Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?

Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie „Der Bachelor“. Der „Bätschalla“, wie die „Bild“-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.

Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.

Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit „Germany’s Next Top Model“ weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.

Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.

Und deshalb gilt – auf  Fränkisch gesagt: „Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.“

PS: Das Wort „Baddscha“ steht für „Patscher“ und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.