Immer Kaffee – weil der Russe nicht kam

Kurt Beck geht, Peer Steinbrück kommt. Alles ändert sich. Was aber hilft in diesen turbulenten Zeiten? Selbstverständlich: Eine gute Tasse Kaffee. Das schwarze Gebräu ist – mit oder ohne Zucker, Milch und Sahne – unser Rettungsanker und/oder unser Aufputschmittel. Jedenfalls ist dieses Getränk Kult.  Also war es gut, dass am 28. September der „Tag des Kaffees“ gefeiert wurde.

In meiner Jugendzeit gab es das noch nicht. Alles war anders. Unter der Woche gab es Kaffee als Pulver, das sich in heißem Wasser auflöste. Nescafé war eine beliebte Hausmarke. Anders an den Sonntagen. Dann holte Oma das feinste Geschirr aus dem Schrank. Heißes Wasser- wurde über einen mit Kaffeepulver – bevorzugt Marke Onko – gefüllten Filter – meistens Marke Melitta – in einer feierlichen Prozedur in die schicke Kanne geträufelt. Und beim Einschenken meinte Oma: „Trinken wir und essen wir noch eine Torte. Bevor der Russe kommt.“

Der Russe kam nicht, dafür tauchten zum Beispiel dieser Italiener ohne Auto oder eine gewisse Stephanie, Gräfin von Pfuel auf, welche uns Eduscho Gala schmackhaft machen wollte. Der Verzicht auf die  „Krönung“ belastete das Gewissen ähnlich schwer wie ein Weichspüler-Boykott.

Aber dann tauchte er auf, der Kaffee-Vollautomat. Wir haben viel gelernt. So etwa, dass sich kleine, bunte Alubehälter und wahrhaftige Romantik nicht ausschließen. Die Nespresso-Produkte nennen sich  Capriccio, Levanto oder Fortissio, was uns verheißt, dass jeder Kaffee wie eine große Arie aus einer italienischen Oper ist. Und dank der Fernsehwerbung können Frauen davon träumen, dass sich Georg Clooney für ihre Wäsche interessieren könnte. Für solche Visionen investieren wir gerne viel Geld. Der Kaffee-Vollautomat ist statusmäßig das iPhone unserer Haushaltsgeräte.

Ein Knopfdruck genügt – und es zischt, schäumt und duftet gar wunderbar. Zu jeder Tag- und Nachtzeit. Wann immer wir wollen.

Zugegeben: Gut schmeckt er, dieser Kaffee. Aber mit Ritual, so wie damals bei Oma, war der Genuss trotzdem größer. Böser Russe, Du fehlst uns. Irgendwie.