Am Lagerfeuer mit Herrn Jauch

Ist es nicht phantastisch? Wir leben im Land der unbegrenzten Freizeitmöglichkeiten. Selbst in unserer „staden Zeit“, den Sommerferien, haben wir tagtäglich die Auswahl unter mindestens zwei Dutzend Angeboten. Wir können ins Museum gehen, ein Konzert anhören, mit dem Volksfest-Riesenrad fahren oder uns mit Freunden im Biergarten treffen. Aber was tun wir wirklich? Wir sitzen vor der Glotze.

Fernsehen ist nach einer Studie der BAT-Stiftung die liebste beziehungsweise häufigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Wobei uns das Programm oft gar nicht fesselt. Wir sitzen vielmehr da, machen irgendetwas nebenbei und konzentrieren uns frühestens ab der 125.000-Euro-Frage. Klingt nach purer Zeitverschwendung. Ist es auch. Und es ist verständlich.

Dann auch wir haben unsere Geschichte. Wir haben als Homo sapiens  nicht im Paradies, sondern in der afrikanischen Savanne begonnen. Wir haben nach Wurzeln gegraben, Beeren gepflückt und bei Bedarf ein Tier erlegt. Kühlschränke hatten wir nicht, also mussten wir es auch nicht übertreiben. Ein Zwei- bis Vier-Stunden-Arbeitstag hat gereicht.

Der Rest war Freizeit. Und abends haben sich die Jäger und Sammler vor dem Lagefeuer versammelt. Sie haben sich wilde Geschichten erzählt oder stumm in die dunkle Wildnis geblickt, ehe sie der Fortpflanzung ihrer famosen Spezies dienten. Auch dafür war Zeit. Man konnte ja locker verschlafen. Dann kam ein heftiger Klimawandel, weshalb man sich aufmachte, den Rest der Welt zu erobern. Was ja überzeugend gelungen ist.

Das war vor hunderttausend Jahren. Unsere heutige städtische Lebensweise dagegen ist noch nicht einmal 200 Jahre alt. Dementsprechend  stresst sie uns. Denn so sehr wir auch durch die Gegend rennen, steckt die Sehnsucht nach dem Lagerfeuer tief in unserem Hirn. Womit wir bei den Talkshows wären. Auch da sitzen Menschen herum und erzählen seltsames Zeug, von dem uns schon am nächsten Tag nichts mehr in Erinnerung ist.

Eigentlich fatal. Aber sehen wir es doch gelassen. Er gefällt uns eben, der Abend am Lagerfeuer mit Herrn Jauch. Nehmen wir das doch einfach hin. Denn die Suche nach der perfekten sinnvollen Freizeit ist wieder auch eines: Neuer Stress, den wir eigentlich nicht brauchen können.

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