Warum sind Chefs so herzlos?

Weil die Chefs in Deutschland ihre Mitarbeiter viel zu selten loben, haben sich immer mehr Menschen gedanklich von ihrer Arbeit verabschiedet. Doch wollen wir wirklich von jedem Chef gestreichelt werden? Und was denken Vorgesetzte wirklich?
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Das Saarland wird abgeschafft

Als Angehöriger einer im eigenen Bundesland unterdrückten Minderheit, den Franken, sollte man ich mit Schmähungen von Randgruppen zurückhalten. Aber ich kann es nicht anders schreiben: Seit gestern lehne ich das Wort “Saarland” in allen Schreibweisen und Darstellungsformen ab. Es war einfach zu viel.

800.000 Menschen leben in diesem “Bundesland”. Das ist hierzulande das Format einer Großstadt, das würde aber zum Beispiel in Istanbul nur für einen weniger bedeutenden Stadtteil reichen. Trotzdem: Im Fernsehen gab es Sonntagabend stundenlang Prognosen, Hochrechnungen, Interviews, Analysen, Kommentare und eine Elefantenrunde.

Kurzum, es wurde das seit Jahrzehnten erprobte komplette Repertoire für Landtagswahlen abgespielt. Endlos lange wurde geredet, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass diese bessere Kommunalwahl irgendeine Bedeutung für Deutschland, Europa und die Welt hätte.

Aber das ist falsch. Vom Saarland wissen wir doch bloß, dass es deswegen mal Ärger mit den Franzosen gegeben hat, dass Erich Honecker dort geboren wurde und dass die Leute einen eigenwilligen Dialekt sprechen. Wir wissen, dass der alte Oskar Lafontaine dort immer noch Politik macht, dass die Landesmutter einen Doppelnamen hat, der in kein Überschrift passt und dass die FDP dort nur wenige Stimmen mehr bekommt als die NPD. Ansonsten kommt dieses Land nicht mal in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Als Ort für umwälzende Ereignisse ist es somit völlig überschätzt.

Und noch etwas wissen wir: Aus Saarbrücken kommt Deutschlands schlechtester “Tatort”. Aus Franken dagegen gar keiner. Lasst uns zeigen, dass wir es besser können. Das Saarland wird abgeschafft. Dann werdet Ihr schon sehen.

Ein Buch macht immer klug. Wirklich?

Skeptische Beobachter der kulturellen Entwicklung in dieser Gesellschaft sind sich bei zwei Wahrheiten völlig einig: 1. Lesen bildet. 2. Internet macht doof. Während bedrucktes Papier immer auch geistig-moralischen Gewinn verspricht, gelten virtuelle Botschaften als wenig nahrhaftes Fastfood fürs Hirn.

Aber ist das wirklich so? Schauen wir auf die berühmte “Spiegel”-Bestsellerliste. Und dort steht  zurzeit auf Platz 1  Daniela Katzenberger mit ihrem autobiographischen Lebenshilfe-Ratgeber “Sei schlau, stell dich dumm”. In der Kategorie Sachbuch, wohlgemerkt. Es ist also so, dass es für die vermeintliche Bildungselite dieses Landes an zuallererst an den Erfolgsrezepten einer ulkigen Platin-Blondine Interesse hat.

Sogar noch mehr als an den stets beliebten Anleitungen zum Glücklichsein, die – auf Rang 2 der Bestsellerliste – unser nerviger Frohsinns-Doktor Eckart von Hirschhausen verbreitet. Auf Platz 3 landet der Titel “Ist meine Hose noch bei Euch”. Eine Sammlung lustiger SMS-Nachrichten. Da erfährt man zum Beispiel dieses: “Er hat mir ne apfur gegeben. Bin besoffn.”

Wo, wo, wo, ist bloß das Niveau? Gut, bei den gebundenen Büchern sieht es besser aus. Dort lehrt uns auf Platz 1 unser neuer Bundespräsident Freiheit und Verantwortung. Gefolgt von einem Schmöker zum Thema “Kunst des klaren Denkens” und dem Buch “Jesus”, das sich allerdings nicht mit dem Leben und Wirken von Joachim Gauck befasst.

Doch auch hier lauert das Grauen: Gerade schießt Carsten Maschmeyer mit seiner Autobiographie “Selmade” in den Bestsellerlisten nach oben. Und hier interessiert doch niemand, welche genialen Schachzüge es gibt, um gierig gewordene Kleinsparer gewinnbringend auszunehmen. Wir wollen wissen, wie er Veronica Ferres herumgekriegt hat.

Fazit: Das Triviale macht uns Freude. Schund steht auch in jedem gut sortierten Bücherregal. Die Buchhandlung mag ein Ort der Erbauung sein – wirklich besser als das Internet ist sie nicht.

 

 

 

 

 

Benzinwucher: Wir wollen Rache!

Haben Sie es auch schon bemerkt? Man geht auf die Straße. Da, plötzlich, hört man diesen leisen Ruf, der überall durch die Lüfte weht: “Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.” Und ausgesendet wird er von jenen Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind.

Eine neue Studie hat also ergeben, dass die Mineralölkonzerne die Krisen dieser Welt zum Wucher nutzen. Bei fairer Berechnung könnten nur 60 Prozent der aktuellen Verteuerung begründet werden. Ja, aber was glauben wir denn? Haben wir jemals etwas anderes vermutet? Es ist nicht das vorrangige Ziel kapitalistischer Unternehmen, den Menschen Gutes zu tun. Sondern es geht darum, mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Und wir senden ja selbst Signale aus, dass wir das hinnehmen. An der Tankstelle, indem wir den billigeren Pflanzenfusel ignorieren. Aber ganz grundsätzlich auch dadurch, dass wir uns in eine Schlange stellen, um ein Apple-Produkt im Wert von 200 € für 500 € kaufen zu dürfen. Das signalisiert: Es ist immer noch genug Geld da, um es zu verprassen. Die Ölgeier glauben das nur zu gerne. Zumal sie ein ziemlich konkurrenzloses Produkt haben.

Wie also reagieren?  Blockieren wir Tankstellen-Zufahrten mit Lichterketten? Besuchen wir die Tankstellen mit einem Fahrradkorso und stoppen den Betrieb, indem wir eine lange Schlange am Luftmessgerät bilden? Stellen wir die Tiger eines Wanderzirkus vor die Tür und fordern frisches E10-Futter?

Reagieren wir darauf, dass die Tankstellen sechs Mal pro Tag den Preis verändern und bleiben demonstrativ so lange an der Zapfsäule stehen, bis der beste Preis angezeigt wird? Ketten wir uns so lange an die Zapfsäulen, bis die Polizei mit Bolzenschneidern kommt?

Alles ist möglich, alles rettet uns nicht wirklich aus unserer Not. Am Ende hilft uns wohl nur das Beispiel der antiken Heldin Lysistrate. Sie hatte eine Sex-Verweigerung der Frauen organisiert. Verabreden also auch wir uns zum Liebesstreik. Solange Wucher herrscht, wird nichts mehr eingeführt. Und wenn es, wie in unserem Fall, die Zapfpistole ist…

Die Freiheit gehört zu Deutschland!

Er sei weder Heilsbringer, noch Heiliger und auch kein Engel. Das sagt der neue Bundespräsident Joachim Gauck über sich selbst. Wenn man die ersten Reaktionen auf seine Wahl so anschaut, fragt man sich allerdings: Wissen das auch die
anderen? Die Verehrung des neuen Mieters von Schloss Bellevue hat etwas leicht Hysterisches.

Am ehesten stemmen sich noch die Fernseh-Talkshows gegen den sich anbahnenden Personenkult. Deren Macher bekämpfen ihren Phantomschmerz nach Christian Wullfs ruhmlosem Abgang damit, dass sie tagtäglich analysieren, ob dieser Gauck denn tatsächlich der Richtige sei und wie es aussähe, wenn alles ganz anders gekommen wäre. Die Suche nach dem zweiten diskussionsfähigen Thema  neben alten und neuen Präsidenten ist in den Redaktionen bislang erfolglos geblieben.

Aber zurück zu Joachimg Gauck. Wirklich günstig ist seine Lage nicht. Denn das Ausmaß der Verehrung bestimmt die Fallhöhe. Die ist erheblich. Bei Gaucks Vorgänger Christian Wulff waren die Erwartungen von vorneherein niedrig. Er scheiterte allerdings auch daran, dass sein reales Verhalten nicht zu seinem Image gepasst hat. Man hatte ihn als farblosen
Saubermann eingeschätzt – tatsächlich war er ein Freund gewinnbringender Netzwerke.

Öffentliche Einschätzung und tatsächliches Auftreten und Handeln müssen zusammenpassen. Dissonanzen werden vom Volk nicht verziehen. Und so steht der neue Bundespräsident vor der Aufgabe, fünf Jahre lang der klügste, wachsamste, kritiscthe und mitfühlendste Präsident aller Zeiten zu sein. Einer zu sein, der zu jeder Zeit und in jeder Situation ein Stückchen besser ist als der Rest der politischen Kaste.

Als Zyniker möchte man da von Herzen „Viel Vergnügen“ wünschen. Und übrigens: Von Christian Wullff ist als positivie Leistung eigentlich nur der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland!“ in Erinnerung geblieben. Einen zentralen Satz von Joachim Gauck haben wir bereits begriffen, ohne dass er ihn genau so gesagt hätte: „Die Freiheit gehört zu Deutschland!“. Weitere Ideen sind willkommen…

 

 

Wo kein Weib, ist immerhin noch Wein

Wenn das keine Verheißung war: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“. Dies erklärte unser großer Reformator Martin Luther und machte so der katholischen Lustfeindlichkeit ein Ende. Vor allem aber vermittelte er damit das Bild, dass das alles zusammengehöre.  Männliche Fruchtfliegen können da nur süß-sauer lächeln.

Aber zurück zum Motto: Der galante Wiener Walzerkönig Johann Strauß machte den Wahlspruch zum Titel eines seiner Werke. Damals war die Welt von Mann und Frau offenbar noch wohlgeordnet. Als aber ein gewisser Ian Dury 1977 seine Punk-Folk-Version unter dem Titel “Sex and Drugs and Rock´n Roll” herausbrachte, konnte man schon den Eindruck haben, dass alles zusammen schwer erreichbar sein könnte. Der Mann war einfach zu hässlich und hatte auch noch richtig schlechte Zähne.

Außerdem hatten Udo Jürgens mit “Griechischer Wein” und Peter Alexander mit “Die kleine Kneipe” schon 1974 und 1975 davon gesungen, dass Saufen auch mit anderen, ernsteren Themen zu tun haben könnte.

Das Thema “Ersatzbefriedigung” rückt seitdem mehr und mehr in den Blickpunkt der Gelehrten. Womit wir bei der Fruchtfliege wären. Forscher der University of California haben nämlich herausgefunden, dass sich männliche Fruchtfliegen mit Alkohol trösten, wenn sie keinen Sex bekommen. Sie hatten im Labor männliche Fliegen mit Weibchen zusammengebracht, die sich zuvor gepaart und folglich kein Interesse mehr an Sex hatten.

Die zurückgewiesenen Männchen hatten im Anschluss die Wahl zwi­schen normalem und Ethanol-halti­gem Futter. Sie stürzten sich auf den Alkohol.

Nun versprechen sich die Forscher von ihrer Studie neue Erkenntnisse über das Suchtverhal­ten beim Menschen. Mit Verlaub: Ich mag daran nicht glauben. Dazu ist sie einfach zu unvollständig. So wurde den Fruchtfliegen als Alternative weder Halbmarathon, Harley-Davidson, Bundesliga-Dauerkarte noch eine Mitgliedschaft im Golfverein vorgeschlagen.

Und es fehlen Hinweise auf die geheimen Gelüste verschmähter Fruchtflieginnen. Unser singender Menschenkenner und -freund Udo Jürgens hatte dafür im Jahr 1976 eine Idee. Torte – “Aber bitte mit Sahne!”.

 

Dieter Bohlen, Retter der Sangesknaben

Sucht man nach Beweisen für die Gnadenlosigkeit unserer Gesellschaft, müssen wir in Bayern nicht weit schauen. Es sind unsere Schulen. Nirgends in der Republik bleiben so viele Kinder sitzen wie im Freistaat. Und nur ein Mann kann den Opfern dieses Systems Hoffnung machen: Dieter Bohlen, von Beruf Pop-Titan.

Das Ergebnis einer Bildungsstudie im Auftrag der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung sieht für Bayern so aus: In keinem anderen Bundesland schaf­fen weniger Schüler das Abitur. Und nirgends sonst entscheidet die Herkunft stärker über die Schulkarriere als im Freistaat uns. Das sei schlecht, sagen die Bildungsforscher.

Leute, warum so wehleidig?  Nach der festen Überzeugung der einflussreichsten CSU-Politiker(innen) wird das bayerische Abitur in mindestens 178 Staaten der Welt als wahrhaftige Krone des deutschen Bildungswesens bewundert und respektiert. Unser Rohstoff ist wahrhaftiger weiß-blauer Geist. Wer dagegen nur Stroh im Kopf hat, taugt eben nur als Knecht. Das ist eine Wahrheit.

Die andere Wahrheit ist, dass Mädchen in ganz Deutschland fleißiger und klüger sind. Sie räumen in den Schulen ab. Sie hängen die Jungs ab, so dass diese im Vergleich immer blasser wirken. Aufzuhalten ist diese Entwicklung nicht mehr.

Nur eine Institution stemmt sich seit Jahren erfolgreich gegen diesen Trend: Die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”. Hier werden alle Erkenntnisse der Bildungsforschung auf den Kopf gestellt. Mädchen, und seien sie noch so talentiert, will das Publikum nicht sehen. Das Herz des Publikums gehört Sangesbuben in lustigen Gewändern.

Die rettende Botschaft für männliche Schulversager lautet also: “Singt, wenn Ihr sonst nichts könnt”. Das hilft vielleicht sogar im gnadenlosen Freistaat Bayern.

 

 

Die Energiewende als Kreisel

Das ist es nun also: Ein Jahr Fukushima. Deutschland ist auf dem Weg zur atomkraftfreien Republik. Weil unsere Bundeskanzlerin und Physikerin damals so entschieden und aus vollster Überzeugung gehandelt hat. Aber war das wirklich so?

Heute loben viele Menschen Angela Merkel für ihren Mut, die Kernkraft zu beerdigen. Zu oft wird dabei vergessen, dass sie mit ihrer Energiewende nichts Neues hat beschließen lassen. Den Atomausstieg gab es schon vor ihrer Amtszeit. Die Kanzlerin hat nur den Mut zum Zurückrudern bewiesen. Sie hat zuerst mit den Kernkraft-Lobbyisten gekuschelt, um ihnen dann abrupt die kalte Schulter zu zeigen. Die Bezeichnung “Energiedrehung” träfe ihre Politik also besser.

Ungewöhnliche Dinge sind damals passiert. Ein Regierungssprecher trug einen blauen Schutzanzug wie aus einem Godzilla-Film. Die Fernseh-Nachrichtensendungen wurden um das “Japan-Wetter” verlängert. Damit auch die Deutschen wussten, ob wegen der jeweiligen Windrichtung Großstadtmenschen, Reisplantagen oder Pottwale besonders strahlungsgefährdet waren. Hätte es Atomausstieg II ohne Fukushima gegeben, hätte möglicherweise Schriftstellerin Charlotte Roche ein Problem gehabt. Sie hatte  Christian Wulff kostenlosen Sex angeboten, falls sich dieser dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung verweigern würde. Eine gefährliche Offerte, wie man angesichts der Vorliebe des Ex-Bundespräsidenten für Geschenktes aus heutiger Sicht weiß.

Zwei Anti-Atom-Aspekte wirken erstaunlich: Obwohl der japnische Super-Gau inzwischen ein Jahr zurückliegt, hat sich an der breiten Ablehnung der Atomenergie in Deutschland nichts verändert. Erstaunlich in einer Zeit, in der sich die Themen beziehungsweise Empörungen ansonsten sehr rasch verändern.

Erstaunlich ist aber auch, dass so wenig passiert, um das atomkraftfreie Leben wirklich zu ermöglichen. Zuletzt hat die Regierung das Umsteigen auf erneuerbare Energien eher erschwert. Die Stromkonzerne wollen ihre Aktionäre befriedigen und rufen nach dem Klimafeind Kohle. Kann es also sein, dass irgendwann wieder gerudert wird? Dass die Energiedrehung zum Energiekreisel wird? Dann wird es uns noch richtig schwindlig. Auch ohne Strahlung.

Keine Sorge, die nackten Mädchen wandern nur

So, Haken dahinter: Der internationale Frauentag ist auch wieder geschafft. Jetzt noch amMuttertag Pralinen verschenken. Dann war’s dann wieder mit der Frauenfreundlichkeit, bis zum Valentinstag 2013.  Man darf es mit der Gleichberechtigung nicht übertreiben. ZumGlück haben Aktionstage keine Folgen. Ach! Und was ist mit der Revolution bei “Bild”?

Da hat doch Deutschlands größte Boulevard-Zeitung tatsächlich von einem Frauentag auf den anderen das Seite-1-Mädchen abgeschafft. Dabei war doch die Kombination aus nackter Haut und neckischen Texten eines der wichtigsten Kauf- oder zumindest Hinguck-Argumente. Über 5000 Mal waren hüllenlose Schöne zu betrachten. Was haben sich die Herren der Redaktion (die Frauen hatten am 8. März frei) dabei bloß gedacht?

Vielleicht wollten sie beweisen, dass Frauenrechte auch durch Frauenversteher gewährleistet werden können. Wäre das so, könnte man sich die Debatte um Quoten für redaktionelles Führungspersonal sparen. Und kennen wir es nicht auch von Seminaren oder Unternehmensberatungen, dass die besten Ideen meistens “jemand von außen” hat?

Vielleicht plant “Bild” lediglich Brustvergrößerungen. Da auf der Titelseite wegen zurücktretender Bundespräsidenten, fistelstimmiger Castings-Stars, Helden des Sports und sonstigen Katastrophen immer drangvolle Enge herrscht, eröffnet das Verlegen des Nackig-Girls auf Seite 3 neue gestalterische Möglichkeiten. Man kann dann so ein schönes Strapsbild ja auch mal ganz groß bringen.

Vielleicht geht es aber nur ums Geld. Die Verkaufszahl der “Bild”-Zeitung im vierten Quartal ist von 2010 auf 2011 um 6,8 Prozent zurückgegangen. Glaubt man also, dass die Gelegenheitsgaffer zu zahlenden Kunden werden, wenn sie das Blatt am Kiosk in die Hand nehmen und umblättern müssen? (“Lesen verpflichtet zum Kauf”)

Denken wir in Ruhe drüber nach. Sicher dürfte aber sein, dass es sich bei der großen Frauenaktion um Heuchelei handelt. “Bild” ohne nackte Haut und ohne die Sex-Beichten von A- bis F-Promis ist für das breite Publikum so interessant wie ein Fußballspiel ohne Ball und Zalando ohne Schuhe.

Also Männer: Haken dahinter. Die Bild-Zeitung bleibt, wie und was sie ist. Und der nächste Internationale Frauentag kommt ganz bestimmt.

 

Wulffi räumt das Zauberland

Leute, jetzt seid doch nicht so böse. Natürlich regt uns Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seinen raffgierigen Trotteleien auf. Aber wir können sicher sein: Es geht vorbei. Es ist Zapfenstreich.

Die letzte spannende Frage seines bedeutungsvollen öffentlichen Daseins ist, ob es seinen Gegnern gelingen wird, die feierliche Blasmusik mit Vuvuzelas wirksam zu stören. Ich halte das für unwahrscheinlich, sind doch die afrikanischen Brutal-Tröten seit dem WM-Finale 2010 komplett  aus dem öffentlichen Leben verschwunden.

Und es wäre auch schade, denn Christian Wulff ist ein Romantiker. Einer, der sich nicht scheut, über eine Schnulze sein Innenleben preiszugeben. “Over The Rainbow” stammt aus dem Film “Zauberer von Oz” aus dem Jahr 1939. Die junge Judy Garland, spielt darin Dorothy, ein Mädchen vom flachen Land, das sich nach einem Streit mit seiner bösen Tante in ein Land voller Abenteuer wünscht.

Ein Tornado trägt Dorothy tatsächlich in ein verzaubertes Land. Dort lernt sie merkwürdige Freunde wie eine Vogelscheuche ohne Verstand oder einen Blechmann ohne Herz kennen, muss sich aber auch mächtiger Feinde erwehren. So etwa der bösen  Osthexe, die im Märchen für die Macht der US-amerikanischen Großbanken und -unternehmen steht. Nach vielen Abenteuern findet sie den Weg zurück nach Hause.

Sind Christian und Dorothy nicht wesensverwandt? Ist Berlin das Zauberland? Könnten Blechmann und Vogelscheuche nicht für Maschmeyer und Ferres stehen? Gibt es die Osthexe nicht auch bei uns, während sich die Westhexe heute Nicolas Sarkozy nennt?

Egal, unser romantischer Präsident glaubt offenbar an diese Lied-Textzeile:  ,Und alle Sorgen schmelzen einfach weg, so wie Zitronenbonbons über’m Kaminfeuer.’ Und schon bald ist er zurück in seinem Großburgwedel. Am besten für immer. Denn dort gehört er hin.

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