Wenn das Baby wie ein Schnupfen kommt…

Wir alle leben ein Leben in ständiger Ansteckungsgefahr.Wir fangen uns etwas ab, das wild herumschwirrt, das jemand anders abgeschickt hat und das nicht in unseren Körper gehört. Wir werden zum Wirtstier – und sind froh, wenn der Spuk vorbeigeht.

Vieles kann infektiös sein. Schnupfen, Darmgrippe, aber auch Freude und ein nettes Lachen. Übel befallen können uns allerdings Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Malaria, Fußpilz, Schnupfen, Hepatitis und BSE. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ein paar Menschen zwischendrin immer wieder mal gesund sind. Oder sich zumindest so fühlen.

Aber auch Schwangerschaften können ansteckend wirken. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher/-innen der Universität Bamberg gekommen. Aber nicht so, wie man denkt.

Es handelte sich keineswegs um Sexualwissenschaftler. Diese hätten die Idee verfolgen können, dass es beim Kinderzeugen nicht maßgeblich um das Werk eines Erregers, wohl aber mindestens eines Erregten handelt. Die Studie aus der oberfränkischen Domstadt stammt jedoch vom Staatsinstitut für Familienforschung. Und da betrachtet man die Dinge nicht erotisch, sondern soziologisch.

Deshalb wurden unter dem Arbeitstitel “Fertiliät und soziale Interaktion am Arbeitsplatz” Daten von etwa 42 000 Frauen in 7600 Betrieben ausgewertet. Wobei die Frage lautete, ob die Geburt eines Kindes bei einer Kollegin den eigenen Wunsch, Mutter zu werden, so richtig beflügeln kann. Die Forscher sehen verschiedene Indizien für diese Vermutung. Und sie kommen zu verblüffenden Erkenntnissen. So könne die Ansteckung von Fertilität, also Fruchtbarkeit, am Arbeitsplatz sowohl bedürfnis- als auch überzeugungsvermittelnd verlaufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bis dahin kinderlose Frau vom Babybauch am Schreibtisch gegenüber zum Kinderkriegen motiviert werde, sei wesentlich höher, als dass eine Mutter von einer erstmals schwangeren Kollegin zur Nachahmung animiert werde. Letzten Endes haben die Wissenschaftler, wie sie selbst schreiben, “ein Hazardratenmodell mittels einer logistischen Regression approximiert”. Woraus sie lernen, dass die Schwangerschaftsneigung bei Frauen mit zunehmendem Alter und zunehmendem Abstand von der letzten eigenen Geburt abnimmt.

Erstaunt nehmen wir also zur Kenntnis, dass es im Leben oft auf Mutmacher im eigenen Umfeld oder gute Vorbilder ankommt. Und wir erinnern uns an eine Studie von schwedischen Forschern aus der Spätphase des letzten Jahrtausends. Damals war aufgefallen, dass die Zahl der Geburten mit ähnlichen Quoten zurückging wie die Klapperstorch-Population im Land. Es gibt also auch noch sie – die Fertilität der Lüfte.

 

 

 

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