Wem gehört der Nobelpreis?

Kümmert sich eigentlich niemand mehr ganz persönlich und vor allem überzeugend um den Frieden in der Welt? Scheint so, denn bei der Vergabe des Friedensnobelpreises geschehen seltsame Dinge. Das war schon bei US-Präsident Barack Obama so, bei dem seinerzeit eine einzige gute Rede in Kairo reichte, um ihn als Heilsbringer zu ehren. Nun aber gibt es diese Auszeichnung für die gesamte Europäische Union? Sie ist ein friedenschaffender Staatenverbund, keine Frage. Bloß, wem gehört dieser Preis? Wer soll die Prämie von 930.000 Euro bekommen?

Wie bei allen schwierigen juristischen Fragen lautet die richtige Antwort: Es kommt darauf an. Es hängt nämlich davon ab, wie man auf die Preisträgerin draufschaut. Betrachtet man sie als Institution, dann genügt ein Verrechnungsscheck an die EU-Kommission, Rue de la Loi / Wetstraat 200, B-1049 Brüssel. Das Geld könnte dort zum Beispiel für interfraktionelle Seminare für Friedensarbeit im Europaparlament verwendet werden.

Oder man beachtet die soziale Komponente. Dann würde das Preisgeld an die drei notleidensten Staaten der Eurozone weitergegeben. Vor allem die grantigen Griechen und Spanier würden besänftigt. Das Problem dabei: Die korrekte, juristisch unanfechtbare Berechnung des “europäischen Not-Koeffizienten” durch die Brüsseler Bürokratie würde 300.000 Euro kosten.  Und Großbritannien würde auch “money back” verlangen.  Es bliebe also nicht wirklich viel für die Südstaaten übrig.

Kommen wir also zur saubersten Lösung: Die Europäische Union wird gebildet aus den in ihren Grenzen lebenden Menschen. Also steht ihnen das Preisgeld zu. Zurzeit hat die EU rund 505 Millionen Einwohner. Macht umgerechnet 18.87 Cent pro Bürger/-in. Nach Abzug potentieller Zuwendungen für die Quertreiber in Stadt und Land – den Dobrindt-Anteil nehme ich gerne – müssten 30 Cent pro friedliebendem EU-Einwohner drin sein.

Das nehmen wir für ein europaweites Friedensfrühstück am Weltgebetstag der Frauen. Es gibt zwar bloß ein trockenes Brötchen. Aber es zählt das Symbol. Und schwere Zeiten sind es ja auch.

PS (Nachtrag vom 14. Oktober): Ich muss zugeben, dass ich eurokrisig gerechnet habe. Tatsächlich stünden jedem Bürger/jeder Bürgerin nur 0,1887 Cent zu. Dafür gibt’s noch nicht mal ein Brötchen, sondern bestenfalls Krümel. (Ich schäme mich)

 

2 Kommentare in “Wem gehört der Nobelpreis?

2 Comments
  1. Ich Frage mich ja wirklich wieso die EU einen Nobelpreis verdient hat, so viel gutes wie sie gebracht hat, so viel schlechtes hat der Euro auch in diverse Länder gebracht, wie man momentan an diversen Staaten sieht, die am Hungertuch nagen. Eventuell sollten sich die Prämie Griechenland und Spanien teilen? ;)

  2. Bradley Manning hätte den Nobelpreis verdient, aber ganz sicher nicht die EU, die sich selbst den Preis vergeben hat. Man kann nur hoffen, das der Nobelpreis irgendwann wieder seinen Namen alle Ehre macht und nicht für das Gegenteil steht…

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