Auch in Arabien: Die Deppen sind die Minderheit

Es ist verrückt: Da dreht irgendein Idiot in den USA ein Video, das den Islam und den Propheten Mohammed verhöhnt. Und dann bricht in der arabischen Welt eine Welle der Gewalt los. Fahnen werden verbrannt, Botschaften werden gestürmt, Menschen sterben. Wer hat in diesem Spiel eigentlich den größten Knall?

Ich bin für Meinungsfreiheit. Es kann nicht sein, dass alles und jedes auf diesem Globus kritisiert oder karikiert werden darf, nur nicht die Religionen. Zumal diese reichlich Angriffsflächen für Ironie bieten. Satire und Hetze sind aber zwei ganz unterschiedliche Dinge. Wenn es nur darum geht, anders denkende und glaubende Menschen zu verhöhnen, wird es widerlich. Da wünsche ich mir allerdings Gelassenheit. Wenn etwa ein Salafisten-Heini vor laufender Kamera eine Bibel zerreißt, sollte man sich denken: „Der Herr schenke Dir einen Muskelkater. Wir drucken uns eben eine neue.“

Das wirklich Schlimme an den derzeitigen Medienberichten aus dem arabischen Raum ist nämlich etwas anderes: Wir geraten geistig-moralisch wieder in die Spur, in der wir nach dem 9. September 2011 waren. Wir glauben, dass es sich bei den gewalttätigen Demonstranten um „Die Araber“ handelt. Araber beziehungsweise Muslime tragen entweder schlecht gestutzte Bärte oder sind voll verschleiert, sie schreien hysterisch durch die Gegend und wünschen uns Christen bei jeder Kleinigkeit Tod und Teufel an den Hals.

Tut mir leid, aber das kann nicht sein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es zur arabischen Lebensart gehört, dass jede Familie die Flaggen von zwölf EU-Staaten zwecks öffentlicher Verbrennung griffbereit im Schrank hat. Ich mag auch nicht glauben, dass sämtliche Muslime grundsätzlich tiefgläubig und dauernd latent beleidigt sind. Auf uns hätte es doch auch nicht gepasst, wenn uns nach dem Sturm auf ostdeutsche Asylbewerberheime alle Welt für Faschisten gehalten hätte. Und wenn sich schwarz gekleidete Demonstranten mit der Polizei prügeln – sagt man dann im Ausland „Erstaunlich, dass diese Deutschen trotz alledem so gute Autos bauen“?

Es ist doch ganz sicher so, dass die allermeisten Muslime die gleichen Wünsche haben wie wir: Sie wollen ohne Geldsorgen nach ihren Bedürfnissen in Freiheit leben und keinen Streit mit ihren Nachbarn haben. Daran sollten wir denken – vor allem, wenn im Fernsehen wieder eine Fahne brennt.

1 Kommentar in “Auch in Arabien: Die Deppen sind die Minderheit

  1. Naja, ob die Deppen in der Minderheit sind? Ganz egal wo auf der Welt, das bezweifle ich doch sehr. Albert Einstein – der viele kluge Dinge von sich gab – sagte einmal: „Es gibt zwei Dinge, die sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.“

    Und Einstein hatte das sehr richtig beobachtet. Leider sind die Deppen die Mehreren.

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