Ein Sozi darf nicht reich sein

Ich stelle fest: Wir wissen nicht, was wir wollen. Da wird darüber gejammert, dass sich speziell junge Leute viel zu lasch durch das Leben treiben lassen. Da wird gepredigt, dass sich Leistung endlich wieder lohnen muss. Und dann arbeitet sich diese Republik an Vortragshonoraren und sonstigen Nebeneinkünften ihrer Volksvertreter ab. Das passt nicht zusammen.

Sicher ist, dass sich das Maß der Empörung über Nebenjobs unmittelbar an der jeweiligen Person beziehungsweise Personengruppe bemisst. Wenn etwa jüngere Unions-Abgeordnete verlangen, dass in Zukunft private Zusatzvorsorge für das Rentenalter verpflichtend werden muss, zwingt das viele Menschen zu einer Zusatzbeschäftigung. Denn die zehn Euro pro Monat, die sich ein Niedriglöhner nach seiner Arbeitswoche noch vom Mund absparen könnte, reißen es später auch nicht heraus. Also gilt in diesem Fall: Wer Nebenjobs ablehnt, ist ein Sozialschmarotzer.

Gering wird die Aufregung um die Nebenverdienste von FDP-Generalsekretär Patrick Döring ausfallen. Weil uns sowieso klar ist, dass sich ein Liberaler von der Wirtschaft schmieren lässt. Und seine Tätigkeit als Vorstand einer Haustierkrankenversicherungs-AG passt ins politische Bild. Denn es ist ja klar, dass künstliche Hüftgelenke für vergreiste Rauhaardackel ohne private Vorsorge nicht zu machen sind. Dass Döring als Aufsichtsrat der Bahn für Verspätungen steht, weil er das Aufpolieren der Bilanz für den Börsengang bestimmt als wichtiger ansieht als ICE-Instandsetzungsarbeiten, ist für uns unerheblich.

Ein Peer Steinbrück hingegen eignet sich als Zielscheibe. Uns interessieren ja immer die Gegensätze. Wir horchen auf, wenn etwas scheinbar nicht zusammenpasst.  “Lothar Matthäus spricht Hochdeutsch” wäre eine entsprechende Schlagzeile. Oder eben “Sozi schwimmt im Geld”.  Da ist allen klar, dass sich das nicht gehört. Wer reich ist, kann sich nicht um die Bedürftigen kümmern. Onkel Dagobert könnte nie der Willy Brandt von Entenhausen sein. Also fordern wir Transparenz.

Gut, es mag uns helfen, wenn wir wissen, wer wen für was bezahlt. Aber für mich sind Steinbrücks Honorare auch ein Stück freie Marktwirtschaft. Wenn es Firmen gibt, die ihn für eine Rede hoch bezahlen – dann soll er es nehmen. Würde ich ja auch tun.

Mich stört am neuen SPD-Star etwas ganz anderes: Beim Verhör durch Günther Jauch hat er auf die Frage nach den beiden größten deutschen Bundeskanzlern Gerhard Schröder genannt. Und das halte ich nun wirklich für beunruhigend.

1 Kommentar in “Ein Sozi darf nicht reich sein

1 Comment
  1. Aha, der Herr Steinbrück schwimmt im Geld. Toll. Hoffentlich ertrinkt er nicht.

    Es ist ja scheinbar egal, das er den Nebenjob als Redner zusätzlich zu seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter ausüben kann. Ne Putzfrau kann auch auch in zwei Haushalten putzen. Kein Problem. (Das betrifft scheinbar auch einen Herrn Döring).

    Es ist für mich, als Idioten, der schon Gehaltserhöhungen abgelehnt hat, die absolut falsche Welt.

    Wenn jemand vom Volk als Vertreter gewählt wurde, dann sollte er das Volk vertreten. Lieber lässt er sich für Vorträge oder als Dackeldoktor bezahlen. Es ist mir komischerweise egal, in welcher kriminiellen Vereinigung derjenige gerade sitzt.

    Es ist für mich, als Idioten, der Werbegeschenke über 20 Euro nur mit Genehmigung des Vorstandes annehmen darf, die absolut falsche Welt.

    Es stellt sich die Frage, ob dieser Steinbruch dann die Staatsbesuche auf eBay meistbietend versteigert. Ach ne, wird ja schon gemacht. Merkel reist ja immer mit einem Dutzend Wirtschaftsvertretern nach China.

    Es ist für mich, als Idionten, der kein Preisschild auf der Stirn kleben hat, die absolut falsche Welt.

    Noch ein kleiner, bösartiger Nachdenker: Ein gewisser Hitler, Adolf, konnte die braunen Hemden für seine SS und SA nur auf Grund großzügiger Spenden der Industrie und Wirtschaft bezahlen.

    Es ist für mich, als Idioten, der an die parlamentarische Demokratie glaubte, bis er Zwangsmitglied in der marktkonformen Demokratie wurde, die absolut falsche Welt.

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