Peer Steinbrück: Ein Kerl für die Landwirtschaft

Hiermit stelle ich Folgendes fest: Ich finde Peer Steinbrück witzig. Einen Politiker, der derart ohne Rücksicht auf Verluste sagt, was er gerade denkt, hatten wir schon lange nicht mehr. Aber ob er der richtige Kanzler ist?

Der SPD-Kanzlerkandidat hat unter Ausnutzung seiner sämtlichen Beinfreiheit erklärt, dass er ziemlich entsetzt beobachtet habe, dass in Italien zwei Clowns die Wahlsieger seien. Und prompt läuft die allgemeine Empörungsmaschinerie. Aber was ist falsch daran? Wahlsieger Nummer 1, Beppe Grillo, ist Komiker von Beruf. Und zwar einer, der sich härter äußert, als es ein Peer Steinbrück je machen würde. 25 Prozent der Wählerstimmen hat er mit seinen Sprüchen erreicht. Also ein Ergebnis, mit dem eine SPD zur Not leben könnte.

Und Silvio Berlusconi? Zirka 99 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass es sich bei ihm um einen, wenn auch fiesen Clown handelt. Und hatte sich nicht Angela Merkel dereinst an der Seite des französischen Staatskomikers Nicolas Sarkozy köstlich über den verrückten Italiener amüsiert?

Warum also darf man das nicht sagen? Na klar, weil es in der ganz großen Politik nicht um die Wahrheit geht. Ein Bundeskanzler muss jederzeit in der Lage sein, einem Massenmörder lächelnd die Hand zu schütteln. Vor allem dann, wenn sein Land über Bodenschätze oder über einen stolzen Militärhaushalt verfügt. Er muss selbst bei den übelsten Typen so tun, als seien sie irgendwie nette Kerle. Die Kunst des Redens geht einher mit der Bereitschaft zum Schweigen.

Also kann Genosse Peer schwerlich Kanzler, aber schon gar nicht Außenminister in einer großen Koalition werden. Sein bestmöglicher Job wird zurzeit von einer gewissen Ilse Aigner besetzt. Man stellte sich vor: Der SPD-Kampfplauderer als der unerbittlichste aller Lebensmittelkontrolleure, als Rächer der Dioxin-Eier und Gammel-Döner. Steinbrück for Landwirtschaft! Das haut hin! Das ist der Plan!

2 Kommentare in “Peer Steinbrück: Ein Kerl für die Landwirtschaft

  1. Lieber Herr Schrage,
    was Sie sich nicht so recht vorstellen können – einen Kanzler, der sich zu sagen traut, was er denkt – wünscht sich die Mehrheit. Steinbrück kann klug daherreden,das hat er unter Beweis gestellt und deshalb bezahlen ihm manche auch so viel dafür. Er ist aber auch ein Kanzlerkandidat aus dem Volk, der sich traut, zu sagen, was eh jeder denkt.
    Denn dass i Italien derzeit, wie auch schon früher ein Politzirkus aufgeführt wird, würden wahrscheinlich viele von uns so sehen. Ich kann mir auch gut den Herrn Napolitano mit Frack und Zylinder angetan als Zirkusdirektor vorstellen.
    Adenauer, Brandt und selbst Helmut Kohl haben oftmals gesagt, was ihnen so in den Kopf kam. Beim einen war das etwas spitzzüngisch, beim anderen sehr direkt und beim dritten … na ja: birnenhaft saftig, süß und wenig nahrhaft.
    Was ich mihc frage ist, wievierl Angst muss doch die deutsche Presse haben, entweder davor, dass Angie ihre Freund aus der Wirtschaft anweist, keine Spenden mehr zu geben oder davor, dass Freund Peer als Kanzler die alte Pressefreiheit wieder herstellt und die Verlage so gewzungen wären, sich ihre Gleder selber verdienen zu müssen?

  2. Ich habe ja geschrieben, dass mir diese direkte Art sympathisch. Allerdings: Wie zu hören ist, beschweren sich inzwischen die ersten Clowns darüber, dass sie mit Berlusconi verglichen werden.

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