen schrumpfte im letzten Jahr von 17,6 auf 14,2 Milliarden Dollar. Von unseren abgestürzten fränkischen Superfrauen Maria-Elisabeth Schaeffler und Madeleine Schickedanz wollen wir gar nicht reden.

Das ist deshalb besonders übel, weil es nie zuvor auf der Welt so viele Superreiche gegeben hat. Laut Forbes existieren 1426 Dollar-Milliardäre, 210 mehr als ein Jahr zuvor. Alleine 31 davon sitzen im chinesischen Parlament. Und: Handel ist nicht mehr das große Ding. Wirklich reich wird man über die Abteilung Surfen, Schwafel, Zeit verplempern. Globaler Oberbonze ist Carlos Slim Helu aus Mexiko, seines Zeichens Telekommunikationsunternehmer. 73 Milliarden Dollar sollen ihm gehören. Er wird gefolgt von Bill Gates von Microsoft, der zwar ständig seine Reichtümer an die Armen der Welt verschenkt und trotzdem 65 Milliarden Dollar sein eigen nennt.

Darf das sein? Muss man umverteilen? Na ja. Das Gesamtvermögen aller Superreichen liegt laut Forbes bei 5,4 Billionen Dollar. Würde dieses Geld unter allen Menschen verteilen, bekäme jede/-r 750 Dollar. Das reicht doch nicht mal für ein neues Auto.

Nur bremsen müssen wir. Damit Deutschland nicht komplett in die Zweite Liga abrutscht. Alsdenn: Wer verfolgt unseren Aldi-Dagobert? Es ist, jawohl, Amazon-Chef Jeff Bezos. Er wird neuerdings auf 25,2 Milliarden Dollar taxiert. Nach 19,1 Milliarden im Vorjahr. Da hat einer mächtig zugelegt, von dem wir alle wissen, dass er seine Mitarbeiter übel ausbeutet. Ich finde, gerade da ist Luft nach unten. Helfen wir also den Lohnsklaven – und halten wir die Aldi-Fahne hoch. Ein doppelt gutes Werk! Wie schön!

Alte Männer fliegen nicht so hoch

Beim Berliner Flughafen können sie machen, was sie wollen: Sie sind immer hinterher, sie verpassen jeden Trend. So auch jetzt, als ausgerechnet Hartmut Mehdorn zum Retter des Projektes auserkoren wurde. Ein alter Mann soll es also richten.

Ganz bestimmt ist es eine interessante Frage, wie der multifunktionale Manager mit seinen 70 Jahren diese völlig verkorkste Angelegenheit angehen wird. Drängt er zur Eile, weil er sich, anders als seine jungen Kollegen, seiner eigenen Endlichkeit bewusst ist? Geht er den Flughafenbau mit altersmilder Gelassenheit an? Oder hat man Mehdorn geholt, weil man von ihm weiß, dass er gegen alle Widerstände das sagt, was er für richtig hält? In der Hoffnung, dass sich nur einer wie er das einzig Schlaue zu fordern traut, nämlich das ganze Zeug wegzureißen und neu zu bauen?

All das ist möglich. Zu befürchten ist aber, dass die Flughafen-Aufsichtsräte einem längst überwundenen gesellschaftlichen Trend der jüngeren Vergangenheit hinterherhecheln: Dem Vertrauen in den alten Mann.

Dieser stammt nachweislich aus dem Jahr 2011. Damals hatte eine Umfrage im Auftrag des Magazins „stern“ ergeben, dass das Volk den greisen Weisen am ehesten zutraut, die Probleme der Welt zu lösen. Auf Rang eins der Vertrauens-Rangliste landete damals Nelson Mandela, gefolgt von Helmut Schmidt und dem Dalai Lama. Mit Barack Obama folgte der erste U-70-Mensch auf Platz vier.

Bloß, was ist seitdem passiert? Ein Heiner Geißler vermochte es zwar, mediengestützte Demokratie neu zu erfinden. Stuttgart 21 ist aber ein irrwitzig teures Projekt mit ungewissem Ausgang geblieben. Helmut Schmidt hat seiner SPD Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat eingeredet. Was die Partei nicht gerade glücklich macht. Schließlich – und das sei für unsere Berliner Sportsfreunde angemerkt – ist der große Retter Otto Rehhagel 2012 mit Hertha BSC abgestiegen.

Woher der Wind inzwischen wieder weht, zeigt dagegen der FDP-Parteitag. Philipp Rösler ist als Parteichef wiedergewählt worden. Was vor ein paar Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Übervater Brüderle bleibt nur, weil man ihn so schnell nicht wegbringt.

Aus all diesen Beobachtungen folgere ich: Das Chaos am Berliner Großflughafen wird bleiben. Die Berufung des alten Mannes Mehdorn wird nichts bringen. In die Geschichte eingehen wird sie als Planungsfehler Nummer 745. Oder 1234? Oder 9711????

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

„Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!“ – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

Pessimisten leben länger

Habe, ach, studiert 25 Bücher über Glück und über Wege dorthin. Habe die zehn Gebote für angehende Optimisten auswendig gelernt. Und jetzt dies: Allzu großer Optimismus im Alter kann zu einem erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko führen. Das zeigt eine Studie von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gemeinsam mit weiteren schlauen Leuten aus Berlin und Zürich. Demnach leben ältere Menschen, die ihre künftige Zufriedenheit gering einschätzen, offenbar länger und gesünder als ältere Menschen, die für sich eine rosige Zukunft sehen.

Herausgefunden haben die Forscher Folgendes: Im Gegensatz zu den älteren Menschen zeichneten junge Erwachsenen dabei meist ein unrealistisch rosiges Bild von ihrer Zukunft. Menschen im mittleren Erwachsenenalter dagegen waren weitgehend realistisch. Je älter die Befragten waren, umso pessimistischer schätzten sie ihre Zukunft ein. Überraschend sei gewesen, dass die Befragten umso pessimistischer in die Zukunft sahen, je stabiler ihre Gesundheit und je höher ihr Einkommen war. Meinen die Erlanger Experten.

Was bitte ist an diesen Erkenntnissen überraschend? Es ist doch klar, dass jeder Mensch als grenzenloser Optimist anfängt. Kinder lernen jeden Tag Neues und unterliegen somit naiv und fröhlich dem Trugschluss, dass das Leben unbegrenzte Möglichkeiten böte. Ein Problem ist die Pubertät. Nachdenklichen jungen Menschen wird in dieser Entwicklungsphase bewusst, dass sie in naher Zukunft zu den Erwachsenen gehören. Das muss nicht zwangsläufig als erstrebenswert angesehen werden. Erst wenn dieser Stress überwunden ist, ist wieder für ein paar Jahre Platz für grenzenlose Zuversicht.

Danach, so ab 30, greift jedoch das Sprichwort „Ein Pessimist ist ein Optimist mit Lebenserfahrung“. Denn immer dann, wenn wir glauben, dass die größten Sorgen abgehakt sind und somit der Weg zum Glück bereitet ist, tauchen neue Probleme auf. Unser Pessimismusanteil steigt mit jedem Lebensjahr, zumal uns die ersten Optimisten schon viel zu früh verlassen haben. Etwa ab 70 sind wir endgültig zu Realisten geworden.

Ist das jetzt zum heulen? Aber nicht doch. Auch hier kommt es, wie immer im Leben, sehr darauf an, was man daraus macht. Der Pessimist hat also ein längeres Leben. Das ist aber nur schlecht, wenn er nicht weiß, was er damit anfangen soll. Tatsächlich ist es so: Wer düsterer nach vorne schaut, wird seltener enttäuscht und ist am Ende – jawoll – glücklicher.

Sehen wir die Dinge also ganz anders als Nina Ruge: Alles wird schlecht. Aber vielleicht nicht so schlimm wie man denkt.

PS: Unser Sterblichkeitsrisiko liegt bei 100 Prozent. Bei Optimisten und Pessimisten. Das müssen auch Forscher akzeptieren.