Blasphemie? Der Papst ist kein Gott

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.

Kämpfer gegen Blasphemie: Erzbischof Ludwig Schick.

Die Ferienzeit ist die Zeit der überflüssigen Nachrichten. Hauptsächlich bringt das so genannte Sommerloch absurde Ideen  unbedeutender Politiker hervor. Aber was Parlaments-Hinterbänkler können, schafft auch ein Gottesmann: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat gefordert, Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Auslöser für seinen  Vorstoß war ein Titelbild der Satire-Zeitschrift „Titanic“. Darauf war der Papst mit einem gelben Flecken auf der Soutane zu sehen.

Sicher, es ist geschmacklos, über eine mögliche Inkontinenz bei einem alten Mann zu spotten. Aber worüber redet Erzbischof Schick? Das griechische Wort Blasphemie steht für eine durch Taten und Worte offenbarte Ehrfurchtlosigkeit der Gottheit gegenüber. Ganz früher fühlte sich die Gemeinschaft von der Rache der verspotteten Gottheit bedroht. Das Schandmaul musste weg, üblicherweise durch Steinigung. So steht es bei Moses im Alten Testament.

Während sich aber diese Hinrichtungsart in verschiedenen islamischen Ländern derart bewährt hat, dass sie auch heute noch für weitaus harmlosere Delikte genutzt wird, gibt es bei uns den Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: „Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Eine Strafandrohung existiert also, weshalb man mit den Worten von Fußballgott Giovanni Trappatoni fragen könnte: „Was erlaube  Schick?“. Aber es geht noch um etwas anderes, nämlich um die Frage, ob Papstlästerung blasphemisch ist.

Selbstverständlich nicht. Benedikt XVI. ist nicht Gott, er wird vielmehr als Stellvertreter Christi auf Erden geführt. Nun war auch dieser kein voller Gott, sondern wenigstens ein halber Mensch. Joseph Ratzinger wiederum ist kein Heiliger. Er ist Vorstandsvorsitzender  eines global agierenden Weltanschauungskonzernes, der allerdings in der Öffentlichkeit zumeist mit salbungsvoller Stimme spricht. Hinzu kommt: Da uns Gott selbst hat wissen lassen, dass er keine anderen Götter neben sich duldet, sollte man den Papst nicht mit ihm auf eine Stufe stellen.

Verlassen wir uns doch darauf, dass die unverschämten Satire-Redakteure durch Gott selbst gerecht und angemessen bestraft werden. Und sei es durch eine Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht. Wenn man sich allerdings so anschaut, welche absurden und üblen Dinge tagtäglich auf dieser Welt passieren, könnte man sich auch vorstellen, dass sich der himmlische Zyniker die Hände reibt und sich diebisch darüber freut, dass seinem Bayern-Beni mal eine reingewürgt wurde.

Das aber wissen wir nicht. Wir wissen nur dies: Die Wege des Herrn sind unergründlich.

 

 

 

2 Kommentare in “Blasphemie? Der Papst ist kein Gott

  1. Klar können wir einen Gotteslästerungs-Paragraphen einführen.

    Aber nur, wenn der Beleidigte persönlich die Klage einreicht. Wenn von da nix kommt, dann lassen wird das halt. Wo kein Kläger, da kein Richter.

    Übrigens: Ist nicht schon das Amt des Erzbischof eine Blasphemie für jeden andersgläubigen? Nicht nur die Katholiken sage, es gibt nur einen „Gott“. Also beleidigt ein Katholik nicht schon durch seinen Glauben alle anderen Religionsgemeinschaften?

  2. Der Erdbeerschorsch Herr Schick sollte sich mal seinen Dom von außen genauer betrachten. Da gibt es das Fürstenportal, welches das jüngste Gericht darstellt. Auf der Seite der Verdammten sind kirchliche Würdenträger (wahrscheinlich Bischöfe) dargestellt, während auf der Seite der Seeligen diese Personengruppe völlig fehlt. Man wusste seinerzeit ganz genau, mit wem man es da zu tun hat.

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