Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

Was müssen unsere Politiker verzweifelt sein: Da möchten sie ein weltweit akzeptiertes Geschäftsmodell nutzen, um die Kassen der notleidenden Kommunen zu füllen, bekommen aber ausschließlich Gegenwind. Das Volk ruft: „Adresshandel? Niemals!“

Sollte das vom Bundestag beschlossene neue Meldegesetz kommen, dürften die Einwohnermeldeämter persönliche Daten von Bürgern gegen Gebühr an Firmen und Adresshändler weitergeben. Und das könnte sich lohnen. Facebook ist auf diese Tour derart berühmt geworden, dass es den gewaltigsten Börsengang dieses Jahrtausends hinbekommen hat. Hat sich zwar für die Anleger nicht gelohnt. Aber trotzdem: Meine Heimatstadt Nürnberg bekäme die Chance, zur Aktiengesellschaft zu werden. Alle Stadtratsmitglieder wären mit einem Schlag Millionäre. Sämtliche Schlaglöcher würden in Windeseile gestopft.

Doch wir wollen nicht. Weil wir unsere Daten lieber verschenken. Weil wir die Sorgen haben, dass uns Facebook anwendungstechnisch den Hahn abdreht, wenn unsere persönlichen Dten schon anderweitig verscherbelt sind und deshalb nur noch Ramschstatus haben. Schlaglöcher? Die kümmern uns nicht, solange wir nur kostenlos surfen und uns miteilen können.

Bleibt in all dieser Aufregung diese große Frage: Warum vertrauen wir dem bleichen US-Knilch Mark Zuckerberg mehr als unserer Angela Merkel? Das ist in der Tat ein Rätsel.

2 Kommentare in “Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

  1. Ich nehme an das ist Satire.
    Falls das nicht allen klar ist, hier die Erklaerung warum einem hier nur das Lachen im Halse stecken bleiben kann:

    Das (siehe letzter Absatz des Artikels) ist nicht die Frage um die es geht. Es geht hier nicht um Vertrauen sondern um Wahlfreiheit.
    Niemand zwingt mich bei Facebook oder Google+ oder in sonst einem sozialen Netzwerk mitzumachen. Und wenn ich es tue, dann ist meine freie Entscheidung. Ich kann auch pseudonym teilnehmen.
    Und selbst mit diesen Bedingungen ist der Datenschutz bei Facebook und Co ziemlich fragwuerdig. Dagegen schimpfen die Datenschuetzer unisono und Frau Aigner loescht demonstrativ ihren FB-Account.

    Die staatliche Verwaltung laesst mir nicht die Wahl meine Daten zu hinterlegen, ich habe die Pflicht mich anzumelden. Bisher kann ich wenigstens dem Verkauf meiner Daten widersprechen (GEMA und Kirche duerfen trotzdem dran). Das ist naemlich auch mit dem jetzigen Gesetz schon moeglich und wird auch genutzt. Zwar ist es auch jetzt nur ein OptOut, d.h. ich muss aktiv widersprechen! (in den meisten Einwohnermeldeaemter muss ich explizit nach dem Formular fragen und werde nicht darauf hingewiesen). Die neue Regelung wuerde mir nicht mal diese Moeglichkeit geben. Das ist ungefaehr so als waere ein Facebookaccount obligatorisch…..

    Das Raetsel ist ja wohl eher wie es die Bundesregierung gleichzeitig schafft Facebook zu verteufeln und das Gesetz so vorzulegen. Vor allem wenn die urspruengliche Fassung noch ein OptIn vorsah.

  2. @Turtle: Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung, sonst hätte tatsächlich die Gefahr bestanden, hier etwas misszuverstehen. Übrigens, Sie meinten sicher die GEZ und nicht die GEMA.

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