Archiv für November, 2012

November 30th, 2012

Wenn das Baby wie ein Schnupfen kommt…

Wir alle leben ein Leben in ständiger Ansteckungsgefahr.Wir fangen uns etwas ab, das wild herumschwirrt, das jemand anders abgeschickt hat und das nicht in unseren Körper gehört. Wir werden zum Wirtstier – und sind froh, wenn der Spuk vorbeigeht.

Vieles kann infektiös sein. Schnupfen, Darmgrippe, aber auch Freude und ein nettes Lachen. Übel befallen können uns allerdings Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Malaria, Fußpilz, Schnupfen, Hepatitis und BSE. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ein paar Menschen zwischendrin immer wieder mal gesund sind. Oder sich zumindest so fühlen.

Aber auch Schwangerschaften können ansteckend wirken. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher/-innen der Universität Bamberg gekommen. Aber nicht so, wie man denkt.

Es handelte sich keineswegs um Sexualwissenschaftler. Diese hätten die Idee verfolgen können, dass es beim Kinderzeugen nicht maßgeblich um das Werk eines Erregers, wohl aber mindestens eines Erregten handelt. Die Studie aus der oberfränkischen Domstadt stammt jedoch vom Staatsinstitut für Familienforschung. Und da betrachtet man die Dinge nicht erotisch, sondern soziologisch.

Deshalb wurden unter dem Arbeitstitel “Fertiliät und soziale Interaktion am Arbeitsplatz” Daten von etwa 42 000 Frauen in 7600 Betrieben ausgewertet. Wobei die Frage lautete, ob die Geburt eines Kindes bei einer Kollegin den eigenen Wunsch, Mutter zu werden, so richtig beflügeln kann. Die Forscher sehen verschiedene Indizien für diese Vermutung. Und sie kommen zu verblüffenden Erkenntnissen. So könne die Ansteckung von Fertilität, also Fruchtbarkeit, am Arbeitsplatz sowohl bedürfnis- als auch überzeugungsvermittelnd verlaufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bis dahin kinderlose Frau vom Babybauch am Schreibtisch gegenüber zum Kinderkriegen motiviert werde, sei wesentlich höher, als dass eine Mutter von einer erstmals schwangeren Kollegin zur Nachahmung animiert werde. Letzten Endes haben die Wissenschaftler, wie sie selbst schreiben, “ein Hazardratenmodell mittels einer logistischen Regression approximiert”. Woraus sie lernen, dass die Schwangerschaftsneigung bei Frauen mit zunehmendem Alter und zunehmendem Abstand von der letzten eigenen Geburt abnimmt.

Erstaunt nehmen wir also zur Kenntnis, dass es im Leben oft auf Mutmacher im eigenen Umfeld oder gute Vorbilder ankommt. Und wir erinnern uns an eine Studie von schwedischen Forschern aus der Spätphase des letzten Jahrtausends. Damals war aufgefallen, dass die Zahl der Geburten mit ähnlichen Quoten zurückging wie die Klapperstorch-Population im Land. Es gibt also auch noch sie – die Fertilität der Lüfte.

 

 

 

November 25th, 2012

In Stadion oder Ballsaal: Der Alkohol lenkt alles

Unsere Gesellschaft könnte so friedlich und ausgeglichen sein. Wenn da nicht der Teufel Alkohol wäre. Er wirft selbst hoffnungsvollste Menschen aus der Bahn, ist der Grund für sinnlose Aggression, für ungebremste Ausschweifungen.

Es sind ja auch immer die selben Leute. Schwitzende Fußballfans, die auf dem Weg zum Stadion kästenweise Bier zum Vorglühen mitschleppen. Junge Männer, die sich erst ab 1,5 Promille an junge Frauen heranwagen. Und Schulmädchen, die sich die Handtäschchen mit Wodka-Flachmännern vollstopfen, um sich in einer langen Freitagnacht in sexhungrige Schnapsdrosseln zu verwandeln. Wir sehen wieder einmal: Die Jugend und die Unterschicht – an diesen beiden Gruppen wird diese Gesellschaft irgendwann zugrunde gehen.

Aber dann lesen wir die Berichte vom Bundespresseball. In Berlin haben demnach 2500 Gäste “ausgelassen gefeiert”.  Wobei die trockenen Kehlen mit 3000 Litern Bier sowie mit dem Inhalt von 3000 Flaschen Weiß- und Rotwein und 600 Magnum-Flaschen Champagner benetzt wurden.

Und jetzt rechnen wir doch mal. Diese Zahlen bedeuten, dass jeder Gast, ob männlich oder weiblich, ob jung oder alt, 1,2 Liter Bier, einen knappen Liter Wein und 0,36 Liter Champagner gepichelt hat. Im Durchschnitt! Würde ein vergleichbarer Konsum von einem Hauptschüler bekannt, wäre der Weg zur nächsten Kampagne wider das Komasaufen nicht weit.

In der besseren Gesellschaft heißt dasselbe “ausgelassen feiern”. Wir lernen daraus, dass ein erheblicher Teil unserer Politik besoffen oder mit reichlich Restalkohol im Blut gemacht wird. Ja, aber war es nicht der Presseball? Wird auch in einem solchen Zustand berichtet?

Dazu ist zu sagen: Falsche Fragen sind selten hilfreich. Allerdings wissen wir aus der Kommunikationswissenschaft, dass man anderen Menschen dann besonders nahe kommt, wenn man ihre Verhaltensweisen und ihre Art sich mitzuteilen, irgendwie kopiert.

Wie fast alle meine Kolleginnen und Kollegen verachte ich Alkohol zutiefst. Aber ohne kommst du in dieser Gesellschaft offenbar nicht wirklich weit. Also: Auf Ihr Wohl, Herr Minister!

 

November 21st, 2012

Lothar, Du Sysiphus der Silikonhügel

Liebe Leute, Ihr könnt lästern, schwatzen und flüstern wir ihr wollt. Ich stecke den Sand nicht in den Kopf. Ein Hirndübel lässt sich seine Meinung nicht von der Schwarmintelligenz der Boulevardpresse diktieren. Für mich ist Lothar Matthäus ein Held. Ein tragischer zwar, aber er ist einer. Punkt. Aus. Ende.

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch sein Dessous-Model Joanna Tuczynska nach gut eineinhalb Jahren gemeinsamer Zusammengehörigkeit beziehungstechnisch dahingeschieden. So wie vor ihr Ariadne, Liliana, Marijana, Maren, Lolita und Silvia. Wieder war es nix. Und was sagt Loddar dazu? “Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Ich hege keinen Groll und wünsche Joanna alles Gute für die Zukunft.”

Genau das ist die dem Franken eigene Größe in Reinkultur. Schauen wir doch einmal herum, wie andere Männer reagieren, wenn sie verlassen werden. Sie randalieren, demolieren Autos,  zertrümmern Wohnungseinrichtungen, brechen die Nasenbeine der Nebenbuhler oder fallen in Suff und Depression. Gute Wünsche für die Ex? Nie und nimmer.

Wir lernen daraus: Lothar Matthäus geht mit verflossener Liebe extrem großzügig um. Er ist eine wahre Diva, gewissermaßen die Zsa Zsa Gabor des Weltfußballs. Nein, dieser Mann glaubt an sich und sein Glück. Er wird nie aufgeben, wird nie zweifeln – und doch immer wieder scheitern. Man könnte ihn auch den Odysseus der Schlauchbootlippen oder den Sysiphus der Silikonhügel nennen. Dieser unverbesserliche Romantiker steht parabelhaft für das Leben und Leiden von uns allen, für unser immerwährendes suchen, finden und verlieren.

Nur eines kann ihn erlösen: Wenn der Sexualtrieb der Altersweisheit weicht. Das dauert noch ein bisschen. Gebt ihm also erstmal einen netten Verein, wie etwa 1860 München. Loddar braucht jetzt Fußball. Denn wie heißt es so schön? Ein Tor würde dem Spiel gut tun.

 

 

 

 

November 19th, 2012

Rösler und die ungewisse Anschlussverwendung

Das hatte sich die FDP fein ausgedacht. Nachdem sie erkannt hatte, dass Philipp Rösler als Parteivorsitzender ein geradezu spätrömisch-dekadenter Fehlgriff war, hatte man sich darauf verlagert, den Vizekanzler in die dritte oder vierte Reihe zu stellen. Falls er in der Öffentlichkeit nur noch bei wirklich unvermeidbaren Gelegenheiten hergezeigt würde, müsste es doch wieder aufwärts gehen. Und tatsächlich: Die Liberalen sind in den Wahlumfragen von zwei auf vier Prozent gestiegen. Das rettende Ufer ist in Sicht.

Zumal eine weitere kluge Entscheidung Wirkung zeigt. Es war gut, den führenden FDP-Kabarettisten Rainer Brüderle als Maskottchen an die “heute-show” abzugeben. Und Spaßvogel Nummerzwei, der Schleswig-Holsteiner Querkopf Wolfgang Kubicki, hat dank seiner lässigen Art gerade bei Stefan Raabs Politshow “Absolute Mehrheit” ziemlich abgeräumt. Über 40 Prozent, hauptsächlich in der Gruppe der werberelevanten jungen Leute – was soll den Liberalen noch passieren.

So lief das. Bis heute. Denn nun werden die Scheinwerfer wieder auf Philipp Rösler gerichtet. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat bekanntgegeben, dass der von ihm verwendete Begriff “Anschlussverwendung” das Zeug zum “Unwort des Jahres” hat.

“Anschlussverwendung”, wir erinnern uns, ist in Zusammenhang mit der Schlecker-Pleite gefallen. Rösler benutzte ihn, als er über die nunmehr zahlreichen arbeitslosen Frauen philosophierte. Er sprach darüber, wo sie neue Arbeit finden könnten. Nun ist dieser Begriff für Soldaten ganz normal. Aber passt ein Begriff, bei dem raue Kämpfer gehorsamst salutieren, auch für ein Heer von Frauen, die zuvor Geschirrspülmittel und Badesalz verkauft haben?

Seinerzeit war die Empörung über des Ministers Sprache groß. Und nun holt sie Philipp Rösler wieder ein. Er wird wieder ins Rampenlicht gerückt, und das wieder nur in einem unerfreulichen Zusammenhang. So wie einst Guido Westerwelle.

Das kostet in der Wählergunst nicht nur ein paar Promille. Weshalb die Delegierten beim FDP-Bundesparteitag im kommenden Jahr wissen, wie sie ihren Chef zu behandeln haben: Anschlussverwendung ungewiss. Sehr ungewiss…

November 14th, 2012

Alarm! Unser grauen Zellen werden grün

Alarm, Alarm, es geht dahin. Tief drin, in unseren Hirnen. Unsere grauen Zellen verschwinden. Oder sie werden grün. Kurz geschrieben: Wir werden dümmer.

Den definitiven Beweis für diese These will ein Entwicklungsbiologe namens Gerald Crabtree nach Forschungen an der kalifornischen Stanford University erbracht haben. Ihm zufolge hat der schleichende Intelligenzverlust vor zirka 120 Generationen begonnen. Die Menschen streiften nicht mehr als einsame Jäger durch die Wildnis, sondern verlegten sich auf Ackerbau und Viehzucht. Oder sie fläzten als antike Griechen mit einem Fass Rotwein faul in der Sonne und philosophierten über Gott und die Welt. Damals waren sie allerdings so klug wie vorher und später nie mehr. Sagt Herr Kratzbaum.

Man neigt schwer dazu, ihm zu glauben. Alleine die Unfähigkeit der Menschheit, den Klimawandel einzudämmen, ist ein klares Indiz für zunehmende Schwarmdummheit.

Schlimm ist aber, dass der Trend zur Verblödung vielfältig unterstützt wird. Zu den Schuldigen gehört Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der uns mit der geistig-moralischen Wende Privatfunk und -fernsehen beschert hat. Die Geschichte der Blödheit wird ohne “Bauer sucht Frau” ja kaum zu schreiben sein. Aber auch Theo Albrecht ist zu kritisieren. Der Aldi-Chef ist für die Ausdünnung des Sortiments im Einzelhandel verantwortlich. Unter 20 Spülmitteln im Regal das Richtige zu finden, war und ist eine intellektuelle Leistung. Beim Discounter gibt es von jedem Produkt nur eins oder zwei.

Der Erfinder des Navigationsgerätes reiht sich ebenfalls in die Riege der Volksverdummer ein. Musste man früher unter Einsatz räumlicher Intelligenz Landkarten studieren, so bringt einen heute ein elektronisches Ding von der Kneipe nach Hause. Kleine, schicke externe Hirne, also Smartphones, haben uns das Merken von Telefonnummern oder das Kopfrechnen abgewöhnt. Und statt in zentnerschweren Lexika nach Antworten auf schwierige Fragen zu suchen, geben wir ein Suchwort auf wikipedia.org ein.

Nach all diesen Indizien fehlt am Ende dieses Textes eine zündende Pointe. Hierfür bräuchte es jedoch Intelligenz. Die aber lässt nach und wird schon bald ganz fehlen. Alsdenn: Die Pointe fällt aus. Gewöhnen Sie sich schon mal dran.

 

November 11th, 2012

Claudia Roth, Du armes Schwesterle

Also, das war echt gemein. Da haben alle Grünen ihre Spitzenkandidaten für den Bundestag wählen dürfen, und dann schubsen sie jene Frau aus dem Rennen, die ihnen das überhaupt ermöglicht hat. Claudia Roth darf nicht Spitzenkandidatin, also auch nicht Außenministerin werden. Es ist ein Jammer!

Wenn man diese Angelegenheit parteiintern betrachtet, handelt es sich um ein typisches Mutterschicksal. Claudia Roth hat den Laden als Vorsitzende gut zusammengehalten. Selbst in Krisensituationen konnte sie jovial und verständnisvoll sein. Und wie eine richtige Mama war sie ihren Schützlingen immer wieder mal peinlich. Und sei es nur aufgrund ihres Hangs zu schrillen optischen Dissonanzen bei Haarfarbe und  Kleidung.

Als Außenstehender muss man es auch als Verlust empfinden, wenn Claudia Roth noch hinter Kampfzwerg Renate Künast auf Platz vier der bedeutendsten Grünen unserer Tage gerückt wird. Als lustiger Talkshowgast ist sie immer eine Bereicherung. Legendär etwa war das öffentliche Outing ihrer Duzfreundschaft mit CSU-Spitzenmann Günther Beckstein in der ARD-Sonntagsabend-Runde. Auf ihre Art war und ist das authentische Pendant zu Rainer Brüderle bei der FDP. Also das grüne Schwesterle, sozusagen.

Wenn es nun mit der Spitzenkandidatur nicht geklappt hat, ist das aber nicht wirklich tragisch. Merkel-Bashing kann der grimmige Jürgen besser. Die Antwort auf die Frage wiederum, ob Gespräche mit einer Außenministerin Claudia Roth bei Taliban-Kriegern die Neigung zu Selbstmordattentaten verringern oder steigern würden, ist so klar wie unaussprechlich.

Also, Claudia: Das Leben geht weiter. Bleib uns bitte erhalten!

 

 

 

November 8th, 2012

Obama, Du machst mich ratlos

Da sitze ich also. Und bin ratlos. Schuld ist US-Präsident Barack Obama. Ich möchte etwas zur großen amerikanischen Politik-Show schreiben. Aber es flutscht nicht, wie es so schön heißt.

US-Wahl 2008, das war für mich so etwas wie Mondlandung Nummer zwei. Ich musste nachts raus und möglichst viel miterleben. Nach der fürchterlichen Regierungszeit des kriegslüsternen Präsidentendarstellers George W. Bush war der Kandidat Obama eine Verheißung. Ein Politiker, der Massen begeistern konnte und einen Wandel zu mehr friedlichem Miteinander auf dieser Welt verhieß. Ihm habe ich zugetraut, dass er  fast alles besser machen würde. Den Hinweis damaliger Skeptiker, dass auch dieses Staatsoberhaupt nicht über das Wasser werde gehen können, habe ich als ausgesprochen lästig empfunden.

Wie viel auch von anderen in diesen Mann hineininterpretiert wurde, zeigte die absurde Zuerkennung des Friedensnobelpreises. Danach haben wir gelernt, dass selbst der scheinbar coolste Präsident Kriege nicht einfach beenden kann. Sogar für das Beseitigen staatseigenen Unrechts, des Inselknasts von Guantanamo, fehlte ihm die Kraft.

Obama reloaded ist die Wandlung eines überragenden Heilsbringers zum kleineren Übel. Ich habe auf seine Wiederwahl gehofft. Allerdings vor allem wegen des Gegenkandidaten Mitt Romney, der mir auch deshalb suspekt war, weil er wirkte, als wäre er von einem Hollywood-Regisseur gecastet worden.

Richtig geprickelt hat es aber nicht, also ich heute das Gebrabbel und die Statistikkolonnen in den diversen Wahlsondersendungen verfolgt habe. Es war, trotz der famosen “Swing States”, mehr ein Sachsen- oder Hessenwahl-Gefühl.

Der große Glanz von Barack Obama ist für mich also weg. Aber wahrscheinlich ist das auch besser so. Wer andere zu sehr überhöht, macht Politik zur Religion. Und das hat sich noch nirgends bewährt.

 

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November 5th, 2012

Müde Politiker in dünner Luft

Gipfel und Abgrund sind eins. Das sagte der große Denker Friedrich Nietzsche, wie stets ein wenig rätselhaft. Wenn man die Beschlüsse der Berliner Koalition anschaut, beginnt man diesen großen Satz zu verstehen. Der Gipfel ist nicht zwangsläufig der Ort der Erleuchtung.

Gipfel, das Wort signalisiert uns Großes. Es ist der Ort, nach dem der mühselige Mensch heftig strebt. Dort angekommen, fällt die Last dieser Welt von ihm ab. Er ist befreit, ist Gott nahe, er schaut von oben auf die Probleme der Welt, die auf einmal ganz klein erscheinen.  Ja, beim Erreichen des höchsten Punktes ist etwas ganz Besonderes passiert. Wer hier steht, hat es geschafft und  macht keine Fehler mehr.

Schön, bloß: Wer so denkt, kennt die reale Politik nicht. Wahrscheinlich auch keine tatsächlichen Gipfelstürme. Denn nach einem langen, langen Aufstieg sind die Helden übermüdet. Hinzu kommt die Höhenluft, die die Sinne ein Stück weit vernebelt. Und dann stehen da mehrere Leute oben, die sich untereinander eigentlich nicht ausstehen können. Irgendwie müssen sie sich einigen. Oder wenigstens so tun.

Aus solchen Situationen nährt sich der faule Kompromiss. Jeder hat einen nutzlosenWunsch frei – bekommt ihn aber sicher erfüllt.

Das hilft für den Moment. Ganz klar. Nie vergessen sollte man allerdings: Vom Gipfel nach unten kann es viel schneller gehen als umgekehrt.

 

 

November 4th, 2012

Nicht aufhören: Gebt uns die Nerdprämie!

Müsst Ihr denn immer schimpfen? Da schlug die Schicksalsstunde für das CSU-Betreuungsgeld. Es kommt. Viel wird gelästert. Doch es wird übersehen, dass die so genannte Herdprämie eine famose Idee ist. Eine Idee, an der allerdings noch gefeilt werden muss.

Aufhören sollten wir mit dem unbedachten Hausfrauen-Bashing. Gut, es begabte menschliche Wesen kaum ausfüllen, sich in Vollzeit um ein Einzelkind, dessen Meerschweinchen und um einen gelegentlich anwesenden Ehemann zu kümmern. Das reicht nicht zur geistig-moralischen Erfüllung. Zumal dann nicht, wenn nur eine einzige warme Mahlzeit zuzubereiten ist. Uroma musste tagtäglich zwei Menüs für ihre 20-köpfige Großfamilie hinbekommen. Die Wohnküchen der Vergangenheit funktionierten wie kleine Restaurants. Es war notwendig, dass darin die tüchtige Hausfrau waltete.

Hausfrau heute ist im Vergleich dazu ein geradezu anarchistisches Lebensmodell. Denn da zeigt jemand seinem Umfeld frech die lange Nase. Jemand widersetzt sich dem Zwang, dass ein mit Gesamtnote 1,8 abgeschlossenes Bachelorstudium zu nachhaltigem Erfolg in abhängiger Beschäftigung führen muss. Es geht auch anders. Drinbleiben in der Wohnung, während draußen das Chaos tobt. Das bedingungslose Grundeinkommen lässt grüßen.

Aber wo bleibt da die Gleichberechtigung? Keine Sorge, das kommt noch. Die Politik wird nacharbeiten. Denn es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, denen die Integration in die Gesellschaft völlig egal ist. Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die am liebsten daheim herumsitzen. Bügeln, putzen, abwaschen lassen sie Mama. Ansonsten sitzen sie vor ihrem Flachbildschirm und interessieren sie sich für die Thema Sport, Computer und Sex. Diesen Menschen ist egal, was sonst in der Welt passiert. Und wenn sie erst einmal mit der Tastatur verwachsen sind, ist es auch besser, wenn man sie nicht mehr unter die Leute gehen. Egoshooter, die täglich Boxen und Pornos gucken, haben besondere Werte.

Alsdenn: Wer diesen Jungs Geld dafür gibt, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen, tut ein richtig gutes Werk. Gebt uns die Nerdprämie! Und alles wird gut.

 

 

 

 

 

 

November 2nd, 2012

Schluss mit Halloween. Werdet Sternsinger!

Oh Heiliges Brauchtum, wie bist Du uns nah! Das heißt es auch bei uns ganz gerne. Traditionen geben unserem Leben einen verlässlichen Rahmen. Sie machen es uns leichter, uns in dieser globalisierten Welt richtig zu verorten. Aber wie in der Daily Soap gilt auch hier: Es gibt gute Bräuche, schlechte Bräuche.

Niemand würde bezweifeln, dass es gut ist, sich an Weihnachten zu beschenken oder sich an Fasching zu verkleiden. Auch der Aprilscherz ist ein sympathischer, weil phantasieanregender Brauch. Das Silvesterfeuerwerk ist – rein rational betrachtet – sinnlos und teuer, aber eben auch sehr schön.

Schwieriger wird es bei verfälschten Bräuchen. Beim Valentinstag stellt sich die Sinnfrage durchaus. Eigentlich ein urkatholischer Brauch, wurde er speziell vom Blumenhandel für dessen Zwecke gekapert. Woraufhin den Menschen beigebracht wurde, dass jede Frau von ihrem Partner an jedem 14. Februar Blumen zu bekommen hat. Und wage es keiner, etwas anderes zu versuchen. Boykottiert der Mann den Schenktag, heißt es “Nicht mal daran kannst du denken”. Kommt er eine Woche vorher mit Tulpen aus Amsterdam, lautet die Frage: “Sag schon, was hast du angestellt?”.

Der aus den USA importierte Muttertag ist ein Ärgernis für sich. Und das nicht nur, weil ihn die Nationalsozialisten so gut gefunden haben.  Mehr Pflicht geht einfach nicht.

Tja, aber was sagt uns Irland? Wir wissen, dass dort die Farbe Grün besonders beliebt ist und dass eine keltische Harfe das Landeswappen ziert. Iren sprechen eine seltsame Sprache, tanzen ganz eigenartig und saufen ganz ordentlich. Trotz Finanznot haben sie sich Giovanni Trappatoni als Fußball-Nationaltrainer geleistet. Schließlich sind die Iren mit sieben Erfolgen Rekordsieger beim Eurovision Song Contest.

Ganz nettes Land, sollte man meinen. Aber warum, zum zehnjährigen Vampir, hat diese Nation den Halloween-Brauch hervorgebracht? Warum hat man dem Einzelhandel die Chance gegeben, Eltern viel Geld für Gruselkostüme abzuknöpfen? Warum werden Nachbarn unter den Zwang gesetzt, Ende Oktober große Mengen an Süßigkeiten zu horten? Warum müssen massenhaft Kürbisse ausgeschabt werden? Warum brauchen wir das ganze Geschrei?

Nein, Halloween passt genauso in unsere Gegend wie ein Sandstrand an den Nordpol. Liebe Eltern, verblödet Eure Kinder nicht. Liebe Kinder, lasst es sein. Wenn Ihr betteln wollte, dann werdet Sternsinger. So helft Ihr nicht nur anderen Kindern, sondern tut auch etwas gegen Karies und Herzverfettung. Ich bin für Saures!