Austauschen ist besser als kurieren

Na sowas: Da wird in allen Medien gemeldet, dass in deutschen Krankenhäusern zu schnell und unnötig oft operiert wird. Vor allem Hüftgelenke würden zu oft ausgetauscht. Aber: Warum wundert das jemand?

Man kann es doch Ärzten und Klinikverwaltern nicht vorwerfen, wenn sie auf die Politik hören. Sie sollen marktgerecht arbeiten. Denn der Markt ist immer besser als alles andere.

Also ist die Frage, wie ein Leiden mit geringstmöglichem Aufwand korrigiert werden kann, nur ein Aspekt von vielen. Das interessiert ja nur die Patienten, also die Randfiguren unseres Gesundheitswesens. Ansonsten geht es darum, für welche Maßnahme es welches Honorar gibt. Nur über den Schnupfen reden und heißen Tee empfehlen, geht nicht. Der Blutdruck muss gemessen werden. Leistung muss sich schließlich lohnen.

Und: Sanfte Therapie baut darauf, dass der Patient mitmacht. Ein schöner Gedanke. Aber welcher 60-Jährige geht plötzlich drei Mal die Woche ins Fitnesscenter, wenn er bis dahin nur bei Bier und Chips auf dem Sofa herumgelegen ist? Vertrauen in die Kranken bringt doch nichts. Dann lieber Ersatzteile hernehmen und das alte Zeug austauschen.

Ein Verfahren, dass ja auch zum Wesen unserer Gesellschaft beziehungsweise Wirtschaft gehört. Was wird schon noch repariert? Wegschmeißen und ersetzen, lautet die Devise.

Das wird sich in Zukunft eher noch verstärken. Und irgendwann werden wir froh sein, wenn es dabei nur um verschlissene Körperteile und nicht gleich um den ganzen Menschen geht.