Der große Trend: Anonym killt gut

Es ist ein uralter Menschheitstraum: Die Idee, zumindest zeitweise unsichtbar zu sein, um andere Menschen ungestört beobachten oder aber gefahrlos erledigen zu können. Für Nibelungen-Siegfried gab es eine welt-exklusive Tarnkappe bei Giftzwerg Alberich. Heute ist diese Vision für viele Menschen wahr geworden. Dank Computertechnik liegt anonymes Attackieren voll im Trend.

Das prominenteste Opfer dieser Tage ist die bisherige Hochschulministerin Annette Schavan. Der offenbar richtige Vorwurf, sie habe beim Schreiben ihrer Doktorarbeit allzu großzügig abgekupfert, ist anonym aus dem Internet aufgetaucht. Ab diesem Moment hatte die Ministerin kaum noch eine Chance. Den Mitteilungen geheimer Ermittler wird gerne geglaubt. Selbst von Menschen, die das weltweite Netz ansonsten als Tummelplatz für Betrüger und andere Gauner ansehen.

Früher hätten sich Medien geweigert, Geschichten zu veröffentlichen, die auf unbekannten, nicht überprüfbaren Quellen beruhen. Zumal von Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind und somit getrost zusehen können, wie ihre Giftpfeile wirken. Man kann darüber streiten, ob die anonymen Attacken gegen sie verdienstvoll oder feige waren. Aber letztlich geht es in diesem Fall nur um eine einzelne Person.

Anlass zur Empörung haben unsere Regierungs-Politiker/-innen jedenfalls nicht. Setzen sie doch selbst auf den virtuellen Hinterhalt, wenn sie sich daran machen, für die Bundeswehr unbemannte Drohnen anzuschaffen. Also fliegende Tötungsmaschinen, die von Menschen gesteuert werden, die irgendwo auf der Welt vor Computer-Bildschirmen sitzen. Menschen, die mit dem von ihnen ausgelösten Sterben genauso wenig zu tun haben, wie der Teenager, der auf seinem Laptop ein Vernichtungsspiel spielt. Sie arbeiten effizient, risiko- und gefühlsfrei. Eine überlegene Technik, die es leicht macht, Krieg zu führen.

Unterm Strich gibt es einen großen Trend: Das offene Visier ist von gestern. Erfolg hat, wer nicht erkannt wird, wer nichts zu befürchten hat. Es lebe die Tarnkappe!

1 Kommentar in “Der große Trend: Anonym killt gut

  1. Sie schreiben:
    „Früher hätten sich Medien geweigert, Geschichten zu veröffentlichen, die auf unbekannten, nicht überprüfbaren Quellen beruhen.“

    Die Quelle samt aller Plagiate und Verstöße ist doch gut einsehbar im Netz und zwar für alle:

    http://schavanplag.wordpress.com/

Kommentare geschlossen.