Der wahre Terrorist hat Aknepickel

Deutschland, sei wachsam! Der Feind lauert in deinem Inneren! Er ist jung. Er hat gerade noch Salbe auf seine Aknepickel geschmiert, ehe er seiner perversen Lust auf große Getümmel freien Lauf lässt. Jawohl, der Staatsfeind ist Veranstalter einer Facebook-Party.

Es hat tatsächlich den Anschein, als seien sozial netzwerkende Jugendliche die zweite große Bedrohung neben Al Kaida. Sobald die Klickzahl auf einer Veranstaltungsseite die Marke von 1000 übersteigt, zwängen sich die Männer und Frauen vom Sondereinsatzkommando der Polizei in ihre Kampfkleidung und schnüffeln zähnefletschende Schäferhunde an Flachbildschirmen. Hubschrauber werden betankt, das Waffengeschäft mit Katar kommt ins Stocken, weil man die Leopard-Panzer vielleicht doch im eigenen Land braucht. Einfach so feiern? Wo kommen wir da hin?

Der bislang letzte nachhaltig entlarvte Partyterrorist war ein Auszubildender in Konstanz. Dieser hatte für eine Facebook-Party im dortigen Freibad 2500 Anmeldungen gesammelt. Bei der Veranstaltung kam es zu Sachbeschädigungen und zu Rangeleien mit der Polizei. Letztlich wurde dem Lehrling eine Rechnung über 227.052 Euro präsentiert.

Man darf an dieser Stelle doch einmal fragen, ob das alles sein musste. Wo soll eigentlich die Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegen, wenn sich in einem Freibad 2500 Menschen treffen? An einem sonnigen Tag sind es noch viel mehr. Ist es notwendig, dass die Polizei in einem solchen Fall ausrückt und durch ihren Auftritt Widerstände erst provoziert? Gerät dieser Staat wirklich ins Wanken, wenn es eine Freiluft-Party gibt, die nur unwesentlich mehr Gäste hat als jede durchschnittliche türkische Hochzeit? Wie groß wird das Polizeiaufgebot sein, das die Besucher des nächsten Klassik-Open-Airs kontrolliert und bewacht?

Zumal andere Partyterroristen geradezu gehätschelt werden. Nehmen wir Horst Seehofer. Dieser hatte – um die Jugendlichkeit seiner Partei und seiner selbst zu beweisen – zur Facebook-Sause in den Münchner Schickimicki-Bumsschuppen P 1 eingeladen. 2500 Menschen drohten mit ihrem Erscheinen, wegen der riesigen Nachfrage wurde die Einladungsliste in einer panischen Aktion geschlossen. Wurde damals Ritter, Tod und Teufel geschrien? Wurde gar der CSU nach der müden Veranstaltung eine saftige Rechnung der Sicherheitskräfte ausgestellt?

Nein, und das, obwohl ein Horst Seehofer für diesen Staat gefährlicher ist als jeder wildgewordene Azubi aus Konstanz. Droht ständig mit Koalitionsbruch, wechselt seine politische Meinung bei Bedarf alle drei Tage. Er ist wahrhaftig ein unsicheres Element.

Aber klar, das ist jetzt polemisch hoch drei. Die Wahrheit ist und bleibt: Eine größere Bedrohung als die Jugend kann es für eine Gesellschaft wie die unsere gar nicht geben.

 

 

Kein Gold? Deutsche Roboter für Olympia!

Welch Leid, welch Leid! Ein ganzes Wochenende hat unsere Nation vergeblich gehofft und gebangt. Zum Olympia-Auftakt hat es keine einzige Goldmedaille gegeben. Doch wir haben Hoffnung: Setzen wir auf deutsche Ingenieurskunst.

Es ist das Wesen des Sportfans, dass er die kleinen Männchen und Weibchen, die da über seinen Bildschirm laufen, als Maschinen betrachtet. Für die Generation Playstation etwa unterscheidet sich ein virtueller Ronaldo kaum noch vom echten. Und so erwarten wir, dass diese Sportlerinnen und Sportler  gefälligst funktionieren und gewinnen. Was aber, wenn sämtliche Schwimmer absaufen und wenn es nicht mal mehr in Randsportarten wie dem Tontaubenschießen oder dem Frauenradfahren  zu Goldmedaillen reicht?

Es muss etwas geschehen. Denn der Anblick des Medaillenpiegels bohrt tief in unsere offenen Wunden. So lernen wir aus dieser Statistik, dass der Kommunismus tatsächlich die überlegene Gesellschaftsform ist. Und wir stellen fest, dass Klasse auch aus Masse entsteht. Ein Volk, das in der Fortpflanzung versagt, gerät irgendwann zwangsläufig ins Hintertreffen.

Wenn aber nicht einmal eine Ministerin wie Kristina Schröder einen Babyboom auszulösen vermag, bleibt uns nur noch der Blick auf die Olympischen Spiele für Roboter, die es in diesen Tagen gegeben hat. Dort treten Maschinen in sämtlichen olympischen Sportarten an und schneiden meist besser ab als die tollsten Menschen.

In China wird ein Schwimm-Teenager dank eines 2wissenschaftlichen Trainings” auf Männerzeiten hingezüchtet? Lächerlich! Das wird ihnen nichts mehr helfen, wenn die deutschen Athletinnen und Athleten direkt den Labors und Hallen des weltweit einmaligsten Maschinenbaus entspringen. Von wegen “Der Sozialismus siegt!”. Gehen wir es an – mit einer kleinen Ausnahme. Beachvolleyball der Damen sollte weiterhin von echten Menschen gespielt werden.

 

Katar, das unerklärliche Panzer-Land

Schon immer hat der Orient auf uns eine geheimnisvolle Faszination ausgelöst. Vieles war und ist dort anders. Die Hotels sind größer als bei uns, es gibt Eislaufhallen in der Wüste, in manchen Gegenden laufen mehr Männer bewaffnet herum als in den seltsamsten Bundesstaaten der USA und Frauen dürfen nicht überall ein Auto fahren. Ein besonders unerklärliches Land ist aber Katar. Dort liebt man Fußball – und braucht dringend Panzer.

Dieser Wüstenstaat hat etwa gleich viele Einwohner wie Hamburg, er ist nur unwesentlich größer als die Oberpfalz. Trotzdem hat er große Pläne. So hat Katar dank des unbestechlichen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zugesprochen bekommen. Dafür braucht man normalerweise etwas Platz und ein paar richtige Städte. Aber das Land liegt ja im unerklärlichen Orient.

Nun soll hochgerüstet werden. 200 Leopard-Panzer könnten nach Katar verkauft werden. Das wäre, gemessen an der Einwohnerzahl, eine gewaltige Quote von einem Leo pro 8500 Einwohner. In einer Stadt wie Nürnberg müssten demnach zirka 60 solcher Kampfmaschinen stationiert werden, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.  Schon 2009 hatte Katars Regierung nach 36 solcher Panzer gefragt. Das Geschäft warvom Bu ndessicherheitsrat genehmigt worden, kam aber nicht zustande. Warum sich der Bedarf seitdem so enorm derart erhöht hat, ist rätselhaft.

Vermutlich wird eine gestiegene Bedrohung durch Iran als Begründung herhalten. Das Ruhigstellen der ganz überwiegend aus Ausländern bestehenden Bevölkerung erscheint als das wahrscheinlichere Motiv. Oder Katar spielt nur den Zwischenhöndler für Staaten, die schlechter an deutsche Panzer herankommen.

Vielleicht geht es aber darum, das eigene Milität attraktiver zu machen. Gerade die Lust auf den Dienst im Heer ist im reichen Katar gering. Es könnte also nach dem Prinzip gehen: Jedem Mann das bestmögliche Spielzeug. Dem Scheich das deutsche Luxus-SUV, dem Soldaten den tollsten Panzer der Welt.

Das wäre die harmlose Variante. Nun denn, grübeln wir weiter, über den Leo und Katar. Sofern sich das überhaupt gehört, wenn zwei Milliarden Euro winken.

 

 

 

 

 

 

Krise? Not? Egal, das Geld muss raus!

Eine Frau, ein Kleid: Angeka Merkel mit Mann, Dirigent und Krawallmacher.

Eine Frau, ein Kleid: Angela Merkel mit Mann, Dirigent und Krawallmacher.

Herbei, Ihr Retter! Der Untergang ist nah! So möchte man es hinausrufen ins raue Klima des globalisierten Globus. Wohin man schaut, ist nichts mehr sicher. Euro? Schicksal ungewiss? Renten? Bestimmt geringer als gedacht. 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth? Ohne Nichtabstiegsgarantie. Fazit: Wir können uns nur noch selber helfen.

Zum Beispiel durch Shopping. Experten der Gesellschaft für Konsumforschung wollen herausgefunden haben, dass die Menschen in der Krise ihr Geld lieber verprassen, anstatt die 0,7 Prozent Guthabenzinsen bei ihrer Hausbank einzustreichen. “Die Anschaffungsneigung ist überraschend hoch”, heißt es dazu in der Sprache der Marktforscher.

Ich grüble bloß: Woher wissen die das? Wurden Sie, liebe Leserin, lieber Leser jemals von einem jungen Mann im schwarzen Businessanzug nach ihrer Anschaffungsneigung gefragt? Kennen sie jemand, der jemals nach seiner Anschaffungsneigung gefragt wurde. Haben Sie jemals erklärt, dass sie gedenken, am langen Samstag anschaffen zu gehen.

Wenn ich meiner Fleischereifachverkäuferin gegenüberstehe, sagt die immer noch “Wos derfs  denn sei?”, aber nie “Hamm Sie heid a Neichung nach unsrer Gelbworschd?”.  Niemals hat mich eine Kassiererin beim Discounter gefragt, ob der Kauf von Klopapier und Dosenbier meinen Neigungen entspricht. Oder beschreibt die Anschaffungsneigung in Wahrheit die Körperhaltung beim Blick in einen Wühltisch?

Nein, das ist doch alles frei erfunden. Und den besten Beweis dafür liefert unser aller Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Besuch bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth trug sie wahrhaftig ihre türkisfarbene Premierenrobe aus dem Jahr 2008. Wenn aber schon die Regierungschefin ein derart demonstrative Unlust auf hochpreisige Anschaffungen verströmt – wie soll dann das einfach Volk freudig die Kassen klingeln lassen?

Begreift doch endlich: Dieses Land, dieses Europa wird nicht dadurch gerettet, dass man nur noch alle 20 Jahre ein neues Auto, aber dafür alle neun Monate ein neues Handy kauft. Das Geld muss raus. Und zwar richtig! Merkeln Sie sich das, Frau Bundeskanzlerin!

Billigbier, oder: Wir bejubeln den Stillstand

Wie schön, wir sind bescheiden geworden. Über Jahrzehnte hinweg galt es als wichtiges und richtiges  Ziel, für Wachstum zu sorgen. Und das auch in den Geldbeuteln der Menschen. Heute aber feiern wir folgende Meldung: Es geht uns genauso gut wie vor 21 Jahren.

Damals, nach der deutschen Wiedervereinigung, herrschte in der Wirtschaft die pure Euphorie. Mit einem Schlag waren über 16 Millionen hungrige Konsumenten dazugekommen.  Menschen, die endlich ein richtiges Auto fahren und in völliger Freiheit Bananen essen wollten. Die es nicht erwarten konnten, die Schlange im HO-Geschäft mit jener bei Aldi oder Lidl einzutauschen. Von nun an, so war man sich sicher, würden alle Statistik-Kurven unserer Wirtschaft nur noch eine Richtung kennen. Nämlich nach oben.

Das ist Vergangenheit. Heute feiern wir den Stillstand.Wie das Institut der deutschen Wirt­schaft mitgeteilt hat, sind Nettolöhne und Warenpreise seit 1991 im gleichen Ver­hältnis zueinander gestiegen. 2011 habe demnach ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren bekommen. Die Warenpreise seien im selben Zeit­raum um 43 Prozent geklettert. Die Kaufkraft sei daher gleichgeblieben.

Ein schlagendes Beispiel für seine Vergleichsrechnung liefert das Institut gleich mit. Eine Flasche erfordere wie früher eine Arbeitsleistung von drei Minuten. Für ein Kotelett reichten pro Kilo Fleisch sogar statt damals 36 heute 30 Minuten.

Nette Statistik, aber was ist mit den Preisen für Benzin oder Gas? Auch andere ausgewählte Produkte haben sich stärker verteuert. Bienenhonig ist innerhalb der letzten zehn Jahre um 134 Prozent teurer geworden, Schokolade um 112 Prozent, italienische Spaghetti um 84 Prozent und Joghurt um 67 Prozent.

Offensichtlich gilt auch hier der Satz: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Solange wir noch billiges Bier haben, ist uns Trost gewiss.

Wo Geld lockt, wird Onkel Doktor gierig

Sind wir eigentlich wirklich so naiv? Oder tun wir nur so? Da gibt es einen Skandal um einen organräuberischen Oberfarzt in Göttingen. Und alle geben sich entsetzt. Wie kann in einem Chirurgenkittel so viel Geldgier und Niedertracht stecken? Ich frage: Wieso denn nicht?

Unser Gesundheitswesen ist doch ein riesiengroßer Markt. Sicher, die Prospekte der Krankenhäuser oder Pflegeheime versprechen großartige Therapien und menschliche Hingabe. Am besten ganzheitlich und nachhaltig in der Großpackung. Die Realität aber ist oft genug eiskalte Effizienz. Die bedeutet billige Pflege mit der Stoppuhr in der Hand.

Und was ist mit den Beschäftigten? Ja, Krankhäuser sind Tempel der körperlichen Reinigung. Sie sind rauchfrei, ganz konsequent. Aber in keiner Branche gibt es inzwischen mehr Krankheitstage der Beschäftigten als im Gesundheitswesen. Der größte Teil der Pflegekräfte kann sich nicht vorstellen, in diesem Beruf das Rentenalter zu erreichen. Bis 2020 fehlen nach Expertenmeinung in Deutschland wegen der alternden Gesellschaft rund 400.000 zusätzliche Pflegekräfte. Woher sollen die kommen, wenn die Hartz-IV-Empfänger schon für Krippen und Kindergärten gebraucht werden?

Zurzeit kommen sie verstärkt aus Spanien und Griechenland. Die Eurokrise lässt kranke Volkswirtschaften dahinsiechen. Aber sie hilft unseren Alten und Kranken.

Doch zurück zur Organspende: Auf unserem Gesundheitsmarkt werden Dienstleistungen, für die die Krankenkassen gut löhnen, besonders gerne erbracht. Künstliche Hüfte sind so etwas. Aber eben auch lebensrettende Transplantationen.

Da ist sie dann, die Gier. Werden wir also realistisch und verschwenden wir nicht mehr die Zeit damit, Talkshows oder Werbespots über den Edelmut der Organspender zu konsumieren. Das ist Romantik. Die Wahrheit ist, dass auch die Kliniken unser Bestes wollen, nämlich unser Geld. Und wenn es in Form einer brauchbaren Leber daherkommt.

 

Wenn die Angst in der Tiefe lauert…

Das Leben kann so schön sein. Man steht faul am Ufer eines Sees herum, blinzelt in die Sonne und denkt mitleidvoll an all die anderen, die ihren Urlaub erst im November haben. Doch so einfach ist es nicht! Tatsächlich ist man in höchster Gefahr. Denn was ist, wenn hinter einem  ein Monster lauert? Eines, das plötzlich aus dem stillen Wasser schießt und einen auf der Stelle mit Haut und Haaren verzehrt?

Solche Ängste hatten sie gerade in der Oberpfalz. Die Menschen fürchteten, dass im Mittleren Klausensee bei Schwandorf ein ein Meter langes Krokodil auf  arglose Badegäste lauern würde. Nun ist ein Krokodil in der Oberpfalz ähnlich wahrscheinlich wie ein auf Bäumen lebender Langhaardackel auf Madagskar. Aber: Das Unerwartete trifft uns oft besonders hart. So wurde Deutschland nicht Europameister. Das Amputieren von Gliedmaßen durch gezielte Bisse aus der Tiefe ist also nie und nirgends völlig auszuschließen.

Zumal das im Wasser lebende Ungeheuer nicht erst seit “Der Weiße Hai I”, sondern seit Jahrtausenden eine Urangst ist. An sie kommt eigentlich nur noch das Bibbern vor nachaktiven, untoten Fledermäusen heran.

Doch es gibt noch so viele andere Ängst. Wer an Zemmiphobie leidet, fühlt sich durch Maulwürfe bedroht. Die Kyphophoben, haben Angst davor, sich bücken zu müssen. Arachnophoben stellt es sich bei Spinnen die Nackenhaare auf, ochlophobe Menschen flippen beim Gedanken an Menschenmengen aus.Coulrophobe Zeitgenossen finden Clowns anghsteinflößend.

Die größtmögliche Steigerung all dieses Leid betrifft jedoch die Phobophoben. Sie haben Angst vor der Angst.

Hiergegen muss etwas getan werden. Ich lade sie also ein zum großen Kurs “Meine Angst kotzt mich an”. Teil 1 widmen wir dem angeblichen Oberpfälzer Krkodil namens “Klausi”, was sich inzwischen als harmloser Biber entpuppt hat. Stellen Sie sich in ihr Badwasser und sprechen sie drei Mal laut diesen Satz: “Ey Krokodil. Halt disch zurück. Isch weiß, wie du schmeckst.”

 

Der Gutmensch scheitert beim Diktator

“Der syrische Präsident ist anders als all die Diktatoren, die ich in meinem politischen Leben kennenlernen musste. Er ist ein stiller, nachdenklicher Mann.” Mit dieser Erkenntnis ist der ehemalige CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer von einer persönlichen Begegnung mit Baschar al-Assad zurückgekehrt. Er wollte der Wahrheit dienen, ist aber einem skrupellosen Herrscherauf den Leim gegangen. Wie es immer so schön heißt: Gut gemeint ist meistens Mist.

Diktatoren kennt Jürgen Todenhöfer in der Tat. 1973 kämpfte er gegen einen Kredit der Bundesrepublik an Chiles frei gewählte Regierung unter Salvador Allende, um später bei Diktator Augusto Pinochet auf der Couch zu sitzen. Wegen seiner stramm reaktionären Positionen wurde er Anfang der 80-er Jahre zur so genannten “Stahlhelmfraktion” der CDU gezählt. Nach einigen Reisen in den Nahen Osten und nach Afghanistan, wo er an der Seite der Mudschahedin-Kämpfer Angriffe des russischen Militärs unmittelbar erlebte, wandelte er sich zum Gegner der westlichen Politik. Die von den USA begonnenen Kriege im Irak und in Afghanistan kritisierte er heftig.

Über Assad denkt er offensichtlich nichts wirklich Schlechtes. Bereits im November vergangenen Jahres hatte er den Diktator getroffen und anschließend verlauten lassen, dass man mit diesemverhandeln sollte. Die meisten Syrer stünden auf seiner Seite, der Herrscher setze sich glaubhaft für Demokratie ein. Und jetzt ließ er den Diktator unwidersprochen brabbeln und lieferte noch eine erstaunliche Definition von Demokratie. Mitmachen dürfe nur, wer Sitze im Parlament habe. Wer ansonsten als Opposition auftrete, vertrete aber vielleicht nur sich selbst. Rebellen dürfen demnach nicht.

Sein übles Interview ist das Ergebnis, wenn jemand zwanghaft eine spezielle Meinung vertreten will, aber im Umgang mit einem Despoten  erschreckend naiv ist.

Denn selbst, wenn er mit Blick auf das Auftreten von Assad richtig liegen sollte: Hilft es einem Kind mit zertrümmertem Schädel, wenn der Befehl zum Massaker still und nachdenklich gegeben wurde?” Die Antwort ist wohl klar…

122 Millionen Mal Glück ist nicht genug

Wer heutzutage das Glück sucht, dem stehen viele, viele Helferlein zur Seite. Der Suchbegriff „Glück“ führt bei Google zu 122 Millionen Treffern. Beim Internet-Händler Amazon meldet die gleiche Anfrage 44.744 Produkte, für die dieser Begriff verwendet wird. Tipps für die Suche nach seliger Zufriedenheit fehlen also nicht. Warum sind dann viele Menschen so furchtbar unzufrieden?

Ein Grund ist sicher, dass das, woran wir gerade denken, immer woanders ist. Eine neuere wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass die meisten Männer beim Aufstehen die Arbeit im Kopf haben. Dort angekommen, denken sie an Sex. Und wenn sie wieder daheim sind, denken sie an Sport, vorzugsweise Fußball. Tatsächlich aber werden sie, falls sie verheiratet sind, mit der Frage konfrontiert: “Wie war Dein Tag?”. Die ehrliche Antwort – prallvoll mit Sexphantasien – verbietet sich. Die sonstige Ratlosigkeit jedoch wird als Kommunikationsverweigerung aufgefasst. Also müssen die Männer erklären, warum während bedeutender sportlicher Begegnungen Gespräche nicht erwünscht sind.

Diese Unterredung endet erst, wenn die spannendsten Momente des Sportereignisses vorbei sind. Unser Mann trinkt einen Absacker, schläft zornig ein – und träumt vermutlich von der Arbeit.

Ja, aber wo ist da die Liebe? Wo ist die Erotik? Braucht es nicht, denn nach einer anderen Studie würden 57,6 Prozent der Frauen lieber ein Jahr lang auf Sex verzichten als auf Fernsehen. Dieser ist zuverlässig vorhanden. Sport läuft ja nicht immer.

Bei Männern soll es übrigens ganz anderes sein: Für 61,6 Prozent ist TV eher verzichtbar als Erotik. Sagen die Männer über sich selbst. Gelegenheiten, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu untersuchen gibt es in Kürze während der Olympischen Spiele.  Der Test für Frauen geht so: Bestehen Sie auf der Übertragung vom Dressurreite, während zeitgleich Beach-Volleyball der Damen läuft.

Es wird sich – meine Prognose – der große Wahrheitsgehalt einer anderen Studie erweisen: Es gibt einen starken Trend zum Zweitfernseher.

 

Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

Was müssen unsere Politiker verzweifelt sein: Da möchten sie ein weltweit akzeptiertes Geschäftsmodell nutzen, um die Kassen der notleidenden Kommunen zu füllen, bekommen aber ausschließlich Gegenwind. Das Volk ruft: “Adresshandel? Niemals!”

Sollte das vom Bundestag beschlossene neue Meldegesetz kommen, dürften die Einwohnermeldeämter persönliche Daten von Bürgern gegen Gebühr an Firmen und Adresshändler weitergeben. Und das könnte sich lohnen. Facebook ist auf diese Tour derart berühmt geworden, dass es den gewaltigsten Börsengang dieses Jahrtausends hinbekommen hat. Hat sich zwar für die Anleger nicht gelohnt. Aber trotzdem: Meine Heimatstadt Nürnberg bekäme die Chance, zur Aktiengesellschaft zu werden. Alle Stadtratsmitglieder wären mit einem Schlag Millionäre. Sämtliche Schlaglöcher würden in Windeseile gestopft.

Doch wir wollen nicht. Weil wir unsere Daten lieber verschenken. Weil wir die Sorgen haben, dass uns Facebook anwendungstechnisch den Hahn abdreht, wenn unsere persönlichen Dten schon anderweitig verscherbelt sind und deshalb nur noch Ramschstatus haben. Schlaglöcher? Die kümmern uns nicht, solange wir nur kostenlos surfen und uns miteilen können.

Bleibt in all dieser Aufregung diese große Frage: Warum vertrauen wir dem bleichen US-Knilch Mark Zuckerberg mehr als unserer Angela Merkel? Das ist in der Tat ein Rätsel.