Lieber Fußballgott, Du bist so weise!

Seit Donnerstag ist Heidi Klum für Seal kein Problem mehr. Foto: dpa

Seit Donnerstag ist Heidi Klum für Seal kein Problem mehr. Foto: dpa

„Herr, Warum hast du uns verlassen:“ So hadern heute viele deutsche Fans mit dem Fußballgott. Warum mag er uns seit vielen Jahren nie so ganz? Sehen wir es aber doch mal anders: Italien gewinnen zu lassen, war eine ausgesprochen weise Entscheidung.

Das merkt man zum Beispiel an den Schlagzeilen italienischer Zeitungen. „Ciao Merkel!“ lautet eine davon. Und das sagt uns, dass es für die Menschen in anderen Ländern ungeheuer wichtig ist, dass die Deutschen auch einmal eine auf die Mütze kriegen. Man erlebt, dass wir nicht unbesiegbar sind – und das tut vielen gut.

Jetzt steht fest, dass zwei Krisenländer den Fußball-Europameister ermitteln. Spanien, mit 62 Prozent Ballbesitz und 51 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sowie Italien, das von einem dunkelhäutigen Exzentriker angeführt wird. Lustig für ein Land, in dem Schwarzafrikanern ansonsten vor allem für den Straßenverkauf von Feuerzeugen und Freundschaftsbändern zuständig sind. Der Held Balotelli muss die in Italien vergleichsweise zahlreichen Rassisten elendig ärgern. Und das ist richtig gut so.

Aber auch Deutschland tut die Niederlage gut. Hätte unsere Nationalelf wieder gewonnen und hätte sie sogar den Titel geholt, wären wir in Europa noch ein Stückchen unbeliebter geworden. Aber so freuen sich andere, dass wir für unseren Geiz und unser Strebertum auch einmal bestraft werden.

Schließlich: Angela Merkel bleibt die Reise nach Kiew erspart. Sie muss nicht Julia Timoschenko besuchen, sie braucht sich auch nicht neben ukrainische Musterdemokraten auf die Tribüne setzen. Da muss jetzt ein Italiener hin, wobei uns Silvio angesichts seiner verwandten Denkstrukturen die beste Besetzung wäre.

Letztlich stellen wir fest: “Lieber Fußballgott, Du hast diesen Pokal von uns genommen. Die Last des Abschiednehmens wiegt schwer auf unseren Seelen. Doch wir wissen, dass es gut ist. Lieber Fußballgott, wir danken Dir!”

Wir brauchen die Partei des deutschen Fußballs!

Reden kann Jogi Löw. Er wäre ein guter Kanzlerkandidat.

Reden kann Jogi Löw. Er wäre ein guter Kanzlerkandidat.

Vorüber, ach vorüber. Die politische Landschaft war früher angenehm überschaubar. Es gab vier Parteien, wobei die CSU, wie jetzt auch wieder, gerne laut, aber folgenlos auf ihrr Eigenständigkeit beharrte. Aber jetzt? Sechs Parteien sind schon im Bundestag, die Piraten kommen vermutlich noch dazu. Und wer weiß, was sich bis zur Wahl im kommenden Jahr alles noch ergibt.

Ganz aktuell droht der Nation eine Sängerpartei. Gotthilf Fischer, Erfinder des freudetrunkenen Massengesangs, möchte mit einer “Singenden Volkspartei” in den Bundestag einziehen. Eine gar nicht mal so schlechte Idee. Fehlt uns doch in diesen Krisenzeiten die Leichtigkeit, mit der die deutsche Nationalelf in griechische Strafräume stürmt. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen ginge vieles leichter.

Drei Probleme gibt es allerdings: Der Volksmund hat sich beim Reimen seiner Volkslieder bislang noch keinen Reim auf zeitgemäße Begriffe wie Fiskalpakt oder Betreuungsgeld gemacht. Außerdem werden Sänger(innen) lästig, wenn sie nicht mehr wissen, wann sie aufhören müssen. Und schließlich sagen erste Prognosen, dass eine Sängerpartei kaum in großer Zahl ins Parlament kommen wird. Wen aber soll ein fünfköpfiges Chörlein beeindrucken?

Im Trend liegt unser Sangesfreund Fischer aber allemal Das Stichwort heißt “Partikularinteressen”. Ging man früher davon aus, dass drei Parteien reichen würden, um das ganze Spektrum unseres Daseins abzudecken, so gilt heute diese Richtung: Für jedes Problem eine eigene Partei. Für jedes Interesse ebenso.

Freuen wir uns also über die baldige Gründung der Gut-Holz-Keglerpartei, der Anglerpartei, der Aperol-Spritz-Union, der Vereinigten Solariumsgänger, der Freien Currywurstesser, des demokratischen Bundesschwimmerbundes oder der Sofahocker-Partei. Ganz sicher: Wenigstens eine dieser neuen politischen Gruppierungen würde den Einzug in einen oder mehrere Landtage und vielleicht sogar ins Berliner Parlament schaffen.

Eine Partei fehlt in dieser Auflistung, trotz Sieggarantie: Die Partei des deutschen Fußballs. Spätestens dann, wenn das EM-Finale gewonnen wäre, würde sie es mit ihrem Kanzlerkandidaten Jogi Löw und dem designierten Pressesprecher Lukas Podolski auf mindestens 25 Prozent schaffen. Und somit wissen wir, warum sich Kanzlerin Angela Merkel zurzeit so gerne neben den DFB-Präsidenten auf die Tribüne setzt. Der Fußball ist ihr völlig egal. Sie führt schon Koalitionsverhandlungen.

Wenn Finale, dann fliegt Merkel

So, und jetzt mal die Lauscher aufgestellt: Hört man noch was? Von Diktatur, von Korruption, von Menschenhandel – von unterdrückten Demokraten? Eher mal nicht. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine, konzentrieren wir uns längst wieder auf das Wesentliche. Auf Poldi und Miro, auf Super-Mario und Jogi. Am ersten fußballfreien Tag wird klar: Sport ist Sport. Und das andere ist die böse Welt.

Zunächst hat es schon so ausgesehen, als würden wir während dieses Sportturniers ganz genau hinsehen. Als würde jeder Fan mit einem Menschenrechts-T-Shirt auf der Tribüne. Frau Timoschenko hat uns da einfach zu leid getan. Ein Merkel-Besuch in der Ukraine? Galt zunächst als völlig undenkbar.

Inzwischen hat die Stimmung umgeschlagen. Der deutsche Fußballfreund klatscht rhythmisch in die Hände und brüllt alle zehn Sekunden „Sieg!“. Und nichts wird die Kanzlerin vor einer peinlichen Dienstreise retten können, außer einer rechtzeitigen Niederlage der deutschen Elf vor dem Finale. Schließlich werden am 1. Juli in Kiew Bilder für die Geschichtsbücher gemacht.

Soll man nun verzweifeln, schimpfen, jammern? Nein, denn wer in Sachen Ukraine wegschaut und die nach-sowjetische Art der Demokratie für in Ordnung befindet, folgt größtmöglichen Vorbildern. So ist bekannt geworden, dass sich Deutschlands beliebstester Steuerflüchtling, der “Kaiser” Franz Beckenbauer, einen Nebenverdienst bei der Russian Gas Society gesichert hat. In deren Auftrag wird er zum Beispiel für die in Russland stattfindende Fußball-WM 2018 werben.

Die Gas-Gesellschaft ist eine Tochter des Gazprom-Konzerns, welcher durch Aufkäufe und andere Nettigkeiten die russischen Medien im Sinne des großen Präsidenten Wladimir Putin zurechtformt. Wenn sich solche Lichtgestalten verbünden, was bleibt da noch dem kleinen Fan? Klar, er klatscht in die Hände und brüllt “Sieg!”.

 

 

 

 

Große Menschen – kleine Schurken

Skandale rund um große Männer und Frauen hat es immer gegeben. Aber früher war die Aufregung berechtigt, während heute läppische Affärchen diskutiert werden. Ich habe darüber mit dem früheren Bundeskanzler Willy Brandt gesprochen.
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Alkohol macht schön!?

Welcher einsame Großstadt-Wolf  kennt das nicht? Er sitzt an der Bar. Irgendwie hormonell aufgeladen, aber angesichts der anwesenden Ladys nicht übermäßig motiviert. Er trinkt was, und schließlich wird der Wolf zum Jäger. Er reißt seine Beute, erlebt eine heiße Nacht – und erschrickt beim Aufwachen. Wie kommt einer wie er zu dieser hässlichen Frau?

So stellen wir uns gemeinhin den Akt und die Folgen des Schönsaufens vor. Der pirschende Mann trübt seine Sinne, damit sie ihm Attraktivität vorgaukelt, wo gar keine ist.

 Bloß: So stimmt das nicht. Durch Alkohol wird nämlich der Wolf sexy. Französische Wissenschaftler wollen dies in einer Studie mit dem Titel “Die Schönheit liegt im Auge des Biertrinkers” herausgefunden haben. Demnach ist der verklemmte und/oder verschüchterte  Nachtschwärmer, der sich ansonsten schon dann erotisch wähnt, wenn er auf Facebook mit zitternden Fingern auf “Anstupsen” drückt , zunächst hilflos. Männer haben ja Probleme, Lustsignale von Frauen zu empfangen und zutreffend zu bewerten.

Der Alkohol jedoch fließt nicht nur in die Leber, sondern offenbar auch ins Rückgrat. Unser Jäger strafft sich und beginnt, sich selbst immer attraktiver zu finden. Schön, wie er sich nunmehr fühlt, ist er bereit zum zielführenden Gespräch.

Soweit die Forscher. Nicht untersucht haben sie allerdings, wie sich die Attraktivität eines zunehmend besoffenen Menschen in der Wahrnehmung der Umgebung verändert. Es liegt sicher am Ausmaß des Saufens und am Mundgeruchfaktor des jeweiligen Getränkes. Wodka oder Wein haben da bestimmt eine bessere Prognose als fränkisches Landbier.

Zwei Probleme aber bleiben: Auf jeden Rausch folgt der Kater. Und jeder Depp bleibt Depp. Ohne Alkohol leben, aber über lange Strecken einsam sein, ist alles in allem gesünder. Man nennt es auch Marathonlauf. 

EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Als Orakel galt uns früher eine göttliche Offenbarung, die in Form eines Zeichens Aufschluss über die Zukunft geben soll. Je nach Religionszugehörigkeit dachte man, dass uns ein jeweils allwissender Herr mitteilen würde, was uns oder anderen Menschen in nächster Zeit blüht. Doch wo früher ein göttlicher Funke war, regiert in unserer profanen Zeit der tierische Instinkt. Zur Fußball-Europameisterschaft wird jedes Viech wird zum Propheten.

Angefangen hat das alles im Jahr 2010 mit Krake Paul. Einem Tier, das aufgrund seiner körperlichen Besonderheiten durchaus als Torwart geeignet wäre. Der alte Fisch löste seine Aufgaben mit Bravour. Er lag immer richtig.

Und jetzt bricht die Tier-Orakel-Flut über uns herein wie einst der EHEC-Virus. Es gibt höchst sympathische Hellseher wie Mops Otto von nordbayern.de oder Bayern 1-Mini-Bulldogge Xaver. Ziege Traudl tippt für eine obayerbayerische Molkerei, in der Ukraine wiederum grunzt ein dicker Eber in den visionären Futtertrog.

Auch Otter, Seehunde, Möwen und eine Elfantenkuh aus Krakau sind im Einsatz. Und schließlich die einstige Fluchtkuh Yvonne. Sie hat ihrem Ruf, ein eigenwilliger Charakter zu sein, bereits alle Ehre gemacht und auf einen Sieg von Portugal gegen Deutschland getippt.

Mir sind diese reinen Futtervorhersagen allerdings viel zu untranszendentral. Mir fehlt da das Übersinnliche. Deshalb würde ich gerne den erschossenen bayerischen Problembär Bruno einschalten. Vom weltberühmten Löffeltöter Uri Geller spiritistisch befragt, müsste sich vor dem Bären der jeweils passende Ländernapf unter heftigen Vibrationen verbiegen. Bruno wiederum, der ja wie alle Mordopfer nächtens als verlorene Seele am Tatort umherstreift, bekäme nach dem fünften Treffer die ewige Erlösung geschenkt.

Aber geht das überhaupt? Können Tiere zu uns sprechen? Das wiederum glaube ich sehr wohl. Als ich jüngst vor einer Currywurst gesessen bin, habe ich ganz eindeutig die Worte “Du wirst mich essen! Jetzt!” vernommen. Und sehet, genauso ward es!

Unser Leben klingt in Moll

Manchmal fragen wir uns: Wie kann es sein, dass es Menschen in anderen Ländern so vergleichweise mies geht und sie trotzdem so vergleichsweise fröhlich sind? Es liegt bestimmt auch an unserer Musik. Wer heute einen populären Radiosender einschaltet, dem springt das Leiden dieser Welt ins Ohr. Wir führen ein Leben in Moll.

Dieser Eindruck ist nun auch wissenschaftlich belegt. Die Wissenschaftler des Exzellenzclusters “Language of Emotion” der Freien Universität Berlin haben heutige Top-Hits mit erfolgreichen Liedern aus den 60-er Jahren verglichen. Und tatsächlich klang Erfolg damals anders, nämlich überwiegend in Dur. In Deutschland etwa waren vor genau 50 Jahren “Zwei kleine Italiener” , der  “Peppermint Twist oder der absolute Frohsinnsunfug  “Auf meiner Ranch bin ich König” hervorragend in der Hitparade platziert. Spaß war ausdrücklich erlaubt.

Heute jedoch ist es so: Der junge Mensch der Neuzeit liebt nicht mehr fröhlich in den Tag hinein. Nein, er hofft, bangt, bebt, leidet, hasst, liebt, verzehrt sich – um schließlich festzustellen, dass sich der/die Angebete jemand anderem an den Hals wirft. Und wenn es doch klappt, dann nur im festen Bewusstsein, dass jede Beziehung wohl nur befristet sein wird. So, wie er es aus der Arbeitswelt kennt.

Den dazugehörigen Klangteppich liefern Stars wie,  Adele , Silbermond , Xavier Naidoo Xavier Naidooo und viele weitere Abgesandte der Depropop-Industrie. Wir lernen, dass unser Weg kein leichter sein wird. Während lachende Leute auf Karibikinseln ihren Hunger mit Salsa wegtanzen.

Wahrscheinlich ist grundlose Melancholie Teil unseres Wohlstands. Ohne Trübsinn fehlt uns was. Trotzdem sollten wir es uns gönnen: Und wenn ein Lied seine Lippen verlässt, dann schalten wir ruhig mal ab, wechseln den Sendern, laufen wir davon. Und summen wir ein Lied. In Dur.

Unsere Regierung: Nix Großes, aber kleiner Mist

Nun lasst es doch mal gut sein. Diese Bundesregierung ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen. Sie ist vielmehr ganz nah dran am Volk. Wie viele von uns, bekommt sie nichts hin. Und der dazugehörige Satz lautet: “Morgen fange ich an.”

Wir kennen das, insbesondere von unserem persönlichen Gesundheitsmanagement. Wir haben uns entschlossen, unsere Rente langfristig auszukosten. Dazu müssen wir – logisch – unseren Körper in Schuss halten. Wir müssen Sport treiben, Fett abbauen. Dazu fassen wir Pläne.

Bloß: Der Einstieg ins Zukunftsprogramm mag uns nicht so recht gelingen. Also vertagen wir den Raketenstart auf morgen oder übermorgen. Und fangen mit kleinen Dingen an. Zum Beispiel mit temporärem Gummibärchen-Verzicht.

Und so macht es auch die schwarz-gelbe Koalition. Gestartet ist sie einst mit der machtvollen Parole vom “Durchregieren”. Zwischendrin gab es einen ziemlich folgenlosen “Herbst der Entscheidungen”. Nunmehr folgten Koalitionsgipfel und Kabinettssitzung. Mit einer enormen Tagesordnung, aber minimalen Ergebnissen.

Wichtiges wurde verschoben, das Betreuungsgeld hingegen wurde beschlossen. Dafür dankt die CSU. Außerdem gibt’s fünf Euro für die Pflegeversicherung. Dafür danken die FDP und die ihr treu verbundene Versicherungswirtschaft.

Politik also frei nach der Devise: Wachsen uns die Aufgaben über den Kopf, schaffen wir wenigstens noch kleinen Mist. Da brummt er zufrieden, der bayerische Problem-, äh Koalitionsbär.

Oskar Lafontaine, die falsche Queen

Mal angenommen,Oskar Lafontaine hätte nicht auf dem Parteitag der Linken herumsitzen müssen. Bielleicht hätte er am Sonntagnachmittag seinen Fernseher eingeschaltet. Er hätte die Bootsparade zu Ehren der englischen Queen angeschaut. Und hätte sich gefragt: “Warum gibt es das nicht in Berlin auf der Spree? Das hätte ich auch verdient.”

Oskar Lafontaine ist einer der letzten großen Ego-Shooter der deutschen Politik. Klar, er wurde ja auch nicht in ein Königshaus hineingeboren, sondern hat sich alles selner erarbeitet. Er hat sich an die Spitze des Zwergstaates Saarland gekämpft. Er war Kanzlerkandidat, er hat den Langsamredner Rudolf Scharping aus dem Amt des SPD-Vorsitzenden gefegt.

Als Finanzminister und damit nachgeordneter Gefährte des wesenverwandten Gerhard Schröder hielt er es allerdings nur knapp fünf Monate, vom 27. Oktober 1998 bis zum 10. März 1999, aus. Dann hatte er die Schnauze voll und kämpfte mit seiner neuen Partei “Die Linke” vor allem dafür, dass es seinen ehemaligen Genossinnen und Genossen schlechter ging als zuvor. Man hatte nicht auf ihn hören wollen.

Wer gegen mich ist, muss scheitern. Genau diesen Charakterzug hat Lafontaine jetzt wieder gezeigt. Weil ihm jemand das Comeback als Parteichef verdorben hatte, musste er bestraft werden. Der Bartsch ist abserviert, die neue Führung übernimmt einen vollkommen zerstrittenen Verein mit nunmehr ungewisser Zukunft.

Immerhin, seiner königlichen Eitelkeit ist Genüge getan. Oskar steht als Sieger da. Er ist und bleibt die Queen der Linken. Wenn auch eine falsche. Denn die andere, die in England, hält den Laden zusammen. und das seit 60 Jahren.

Italien beweist: Raubtierkapitalismus macht fett

Früher waren die Dinge klar: Die US-Amerikaner waren entweder elend fett oder Olympiasieger. Die Engländer hatte ordentliche Bierbäuche, so wie die Deutschen auch. Asiaten waren klein und spindeldürr. Wohingegen das Mittelmeer das Revier der Latin Lover war. Speziell Italien galt als das Land der schönen Verführer. Das ist vorbei.

Wissenschaftler wollen beobachtet haben, dass die Verfettung der italienischen Bevölkerung dramatische Ausmaße annimmt. Immer mehr Kinder im Zauberland des Olivenöls seien von Speckrollen geplagt. Und wie wir alle wissen, wird aus einem dicken Entchen nur in Ausnahmefällen ein lebenslang schlanker Schwan. Übergewicht im Kindesalter prägt bis ins Alter.

Aber was ist los bei unserem Nachbarn? Viele Jahrzehnte lang hatten wir Deutschen einen großen Wunsch: Manchmal wie ein Italiener sein. Wir haben es bewundert, wie ein Land funktionieren kann, in dem es immer Sonne, aber niemals wirklich eine Regierung gibt. Wir fanden es dekadent und dennoch toll, dass es möglich war, vier Stunden tägliche Mittagspause in den Arbeitsalltag einzubauen. Wir bestaunten Menschen, die in der Lage waren, ausschließlich mit einer Gabel bewaffnet super-elegant Spaghetti Bolognese fleckenfrei zu essen. Und dann noch dieser Charme, dem keine Frau widerstehen konnte…

Doch auch Italien ist globalisiert. Wer Arbeit hat, bewegt sich im Rhythmus aller Industrienationen. Zeit fehlt, denn sie wird von Berlusconis TV-Stationen weggesendet. Täglich bis tief in die Nacht, weshalb Jung und Alt unausgeschlafen ist. Aber Übermüdung macht fett. Und dann sind in den letzten Jahren in Italien viele kleine Läden zugesperrt worden. Man geht jetzt in den Supermarkt, Lebensmittel gibt es häufiger abgepackt als frisch.

Ihnen kommt das alles bekannt vor? Genau so ist es. Wenn sich Lebens- und Arbeitsweise angleichen, werden sich auch die Menschen ähnlich. Die dicken Kinder von Rom sind somit ein Produkt des Raubtierkapitalismus. Alsdenn: Ciao, Latin Lover. Per sempre. Und: Wie Körperfettabsaugung auf Italienisch heißt, schreibe ich demnächst mal.